Ins Heimetli kehrt neues Leben ein

NESSLAU. Die Altbauten des Wohnheims Felsengrund in Stein werden in den kommenden Monaten durch einen Neubau ersetzt. Am Montag sind die Bewohner für mindestens ein Jahr in die leerstehende Pension Heimetli nach Nesslau gezügelt.

Jesko Calderara
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Für Heimleiter Martin Schmid (links) und Hansueli Scherrer, Präsident der Heimkommission, ist das «Heimetli» eine ideale Übergangslösung. (Bild: Jesko Calderara)

Für Heimleiter Martin Schmid (links) und Hansueli Scherrer, Präsident der Heimkommission, ist das «Heimetli» eine ideale Übergangslösung. (Bild: Jesko Calderara)

Rund um die Pension Heimetli, hoch oben über Nesslau, herrschte am Montagnachmittag reges Treiben. Autos mit vollbeladenen Anhängern fahren vor, während einige Frauen und Männer Bananenschachtel um Bananenschachtel ins Haus tragen. Weil der alte Teil des Wohnheims Felsengrund in Stein durch einen Neubau ersetzt wird, ist das Heimetli für die 23 Bewohner und deren Betreuer zur temporären Bleibe für mindestens ein Jahr geworden. «Diese Gelegenheit mussten wir nutzen», sagt Hansueli Scherrer, Präsident der Heim- und Baukommission des Wohnheims Felsengrund. Es sei nicht einfach, für einen längeren Zeitraum eine solche Übergangslösung zu finden. Sie hätten verschiedene andere Optionen geprüft, diese allerdings wieder verworfen, erläutert Hansueli Scherrer. «Den Betrieb nur teilweise zu verlegen, etwa ins Haus Rotenstein, war uns zu umständlich.»

Leute am gleichen Ort

Letzten Herbst sorgte die Pension auf Nesslauer Gemeindegebiet für negative Schlagzeilen. Weil die Übernachtungszahlen rückläufig waren, musste die dem Blaukreuz Schweiz angesiedelte Stiftung den Betrieb einstellen. Der Präsident der Heimkommission betont die Vorteile des Umzugs ins Heimetli. «Wir haben alle Leute am gleichen Ort und können dabei erst noch in der Gemeinde bleiben.» Zudem verfügten die drei Gebäude, von denen sie allerdings nur zwei nutzten, über genügend Einzelzimmer, sagt Hansueli Scherrer. «Die Infrastruktur erfüllt, auch in Bezug auf den Brandschutz, alle unsere Anforderungen». Den Betrieb am bisherigen Standort während der Bauphase einzustellen, mache zudem aus Sicherheitsüberlegungen Sinn, fügt er hinzu.

Finanzierung gesichert

Das Wohnheim Felsengrund, welches zur Blaukreuz-Sektion St. Gallen-Appenzell gehört, bietet 25 Plätze für Menschen, die wegen ihres übermässigen Alkoholkonsums kurzfristig oder langfristig nicht mehr alleine leben können. Für die Bewohner ändere sich im Alltag nichts, sagt Heimleiter Martin Schmid. «Sie erhalten die gleiche Betreuung wie bis anhin und gehen weiterhin einer Beschäftigung nach.» Der Umzug bedeute zwar einen Mehraufwand, lohne sich aber für alle Beteiligten, betont er. Derweilen laufen im einige Kilometer entfernten Stein die Arbeiten am Felsengrund-Bauprojekt auf Hochtouren weiter. Noch bis Ende Februar liegt in Nesslau der notwendige Teilzonenplan auf. Widerstand gebe es bis jetzt keinen, sagt Hansueli Scherrer. «Vor zwei Wochen haben wir die Abbruchbewilligung für das alte Gebäude erhalten.» Die entsprechenden Arbeiten hätten bereits begonnen. Anschliessend folgen Aushub, Bau der Mauer an der unteren Grundstücksgrenze und der Aufbau des neuen Teils. Baustart dazu soll Anfang April sein, sobald die Bewilligung eingetroffen ist. Aus sechs Studienprojekten wurde im letzten Jahr das Projekt des Architekten Ivan Cavegn aus Schaan zur Realisation ausgewählt. Die Bewohnerzahl bleibt im Felsengrund bei 25. Mit dem geplanten Neubau entstehen wohnliche Zimmer, sinnvoll eingerichtete Arbeitsplätze und geeignete Aufenthaltsräume für die Freizeitgestaltung. Dank den besseren Einrichtungen werden die internen Prozesse optimiert, sagt Martin Schmid. Die Verantwortlichen rechnen je nach Wetter mit einer 12- bis 14monatigen Bauphase. Was nachher mit dem Heimetli geschieht, ist noch offen.

Gemäss Voranschlag kostet das Vorhaben rund 4,3 Millionen Franken. Die Investitionssumme setzt sich dabei aus Vorbereitungsarbeiten, Gebäude, Umgebung, Baunebenkosten und der Ausstattung zusammen. «Die Finanzierung steht», bestätigt Hansueli Scherrer. Neben der Zusage von Banken und dem Eigenkapital sind bereits über 800 000 Franken an Spenden und Beiträgen zugesichert. Um die Belastung mit Fremdkapital möglichst gering zu halten, soll die Sammlung in nächster Zeit noch weiterlaufen.

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