Ist die Winterfütterung sinnvoll?

Diese Frage wurde ausführlich diskutiert an der Hauptversammlung des Ausserrhoder Hochjagdvereins. Markus Zellweger wurde als Nachfolger von Peter Rinderknecht als Hege-Obmann gewählt.

Hans Hürlemann
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appenzellerland. In seiner Begrüssungsrede stellte Präsident Hanspeter Gantenbein fest, dass sich ein grosser Teil der modernen Städter so weit von der Natur und ihren Gesetzmässigkeiten entfernt hätten, dass die natürlichen Zusammenhänge nicht mehr verstanden werden. Er nahm damit bereits einen Teil des Themas vorweg, das später eingehend diskutiert wurde.

Neben den üblichen Traktanden befasste sich die Versammlung nämlich mit einem «Dauerbrenner», mit der überall kontrovers diskutierten Frage der Winterfütterung. Eigentlich sind Hirsche durchaus in der Lage, auch strenge Winter zu überstehen. Wenn also ein Tier den Winter nicht übersteht, dann sei das zwar bedauerlich, entspreche aber dem Grundsatz der natürlichen Auslese. So überleben nur die starken und gesunden Tiere, und die Schwachen dienen dem Raubwild als Nahrung.

Das System funktioniert aber nur in völlig ungestörten Landschaften, und die sind rar geworden. Der Freizeitdruck auf den Lebensraum des Wildes hat ganz andere Voraussetzungen geschaffen. Freerider, Variantenskifahrer und Schneeschuhwanderer nehmen nur ausnahmsweise Rücksicht auf die Ruhegebiete des Wildes, so dass die Tiere aufgescheucht werden und so wertvolle Energie verbrauchen. Deshalb werde meist beschlossen, mit Fütterung die so verbrauchte Energie zu ersetzen.

Schäl- und Verbissschäden

Wenn aber an ungünstigen Standorten Futterstellen eingerichtet werden, ist die Gefahr gross, dass sich dort in der Umgebung zu viele Tiere versammeln, Bäume schälen und Jungpflanzen verbeissen. Dagegen wehren sich die Förster und Waldbesitzer und verlangen höhere Abschusskontingente. Die Ausserrhoder Hochjäger beschlossen nach ausführlicher Diskussion, zwar nicht ganz auf die Fütterung zu verzichten, sich aber die neusten Erkenntnisse zu Nutzen zu machen.

So soll nicht mehr obligatorisch die Ablieferung von Laubbüscheln verlangt werden. Dafür aber werden an geeigneten Standorten Heutristen aufgestellt. Das sind jene Ried- oder Wildheuhaufen mit einem Stecken in der Mitte. Der Zaun darum herum soll aber erst dann geöffnet werden, wenn die Nahrungssituation prekär wird. Zudem soll Prossholz zur Verfügung gestellt werden.

Damit bezeichnet man abgehauene Weichholzäste oder gefällte, nicht allzu grosse Weisstannen, deren Reisig und Rinde von den Tieren sehr gerne angenommen werden.

Ein neuer Hegechef

Peter Rinderknecht hielt zum letztenmal als Hegechef Rückschau auf die Jagdsaison. Die erste Jagdperiode brachte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Temperaturen waren viel zu hoch.

Erst nach zwei Nachjagden bis spät im Dezember wurde das Soll der Hirschabschüsse erfüllt, nämlich neun Stiere, elf Kühe und sieben Kälber. Der Gamsbestand ist stark zurückgegangen, darum sollten nur vier alte Böcke geschossen werden, was auch erfüllt wurde. Die Jäger leisteten gesamthaft 720 Stunden Hegearbeit beim Wildheuen auf Spitzli, Burket und Flor, beim Setzen von 45 Salzlecksteinen und mit dem Binden von Laubheubüscheln für die Futterstellen. Nach sechs Jahren im Amt reichte Peter Rinderknecht den Rücktritt ein.

Er wurde mit Applaus entlassen und einstimmig ersetzt durch den Forstwart Markus Zellweger.

Grosse Treibjagden

René Büchel berichtete über den Verlauf der drei Treibjagden, die wie der übrige Jagdbetrieb unfallfrei verliefen. Die Beteiligung war bei allen drei Gelegenheiten rekordverdächtig: Jedesmal waren mehr als 40 Jägerinnen und Jäger dabei.

Eine derartige Teilnehmerzahl machte die Aufgabe für ihn als Leiter ziemlich heikel, denn es ist einleuchtend, dass mit steigender Teilnehmerzahl auch das Risiko grösser wird. Darum betonte René Büchel bei seinem Vortrag, wie wichtig es sei, dass sich alle, ob Treiber oder Schützen, genau an die Anweisungen halten. Die Standorte für die Schützen seien präzise festgelegt, denn es gehe nicht nur um das freie Schussfeld, sondern auch um den Kugelfang.

Bei einer der Treibjagden begegnete ein Teilnehmer in Gebiet Kotnecker ein seltener Konkurrent: Der Jäger stand plötzlich einem Luchs gegenüber.