Integration und die eigene Kultur

wattwil. Olivera Drmanic ist Serbin und lebt seit ihrer Geburt in der Schweiz. Serbien ist für sie Heimat, Familie und Tradition. Wenn sie nach einem anstrengenden Tag an der Kanti nach Hause kommt, hört sie serbische Musik. Auf dem Titelblatt ihrer Maturaarbeit «Serbische Migranten im Kanton St.

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wattwil. Olivera Drmanic ist Serbin und lebt seit ihrer Geburt in der Schweiz. Serbien ist für sie Heimat, Familie und Tradition. Wenn sie nach einem anstrengenden Tag an der Kanti nach Hause kommt, hört sie serbische Musik. Auf dem Titelblatt ihrer Maturaarbeit «Serbische Migranten im Kanton St. Gallen. Zwischen Integration und eigener Kultur» fällt zuerst das grosse Schweizer Kreuz auf. Daneben, etwas kleiner ist das Wappen des Kantons St. Gallen abgebildet, darüber die Fahne der noch jungen Republik Serbien.

Die Enkelin eines Saisonarbeiters ist die erste in ihrer Familie, die aufs Gymnasium geht. Nach der Matura will sie in St. Gallen Ökonomie studieren. Ziemlich schnell war ihr klar, dass sie die Frage nach der eigenen Herkunft und damit auch ein Stück weit die der eigenen Identität in ihrer Maturaarbeit klären wollte. Warum verliessen ihre serbischen Landsleute ihr Land? Wie soll sie ihren Schweizer Freunden, Lehrern, zukünftigen Arbeitgebern die eigene Kultur erklären? Mangelnde Akzeptanz komme oft von Vorurteilen, sagt die junge Gymnastin. Sie hält Integration für wichtig. Assimilation lehnt sie ab und ist überzeugt: «Integration kann nur schaffen, wer in der eigenen Kultur verwurzelt ist.»

Olivera Drmanic interviewte serbische Migrantinnen und Migranten und machte sich mit der Arbeit der regionalen Integrationsfachstelle für das Toggenburg und Linthgebiet vertraut. In den ersten Kapiteln schildert sie die Geschichte, 500 Jahre lang.

Seit der Schlacht auf dem Amselfeld im heutigen Kosovo von 1389 waren die Serben verarmte Untertanen. Erst im 19. Jahrhundert lehnten sie sich erfolgreich gegen das geschwächte Osmanische Reich auf. 1878 wurde das Land als unabhängiges, eigenständiges Serbien international anerkannt. Um diese Zeit herum verliessen die ersten Auswanderer ihre serbische Heimat, um anderswo ihr Glück zu versuchen. In die Schweiz kamen die meisten aber erst in den Sechziger- und Siebzigerjahren, wie der Grossvater der Maturandin.

Damals waren die Serben eine Bevölkerungsgruppe im kommunistischen Vielvölkerstaat Jugoslawien und hatten einen guten Ruf. Olivera Drmanic selbst hatte nie Probleme. Sie wuchs zweisprachig in beiden Kulturen auf. Dennoch sagt sie: «Wenn du einen Nachname mit «ic» am Ende hast, wirst du von manchen erst einmal schief angesehen.»

Tanja Trauboth

Unter www.kantiwattwil.ch sind alle Themen der diesjährigen Maturaarbeiten aufgelistet.