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«Als Schweizer Hersteller hat man auf dem internationalen Markt wenig Chancen»: Intracosmed-VR-Präsident über Konkurs der Urnäscher Firma

Vor zwei Jahren wurde die Urnäscher Kosmetikfirma Intracosmed gerade noch gerettet. Nun kommt es doch zum Konkurs. Doch es soll eine Nachfolgefirma gegründet werden. Sie hat das Ziel, möglichst viele Mitarbeitende zu übernehmen.
Kaspar Enz, Astrid Zysset
Mit Hilfe von Investoren will das Management eine Nachfolgelösung für die Intracosmed finden. (Bilder: Ralph Ribi)

Mit Hilfe von Investoren will das Management eine Nachfolgelösung für die Intracosmed finden. (Bilder: Ralph Ribi)

Dass bei der Intracosmed AG in Urnäsch die Türen zu sind, wäre nicht ungewöhnlich. Das Unternehmen, das Kosmetikprodukte herstellt, hat nämlich Betriebsferien. Fraglich ist aber, ob die Türen nach den Betriebsferien Anfang August wieder aufgehen. Gestern gab die Firma bekannt, dass sie Konkurs beantragt hat.

«Wir haben diesen Zeitpunkt nicht zufällig gewählt», sagt Verwaltungsratspräsident Thomas Stadelmann. So könnte die Übergangsphase möglichst reibungslos verlaufen. Das Management arbeite daran ein Nachfolgegefäss zu schaffen, das möglichst viele der 78 Mitarbeiter weiter beschäftigen könnte. Im Idealfall würde für diese wie für die Kunden nach den Betriebsferien alles weitergehen wie bisher, sagt Stadelmann. Das sei aber auch davon abhängig, wie schnell die Konkursverwaltung handeln könne.

Grosser Kunde fiel weg

Direkter Grund für den Konkurs sei der Wegfall eines wichtigen Kunden und fehlende Liquidität gewesen, hiess es in einer Mitteilung der Intracosmed AG. Der Hauptkunde habe rund einen Drittel des Umsatzes ausgemacht, sagt Stadelmann. Die Wurzeln des Übels reichen aber weiter zurück. Bereits vor zwei Jahren stand das Unternehmen vor dem Konkurs. Gerettet wurde es von der Jumado AG des Unternehmers Dölf Früh. Um die finanziellen Altlasten zu tilgen seien Investitionen in Millionenhöhe nötig gewesen – das Resultat von finanziellen Problemen, die schon seit Jahren angedauert hatten.

Ein Businessplan der früheren Geschäftsleitung stimmte aber optimistisch. Die Jumado AG verkaufte auf Anfang dieses Jahres die Aktienmehrheit für einen symbolischen Franken an das Management. Sophie Geiger und Ferruccio Vanin übernahmen daraufhin die Geschäftsführung.

Prognosen waren zu optimistisch

Doch auch der neuen Führung gelang es nicht, das Ruder herum zu reissen. So sei zwar versucht worden, den Verkauf zu stärken. «Die Neukunden konnten aber die Umsatzeinbussen bei den angestammten Kunden nicht auffangen», sagt Stadelmann. Die neue Führung habe auch mit Gläubigern gesprochen und Sparmassnahmen eingeleitet. Doch die Liquiditätslage habe nicht entscheidend verbessert werden können. Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass die Umsatzprognosen im Businessplan viel zu hoch gegriffen waren.

Allerdings bewegt sich die Intracosmed auch auf einem hart umkämpften Markt. Die Firma stellt seit 50 Jahren Kosmetikprodukte wie Crèmes oder Shampoos für Schweizer und internationale Marken her. «Als Schweizer Hersteller hat man wegen der hohen Kosten auf dem internationalen Markt wenig Chancen», sagt Stadelmann. Als Abnehmer kämen vor allem Schweizer Marken in Frage oder internationale Firmen, die für eine hochpreisige Produktlinie auf «Swiss Made» setzen.

Intracosmed stellt seit 50 Jahren Kosmetikprodukte wie Crèmes oder Shampoos für Schweizer und internationale Marken her.

Intracosmed stellt seit 50 Jahren Kosmetikprodukte wie Crèmes oder Shampoos für Schweizer und internationale Marken her.

«Es geht darum, ein kleineres Schiff zu bauen»

Wie die Nachfolgelösung aussehen wird, die nun mit Hilfe von Investoren gesucht wird, sei schwer zu beurteilen, sagt Stadelmann. Klar ist, dass die jetzige Intracosmed nach dem Ausstieg eines Hauptkunden zu gross ist. «Es geht darum, ein kleineres Schiff zu bauen», sagt Stadelmann. Für wie viele Mitarbeitende es darauf Platz habe, das sei noch unklar. Die Mitarbeiter seien in Zusammenarbeit und in Absprache mit der Arbeitslosenversicherung AR informiert worden, sagt Stadelmann. Deren Leiter sei am Dienstag schon vor Ort gewesen, um den Anwesenden die nächsten Schritte zu erklären.

Die Entscheidung, den Konkurs anzumelden, sei nicht leicht gefallen, sagt Stadelmann. Es tue ihm vor allem für die Mitarbeitenden leid. «Und für Urnäsch. Viele Grossfirmen gibt es in der Gemeinde ja nicht.»

Fakten über Kosmetikfirma Intracosmed

Die Intracosmed AG stellt Kosmetikprodukte im Premiumsegment für Schweizer und internationale Marken her. Sie wurde 1963 als Intrapharm GmbH mit Sitz in Horgen gegründet. Nach der Übernahme der Familie Früh 1991 erfolgte der Umzug nach Bühler und 2004 nach Urnäsch. Bis 2017 führte Thomas Früh (nicht verwandt mit Dölf Früh) das Unternehmen als CEO. Unter seiner Führung ist die Intracosmed AG stark gewachsen.

Das Unternehmen kämpfte schon seit Jahren mit finanziellen Problemen. Mitte 2017 wurde die Situation prekär. Die Jumado AG des Ostschweizer Unternehmers Dolf Früh sprang ein und übernahm die Aktienmehrheit, wodurch der drohende Konkurs abgewendet werden konnte. Investitionen in Millionenhöhe wurden getätigt, um finanzielle Altlasten zu tilgen. Ende 2018 präsentierte die damalige Geschäftsleitung einen neuen Businessplan, der den Fortbestand des Unternehmens als realistisch skizzierte. Das Management kaufte daraufhin per Anfang dieses Jahres die Firma von der Jumado AG, Sophie Geiger und Ferruccio Vanin übernahmen die Geschäftsführung. (red.)

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