Innerrhoden
Wegen «fataler Folgen» für die Wildtiere: WWF Appenzell erhebt Einsprache gegen Wanderweg durchs Jagdbanngebiet

Der Weg Langälpli-Löchli-Holzplatz im Innerrhoder Bezirk Schwende soll ins Wanderwegnetz aufgenommen werden. Dagegen hat der WWF Einsprache erhoben. Denn der Weg führt mitten durchs Jagdbanngebiet.

Margrith Widmer
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Der geplante Wanderweg im Bezirk Schwende hätte gemäss WWF etwa Folgen für das Auerhuhn.

Der geplante Wanderweg im Bezirk Schwende hätte gemäss WWF etwa Folgen für das Auerhuhn.

Bild: Rudolf Hug

Erst das Rotbachtal, nun das Jagdbanngebiet Säntis: Bereits zum zweiten Mal in Folge äussert sich der WWF kritisch gegenüber einem geplanten Wanderweg im Appenzellerland.

Ein Wanderweg im Jagdbanngebiet Säntis im Bezirk Schwende hätte fatale Folgen für Fauna und Flora, so die Umweltorganisation: Wildtiere würden gestört und vertrieben, die Vegetation der Riedwiesen beeinträchtigt. Gegen das Gesuch zur Aufnahme des Wegs hat der WWF Appenzell Anfang Juli öffentlich-rechtliche Einsprache erhoben. Er beantragt, das Gesuch sei abzuweisen.

Das Gesuch betrifft eine Änderung des Fuss- und Wanderweg-Netzplans des Bezirks Schwende. Der Weg Langälpli-Löchli-Holzplatz soll ins Fuss- und Wanderwegnetz aufgenommen werden. Der WWF ist aus fünf Gründen damit nicht einverstanden: Der geplante Weg liegt im eidgenössischen Jagdbanngebiet Säntis. Teile des Wegs liegen in der Moorlandschaft von nationaler Bedeutung Schwägalp. Der geplante Weg liegt in einem kantonalen Kerngebiet «Lebensräume bedrohter Tierarten». Teile des Wegs führen durch das Sonderwaldreservat Bruggerwald-Kronbergwald und weitere Teile durch kantonale Naturschutzflächen (Rietwiesen) und deren Pufferzonen.

Beeinträchtigung der Moorlandschaft

Laut der Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete dürfen Tiere in diesen Gebieten nicht gestört und vertrieben werden. Die Aufnahme der Wegstrecke Langälpli-Löchli-Holzplatz würde zu einer Intensivierung der Erholungsnutzung des Gebiets führen und hätte eine verstärkte Störung der Wildtiere, möglicherweise bis hin zu deren Meidung, zur Folge, begründet Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF Appenzell, die Einsprache gegen das Projekt.

Eine solche Intensivierung stehe im direkten Gegensatz zum Zweck eines Jagdbanngebiets, nämlich dem Schutz und der Erhaltung von seltenen und bedrohten wildlebenden Säugetieren und Vögeln und ihrer Lebensräume, sowie der Erhaltung von gesunden, den örtlichen Verhältnissen angepassten Beständen zu dienen, hält der WWF fest. Laut der Verordnung über den Schutz der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung «ist die Landschaft vor Veränderungen zu schützen, welche die Schönheit oder die nationale Bedeutung der Moorlandschaft beeinträchtigen».

Ausserdem seien besonders Biotope zu erhalten. Der WWF schreibt:

«Die Neuaufnahme der Wegstrecke würde die Moorlandschaft und die vorhandenen Biotope durch die starke touristische Nutzung beeinträchtigen.»

Erhöhte Störung der Wildtiere

Gemäss kantonalen Richtplandokumenten dürfen in Lebensräumen bedrohter Tierarten «Tiere nicht gestört oder vertrieben werden». Ebenso sei die Intensivierung von sportlicher und touristischer Nutzung zu vermeiden. Der Weg würde laut WWF «die touristische Nutzung verstärken und die Störung der Wildtiere erhöhen».

Richtpläne sind behördenverbindlich. Das Sonderwaldreservat Bruggerwald-Kronbergwald hat unter anderem zum Ziel, den Lebensraum für das Auerhuhn aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Der WWF:

«Die Aufnahme des Wegs hätte fatale Folgen für störungsanfällige Arten, wie das Auerhuhn.»

Trittschäden in Rietwiesen

Zweck des Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzgesetzes ist es, dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzenarten durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) entgegenzuwirken. Ein Wanderweg durch ein kantonales Naturschutzgebiet stünde in direktem Gegensatz zur Erhaltung schutzwürdiger Lebensräume.

Ausserdem seien in Naturschutzzonen Nutzungen und Massnahmen, die Pflanzen und Tiere und deren Lebensräume beeinträchtigen, unzulässig. Die Neuaufnahme der Wegstrecke hätte nicht nur fatale Folgen für die Wildtiere, sie würde auch durch Trittschäden die Vegetation der Riedwiesen beeinträchtigen, stellt der WWF fest.