Ist es «nur» Beruf oder gar Berufung?

SPEERSPITZ «Was? Du bist Journalistin? Wow. Das könnte ich nicht.» So oder so ähnlich tönt es jeweils, wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. Nicht, dass ich das Gefühl hätte, ich hätte einen enorm anspruchsvollen Job.

Martina Signer
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St. Gallen - Martina Signer Redaktion Toggenburg (Bild: Martina Signer)

St. Gallen - Martina Signer Redaktion Toggenburg (Bild: Martina Signer)

SPEERSPITZ

«Was? Du bist Journalistin? Wow. Das könnte ich nicht.» So oder so ähnlich tönt es jeweils, wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. Nicht, dass ich das Gefühl hätte, ich hätte einen enorm anspruchsvollen Job. Natürlich braucht es ein gewisses Flair für das Verfassen von Texten und ein gutes Gedächtnis. Doch viel hat auch mit Intuition und einer gesunden Portion Neugierde zu tun.

Vielleicht liegt meine aufrichtige Bescheidenheit im Zusammenhang mit meinem Job auch schlicht daran, dass es für mich nicht nur Beruf, sondern Leidenschaft ist. Berufung wäre womöglich zu viel gesagt. Doch so ehrfürchtig jeweils viele reagieren, wenn ich ihnen sage, mit was ich mein Geld verdiene – mir ist das schon fast peinlich. Schliesslich geht es bei uns nicht um Leben und Tod. Viel mehr Bewunderung habe ich für einige Personen übrig, die ich kürzlich im Rahmen einer Sonderserie für unsere Zeitung kennengelernt habe. Für Monika Dobler oder Barbara Kläger zum Beispiel. Zwei diplomierte Pflegefachfrauen, die am Spital Wattwil arbeiten. Sie kommen fast täglich entweder auf der Onkologie oder auf der Akutgeriatrie mit Menschen in Kontakt, die nicht mehr lange zu leben haben. Während ich die Informationen in einen Artikel gepackt habe, wurde mir erst bewusst, wie belastend das sein kann. Je mehr ich geschrieben habe, desto deprimierter wurde ich. Wie, fragte ich mich, halten diese Frauen das aus? Sie versuchen täglich, diesen Menschen das Leben, das sie noch haben, zu erleichtern. DAS ist ein Job, den ICH niemals machen könnte. Dagegen kommt mir meine Arbeit geradezu unwichtig vor. Immerhin kann ich das enorme Engagement und die aufopferungsvolle Tätigkeit dieser Frauen nach aussen tragen. So wird auch mein Beruf ab und zu etwas gewichtiger. Und nicht etwa, weil viele das Gefühl haben, dass sie das nicht könnten. Sondern wegen Leuten wie Monika Dobler und Barbara Kläger.

@toggenburgmedien.ch