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Wenn Einbrecher Homeoffice machen: Was kleine Kantone wie Innerrhoden und Ausserrhoden gegen die Cyberkriminalität machen können

Die Kriminalstatistik des Appenzell Innerrhodens zeigt, dass Kriminelle im Coronajahr auch Homeoffice machen: Cyberkriminalität nahm zu, auch wenn die Zahlen mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Elia Fagetti
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So könnte eine Attacke auf Ihr System aussehen. In vielen Fällen wird vom Erpresser ein Zeitlimit gesetzt.

So könnte eine Attacke auf Ihr System aussehen. In vielen Fällen wird vom Erpresser ein Zeitlimit gesetzt.

Bild: Christian Beutler / KEYSTONE

Die kürzlich erschienene polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) von Appenzell Innerrhoden zeigt einen Anstieg und die zunehmende Bedeutung der Cyberkriminalität. Das spiegelt sich in der Darstellung. Die erste Statistik enthält drei Spalten. In der ersten finden sich das Total, die folgenden zwei Spalten unterteilen sich in Cybermodus und kein Cybermodus. Bei relevanten Straftaten wird also unterschieden, ob diese im Internet begangen wurden oder nicht.

Von total 68 relevanten Straftaten gehören 25 in die Kategorie Cybermodus. Vor allem Betrug wurde 2020 online begangenen. Im Bericht heisst es:

«Von 18 zur Anzeige gebrachten Betrugsfällen wurden 14 im letzten Jahr mit einem Cybermodus, also im digitalen Raum, verübt.»

76 Prozent der Cyberkriminalität des Jahres 2020 fallen in den Bereich von Wirtschaftskriminalität. Weiter steht, dass im Falle von verbotener Pornografie in vier von fünf Fällen ebenfalls das Internet zum Einsatz kommt.

Zusammenarbeit ist wichtig

Wie die kleineren Kantone nun mit dieser Entwicklung umgehen, zeigt ein Blick ins Appenzellerland. Alle polizeilichen Arbeitsgruppen finden sich mindestens einmal im Jahr zusammen. Die Arbeitsgruppe Cyberkriminalität des Kantons Appenzell Innerrhoden trifft sich mit den anderen Arbeitsgruppen desselben Bereichs. Dabei tauschen sie Erfahrungen und Wissen aus, um besser auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Dies passiert schweizweit. Je nach Bereich tauscht man sich auch mehrmals im Jahr aus. Roland Koster bestätigt den Trend, dass der Bereich Cyberkriminalität wächst:

«Wir haben immer mehr Arbeit und Fälle im Bereich Cyberkriminalität. Die Polizei geht all diesen Fällen strikt nach.»

Deswegen muss Präventions- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Polizeiorganisationen der ganzen Schweiz versuchen schon im Primarschulalter die Kinder auf ein sicheres Verhalten im Netz zu sensibilisieren.

Eltern sind entscheidend

Nicht nur die Kinder werden sensibilisiert, sondern auch ihre Eltern. Wie Koster sagt, werden je nach Bedürfnis Elternabende durchgeführt. Dies geschieht meist bei jungen Eltern mit Kindern im Primarschulalter. In den meisten Fällen wird auf die Website der schweizerischen Kriminalprävention hingewiesen. Dort findet die interessierte Person alles, was es zur allgemeinen Kriminalprävention zu wissen gilt. Unter dem Reiter «Fokus Internet» finden sich beispielsweise Erläuterungen zu Themen wie Phishing, Sextortion, Cybermobbing oder Romance Scam. Diese enthalten Definitionen und Merkmale der Tat, die Rechtslage, was die Polizei unternimmt und was man als betroffene Person tun kann.

Informationen über das Vorgehen der Polizei werden nicht herausgegeben. Dies bestätigt sowohl Roland Koster von der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden als auch Marcel Wehrlin von der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden. Dies wird getan, damit die Polizei ihren ermittlungstaktischen Vorteil nicht verliert.

Die Polizei geht davon aus, dass die Kriminalität im Netz weiter steigen wird. Dies zeigen auch die Zahlen der Kriminalstatistik der Kriminalpolizei St.Gallen. Darin wird aufgeführt, dass Cyberkriminalität in St.Gallen einen absoluten Zuwachs von 1231 auf 1636 Cyberdelikten hat, was einem Anstieg von 33 Prozent entspricht. Der gleiche Trend ist aus der gleichen Statistik für die ganze Schweiz ablesbar, wo der Anstieg im Durchschnitt 22 Prozent betrug.

Vorsicht mit Statistiken

Der Rückblick auf die Gesamtkriminalität der letzten fünf Jahre im Kanton Appenzell Innerrhoden zeigt ein Wachsen und Schrumpfen der Kriminalität. War es 2016 ein Anstieg um 39 Prozent, so fiel die Gesamtkriminalität die folgenden drei Jahre, nur um dann im letzten Jahr um 20 Prozent zu steigen. Die Gesamtkriminalität betrug im Jahr 2016 599 Straftaten. Vier Jahre später sind es 398 Straftaten.

All diese Zahlen und Fakten müssen vorsichtig interpretiert werden, erklärt Roland Koster von der Medienstelle der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Hinzu komme, dass die Statistik nicht die absoluten Zahlen liefere. Wenn zum Beispiel erst jetzt ein Verbrechen vom letzten Oktober zur Anzeige gebracht werde, dann taucht dieses Verbrechen nicht in der PKS von 2020 auf. Koster warnt davor, dass im schlimmsten Fall falsch gedeutete Statistiken zu unbegründeter Angst oder Entspannung führen.