Interessenvertretung
Appenzell Innerrhoden sieht sich als Gebirgskanton, Ausserrhoden schielt lieber nach der Metropolitanregion Bodensee

Innerrhoden ist nach zwei Jahren im Beobachterstatus der Regierungskonferenz der Gebirgskantone beigetreten. Ausserrhoden hat sich gegen diesen Schritt entschieden.

Karin Erni und Astrid Zysset
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Der Säntis verbindet die beiden Appenzell. Doch nur Innerrhoden fühlt sich als Bergkanton.

Der Säntis verbindet die beiden Appenzell. Doch nur Innerrhoden fühlt sich als Bergkanton.

Boris Adolf

Nach einer zweijährigen Beobachtungsphase hat sich Appenzell Innerrhoden entschlossen, der Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) beizutreten und wurde per 1. Februar definitiv aufgenommen. «Ursprünglich hat sich die Konferenz fast ausschliesslich mit der Wasserkraftnutzung befasst», sagt der Innerrhoder Bauherr Ruedi Ulmann. «Das hat Appenzell Innerrhoden, das kaum Wasserkraftwerke hat, naturgemäss weniger interessiert.» Heute gehe es vermehrt um Themen wie allgemeine Energiefragen, Raumplanung, Tourismus, Verkehr, Finanzen und Beziehungen zum grenznahen Ausland, so Ulmann. «In diesen Fragen haben wir gleiche Interessen wie die anderen Mitgliedskantone und können unsere Standpunkte einbringen.» In der Politik tue sich vermehrt ein Stadt-Landgraben auf, ist Ulmann überzeugt. «Daher ist es besonders wichtig, dass die Gebirgskantone ihre Anliegen in den nationalen Parlamenten, beim Bundesrat und auch im Ausland mit einer starken Stimme kundtun.» Ein aktuelles Thema seien beispielsweise die Fragen um die Covid-Massnahmen im Tourismus. Aber auch das Thema Wolfspräsenz beschäftige die Bergkantone stark, so Ulmann.

Ruedi Ulmann, Bauherr Appenzell Innerhoden.

Ruedi Ulmann, Bauherr Appenzell Innerhoden.

Bild: PD

Bis jetzt sei er als Bau-Umwelt- und Energiedirektor jeweils an die viermal jährlich stattfindenden Sitzungen nach Altdorf gefahren, so Ulmann. «Aber je nach Schwerpunktthema, kann auch einmal ein anderes Regierungsmitglied den Kanton vertreten.» Der Beitritt zur RKGK sei eine Win-win-Situation, ist Ulmann überzeugt. «Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone hat ein Mitglied mehr und wir als kleiner Kanton haben ein Sprachrohr, das gehört wird.»

Ausserrhoden fühlt sich von Thematik nicht betroffen

Gleichzeitig mit Innerrhoden hatte auch Appenzell Ausserrhoden 2018 die Beobachterphase Regierungskonferenz der Gebirgskantone begonnen. Doch anders als Innerrhoden verzichtet Ausserrhoden nun auf den definitiven Beitritt zur RKGK. Denn: Der Arbeitsaufwand ist zu hoch, als dass sich ein Mehrwert für den Kanton herausstellen würde. Regierungsrat Dölf Biasotto nahm an einigen ganztägigen Konferenzen der RKGK teil. «Zu 70 Prozent wurde über die Themen Energiegesetz, Wasserkraft und Wasserzins diskutiert». Letzterer bezeichnet die Entgeltung für die Nutzung der Wasserkraft zur Energieerzeugung. Ausserrhoden nutzt zwar Wasserkraft als alternative Energiequelle, doch nur in kleinen Mengen. «Die Diskussionen innerhalb der Konferenz waren zwar sehr interessant, doch betrifft diese Thematik unseren Kanton nur in sehr geringem Ausmass.»

Dölf Biasotto, Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden.

Dölf Biasotto, Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden.

Bild: PD

Die übrige Zeit wurden innerhalb der RKGK über Raumplanung, Tourismus, Verkehr oder auch über das Zweitwohnungsgesetz gesprochen. Für diese Themenfelder sieht Biasotto die Interessen Appenzell Ausserrhodens in den bestehenden schweizerischen und ostschweizerischen Konferenzen der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren sowie der Volkswirtschaftsdirektoren berücksichtigt. Der Metropolitanraum Bodensee sei es, der für den Regierungsrat des Kantons Appenzell Ausserrhoden als relevant erscheint. Dortige Bestrebungen und Projekte hätten direkten Einfluss auf den Kanton. «Eine Strategie für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Berggebiete, wie sie beispielsweise in der RKGK besprochen wird, tangiert uns einfach zu wenig, weil wir peripher zum Kerngebiet der RKGK liegen. Und wir möchten unsere Interessen und Ressourcen lieber dort einsetzen, wo wir uns einen unmittelbaren Nutzen versprechen.»

Regierungskonferenz der Gebirgskantone

Viel Fläche, wenig Leute

Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) ist im Jahre 1981 gegründet worden. Heute gehören ihr die Regierungen der Kantone Uri, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, Tessin und Wallis an. Die RKGK strebt die gemeinsame Vertretung aller gebirgsspezifischer Anliegen und Interessen im In- und Ausland an. Die Fläche der acht in der RKGK zusammengeschlossenen Kantone entspricht einem Anteil von 43,3 Prozent an der Gesamtfläche der Schweiz. In den RKGK-Kantonen leben rund 1,1 Million Personen oder 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Perimeter der RKGK beträgt rund 84 Personen pro Quadratkilometer, in der gesamten Schweiz sind es 215 Personen. (pd)