Inspiration für neue Parfums

Der in Kirchberg geborene Roman Kaiser kommt auf Einladung des Pilzvereins Toggenburg für einen Vortrag nach Wattwil und referiert über verschiedene Düfte.

Merken
Drucken
Teilen

WATTWIL. Roman Kaiser, geboren 1945 in Kirchberg, studierte Chemie am Technikum Winterthur, und ist seit 1968 im Forschungszentrum der Givaudan in Dübendorf bei Zürich als Riechstoffchemiker tätig. Schwerpunkte seiner Arbeiten sind das Studium und die parfümistische Rekonstitution von Naturdüften sowie die Suche und anschliessende Synthese von neuen Molekülen in solchen Naturdüften. Seit 1975 wendet er dazu speziell auch die so genannte Headspace-Technik an, die das zerstörungsfreie Aufsammeln und Analysieren von Pflanzen- und Blütendüften erlaubt, und gilt damit als einer der Pioniere dieser Methodik. Viele der von ihm rekonstituierten Naturdüfte haben in international bekannten Duftschöpfungen Verwendung gefunden. In jüngerer Zeit galt sein Interesse besonders der im Blätterdach und Unterholz tropischer Regenwälder vorkommenden Pflanzenwelt und ihren Düften.

Umfangreiche Studien

Resultate dieser Studien sind Gegenstand von über 50 in Fachzeitschriften erschienenen Publikationen sowie ein Buch zum Thema Orchideedüfte. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeiten wurde ihm 1988 der renommierte Roche-Forschungspreis zugesprochen und 1995 verlieh ihm die ETH Zürich ehrenhalber die Würde eines Doktors der Naturwissenschaften. Ein im Jahr 2006 erschienenes zweites Buch mit dem Titel «Meaningful Scents around the World» fasst die wichtigsten Stationen seiner weltweit betriebenen Duftforschung zusammen und ein drittes kürzlich erschienenes Buch «Scent of the Vanishing Flora» dokumentiert 267 der bedrohtesten Pflanzenarten von der Duftseite her. In spezieller Würdigung dieses 10jährigen Projektes sowie allgemein für seine Forschung auf dem Gebiet der Naturdüfte wurde ihm der «Dr. Rudolf Maag-Preis 2012» verliehen. Mit Leidenschaft widmet sich Roman Kaiser in seiner Freizeit möglichst ganzheitlichen Naturbetrachtungen, wobei dem Phänomen Pflanzenduft erwartungsgemäss eine besondere Bedeutung zukommt.

Im Reich der Düfte

Seit 30 Jahren sucht der Referent in der Natur nach neuen Duftmolekülen und Duftkonzepten, die nicht durch die klassischen ätherischen Öle und verwandte Produkte abgedeckt sind. Dazu wendet er eine felderprobte Duftsammeltechnik an, die das zerstörungsfreie Aufsammeln von Duftproben von Blüten im Mikrogramm-Bereich erlaubt. Diese werden später im Labor mit Hilfe der modernsten analytischen Methoden untersucht und zum Teil basierend auf den synthetischen Einzelduftstoffen auch rekonstruiert und können schliesslich in dieser Form als Inspiration für die Kreation von neuen Parfums dienen. Die Forschungstätigkeit brachte Roman Kaiser an Orte rund um die Welt. Die virtuelle Duftreise beginnt in den nordwestlichen Bergen von Yunnan, führt dann via das Lakekamu Becken und die Kuper Range in Papua Neuguinea und das südliche Indien in die Schweizer Berge, um dann nach Kurzbesuchen in Südafrika und den Regenwäldern von Amazonien auf den Hawaii-Inseln zu enden. Auf diesen Reisen zeigte sich, dass man wichtigen Komponenten von Pflanzen- und Blütendüften auch im Pilzreich und im täglichen Leben immer wieder begegnen kann. Die Besucher des Vortrages können sich von Duftgeschichten, Bildern, einer faszinierenden Naturstoffchemie und 14 mitgebrachten Düften bezaubern lassen. (pd)

Vortrag von Roman Kaiser, Montag, 18. Februar, um 20 Uhr im Hotel Löwen in Wattwil.