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Innerrhodens Ämter reichen weit zurück

Der Zeugherr und der Armleutsäckelmeister sind als Ämter in Appenzell Innerrhoden verschwunden. Die historischen Bezeichnungen der übrigen Mitglieder der Standeskommission sind hingegen erhalten geblieben. Verändert haben sich die Amtsaufgaben.
Martin Schneider
Aus einer Zeit, als die Standeskommission noch aus neun Mitgliedern bestand. 1954 waren im Sitzungszimmer auch noch der Zeugherr und der Armleutsäckelmeister präsent. Damals in den beiden mittlerweile abgeschafften Ämtern: Niklaus Senn respektive Carl Knechtle (beide vorne links). (Bild: PD)

Aus einer Zeit, als die Standeskommission noch aus neun Mitgliedern bestand. 1954 waren im Sitzungszimmer auch noch der Zeugherr und der Armleutsäckelmeister präsent. Damals in den beiden mittlerweile abgeschafften Ämtern: Niklaus Senn respektive Carl Knechtle (beide vorne links). (Bild: PD)

Landsgemeinde, geringe Bedeutung der Parteien, eine Ämterwahl und einen Säckelmeister oder einen Ländesfähnrich in der Regierung beziehungsweise in der Standeskommission. In diversen politischen Belangen hebt sich Appenzell Innerrhoden von den anderen Kantonen ab oder steht gar als Unikum da. Auffallend sind beispielsweise die historischen Bezeichnungen der Ämter der Standeskommission. Noch heute wählen die Innerrhoderinnen und Innerrhoder jeweils an der Landsgemeinde neben dem regierenden und stillstehenden Landammann einen Statthalter, Säckelmeister, Landeshauptmann, Bauherr und einen Landesfähnrich und nicht etwa einen Gesundheits-, Finanz- und Baudirektor oder einen Polizeivorsteher. Woher kommen diese Bezeichnungen und weshalb haben sie sich im Innerrhodischen gehalten, während die anderen Kantone zu modernen Bezeichnungen übergegangen sind?

Standeskommission von sieben auf neun reduziert

Roland Inauen, stillstehender Landammann von Appenzell Innerrhoden. (Bild: APZ)

Roland Inauen, stillstehender Landammann von Appenzell Innerrhoden. (Bild: APZ)

Für Roland Inauen, stillstehender Landammann, hat die Landsgemeinde wohl eine bewahrende Wirkung auf das Ämterwesen. «Die Landsgemeinde hat sich 2005 ein letztes Mal dagegen ausgesprochen, dass sich die Regierung nach der Wahl selber konstituiert. Die Leute wollten weiterhin eine Fachperson in ein spezifisches Amt wählen können», so Inauen. Die Landsgemeinde war es auch, welche 1995 die Standeskommission von neun auf sieben Mitglieder reduzierte. Den Armleutsäckelmeister und den Zeugherr gab es fortan nicht mehr. Ersteres 1995 abgeschafftes Amt war gemäss Sandro Frefel, Landesarchivar von Appenzell Innerrhoden, ursprünglich mit der Verwaltung der Gemeingüter, unter anderem der Gemeinalpen, betraut. Ab 1619 fiel zusätzlich die Auszahlung der Armenunterstützung in die Kompetenz des Armleutsäckelmeisters. 355 Jahre nach dessen Schaffung gab es auch den Zeugherr, der erstmals 1640 in Erscheinung trat, nicht mehr. Ursprünglich war er für die Verwaltung der Zeughäuser und damit für die materiellen Belange der militärischen Einheiten zuständig.

Militärischer Bedeutungsverlust wirkt sich auf Ämter aus

Während die beiden oben beschriebenen Ämter verschwanden, änderte sich bei anderen der zugewiesene Aufgabenbereich über die Jahre markant. Der Landesfähnrich, in den Anfängen ein militärisches Amt, löste sich zwischenzeitlich von der Armee los. «Der Landesfähnrich erhielt vermehrt Polizeiaufgaben, die im 19. Jahrhundert immer wichtiger wurden», erklärt Sandro Frefel. Erst 1995, als dem Amt des Landesfähnrichs wieder das Militärwesen unterstellt wurde, kehrte dieser Bezug wieder zurück.

Sandro Frefel, Landesarchivar Appenzell Innerrhoden. (Bild: PD)

Sandro Frefel, Landesarchivar Appenzell Innerrhoden. (Bild: PD)

Ganz von seinen ursprünglich klar militärischen Aufgaben verabschiedet hat sich hingegen der Landeshauptmann, welcher die militärischen Einheiten des Landes Appenzell führte. «Dadurch, dass das Militärwesen im 19. Jahrhundert immer mehr von den Kantonen an den Bund überging und die staatliche Land- und Forstwirtschaftspolitik immer wichtiger wurde, hat der Landeshauptmann zunehmend Aufgaben der Landwirtschaft übernommen.»

Dem zunehmenden militärischen Bedeutungsverlust früh zum Opfer gefallen ist der Pannerherr. Seine Aufgabe bestand darin, das Landesbanner in die Schlachten zu tragen. «Besonders mit dem Beitritt zur Eidgenossenschaft 1513 hat diese Aufgabe stark an Bedeutung verloren», so Frefel. In der 1872 verabschiedeten Kantonsverfassung, die in Appenzell Innerrhoden nach Teilrevisionen noch heute in Kraft ist, findet sich das Amt des Pannerherrn bereits nicht mehr aufgeführt.

Landammänner aus den Kantonen Schwyz und Glarus

Wann die verschiedenen Amtsbezeichnungen in Erscheinung getreten sind, lässt sich gemäss Sandro Frefel nicht immer genau nachweisen. Die meisten aber dürften auf das 15. Jahrhundert zurückzuführen sein. Das älteste politische Amt, das noch heute in der Standeskommission zu finden ist, ist dasjenige des Landammanns. «Der Landammann hatte eine überragende Stellung, war Erster im Staat und auch erster Repräsentant des Landes nach aussen», erklärt der Landesarchivar.

Die ersten vier Landammänner des Landes Appenzell stammten noch von ausserhalb, nämlich aus den Ständen Schwyz und Glarus. War der Landammann einmal ausserhalb des Landes Appenzell, sprang der Statthalter ein. Heutzutage zuständig für die Bereiche Gesundheit und Soziales, übernahm der Statthalter die Regierungsverantwortung, wenn der Landammann verhindert war. Erst mit der 1872 verabschiedeten Kantonsverfassung wurde dem Amt das Gesundheitswesen zugeordnet und es näherte sich den heutigen Aufgaben an. Hingegen kaum verändert haben sich die Aufgaben des Säckelmeisters und des Bauherren. Sie waren seit jeher zuständig für die Finanzen beziehungsweise das Hoch- und das Tiefbauwesen.

Vielleicht mehr Frauen in der Standeskommission

Zurück zur Frage, weshalb sich die historischen Bezeichnungen im Innerrhodischen gehalten haben. Auch der Landesarchivar kann darüber nur mutmassen. Erhöht habe sich die Chance auf Überdauerung vielleicht dadurch, dass die Bezeichnungen 1872 in der Kantonsverfassung festgeschrieben wurden.

Roland Inauen ist überzeugt vom Innerrhoder System, auch wenn es sich merklich von allen anderen Kantonen unterscheidet. Die Stimmberechtigten wüssten genau, wer bei einer erfolgreichen Wahl welches Amt bekommt, weil die Departementsverteilung nicht erst im Nachhinein erfolgt. Allerdings: «Frauen hätten es vielleicht leichter, in die Standeskommission gewählt zu werden, wenn die Landsgemeinde nicht direkt ins Departement wählen würde», sagt der stillstehende Landammann.

Die historischen Bezeichnungen verschwinden

Auch andere Kantone hatten die historischen Amtsbezeichnungen lange Zeit in Gebrauch, schafften sie aber nach und nach ab. Gemäss dem historischen Lexikon der Schweiz verschwand beispielsweise die traditionelle Bezeichnung Säckelmeister in der Gesetzgebung des 19. und 20. Jahrhunderts mehrheitlich und Begriffe wie Finanzdirektor wurden gebräuchlich.

Auf Kantonsebene ist die Bezeichnung Säckelmeister nur noch in Appenzell Innerrhoden in Gebrauch, im Kanton Schwyz hat sich der Titel offiziell für die Verwalter der Gemeindekassen gehalten. In der Kantonsverfassung von Appenzell Ausserrhoden vom 3. Oktober 1858 steht über die Wahl, der damals noch Standeskommission genannter Regierung: «Die Landsgemeinde ernennt, bestätigt, entlässt in Ausübung dieses Wahlrechtes folgende Beamte: die sieben Mitglieder der Standeskommission, nämlich zwei Landammänner, zwei Landesstatthalter, einen Landesseckelmeister, einen Landeshauptmann, einen Landesfähnrich.»

1876 trat eine revidierte Kantonsverfassung in Kraft. In dieser ist mittlerweile vom «Regierungsrathe» die Rede, der weiterhin aus sieben Mitgliedern bestand. Allerdings werden die historischen Amtsbezeichnungen nicht mehr aufgeführt. Wann genau diese verschwunden sind, ist nicht gesichert. Es ist aber anzunehmen, dass sie nach 1876 nicht mehr gebräuchlich waren. (mas)

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