Innerrhoden
«Wir sind gespannt, wie unser Geschäft nach der Pandemie laufen wird»: Die Coronakrise hat dem Kräuterhaus Appenzell seit der Eröffnung ganz schön dazwischen gepfuscht

Das Kräuterhaus in Appenzell verkauft Tee und Gewürze, Pflegeprodukte und Textilien – alles aus eigenem Anbau. Dabei setzt das junge Unternehmen auch auf soziale Nachhaltigkeit. Seit seiner Eröffnung im vergangenen Dezember hat das Kräuterhaus jedoch noch keinen einschränkungsfreien Verkauf erleben dürfen.

Lilli Schreiber
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Leere Verkaufsräume im Kräuterhaus am Landsgemeindeplatz in Appenzell – ein Geschäft, das stark von einer persönlichen Verkaufsatmosphäre lebt.

Leere Verkaufsräume im Kräuterhaus am Landsgemeindeplatz in Appenzell – ein Geschäft, das stark von einer persönlichen Verkaufsatmosphäre lebt.

Bild: PD

Teesorten, mit den Namen wie «Uufstöller» oder «Vewöhnneli», aber auch ein hauseigenes Desinfektionsmittel, das den Namen «Virejageli» trägt, sind die aktuellen Verkaufsschlager des Kräuterhauses Appenzell. Urs Möckli, Inhaber des Kräuterhauses und CEO der Zielbau AG bedauert, dass der physische Verkauf im Laden aktuell nicht möglich ist. Immerhin stecke viel Arbeit in den neu umgebauten Verkaufsräumen des Kräuterhauses. Seit seiner Eröffnung am 3. Dezember vergangenen Jahres hat das Kräuterhaus noch keinen einschränkungsfreien Verkauf erleben dürfen.

«Wir haben trotz Corona einen super Start gehabt», sagt der 62-Jährige. «Auch in der ersten Januarwoche hatten wir noch viele Besucher in unserem Geschäft. Dann kam der zweite Lockdown und wir mussten schliessen. Dafür haben wir einen wirklichen Erfolg im Onlineshop erlebt.» Trotzdem würde sich der Inhaber auf eine baldige Wiederöffnung freuen: «Wir sind gespannt, wie unser Geschäft laufen wird, sollte Corona erst vorbei sein und der Tourismus im grossen Stil wieder möglich sein. Ich träume schon davon, unsere Produkte in Haushalten auf der ganzen Welt zu wissen», sagt Möckli. Momentan weiss der Unternehmer seine Produkte zumindest schon einmal in unzähligen Schweizer Haushalten, denn das Kräuterhaus Appenzell liefert Onlinebestellungen bereits in die ganze Schweiz.

Ein soziales Engagement

Das Kräuterhaus geht auf die Appenzeller Bio-Kräuter GmbH zurück. Dieses Unternehmen hat Urs Möckli im vergangenen Jahr übernommen, als die Appenzeller Bio-Kräuter GmbH kurz vor dem Konkurs stand. Fasziniert am Konzept der «Appenzeller Bio Kräuter» habe ihn das soziale Engagement. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung eine sinnstiftende Beschäftigung zu geben, habe ihn sofort überzeugt, in dieses Konzept zu investieren. Möckli sagt:

«Nachhaltigkeit bedeutet für mich, sowohl einen sorgfältigen Umgang mit der Region als auch mit dem sozialen Umfeld zu pflegen.»

Möckli plant nicht nur die Kräutergärten zu erweitern, er gedenkt auch, per 1. Juli die Zahl der Mitarbeitenden zu erhöhen, um, wie er sagt, «noch mehr Menschen mit Beeinträchtigung mit ins Boot zu holen». Das Kräuterhaus Appenzell arbeite deshalb eng mit der «Steig» zusammen, einem Heim in Appenzell, das Menschen mit Beeinträchtigung Raum zum Wohnen und Arbeiten bietet. Die Mitarbeitenden des Kräuterhauses werden je nach Grad ihrer Beeinträchtigung im Kräutergarten oder in der Produktion eingesetzt.

Zwischen Steinegg und Weissbad gedeihen auf der 7500 Quadratmeter grossen Anbaufläche die kraftvollen Zutaten für zahlreiche handgemachte Kräutertees, reine Blüten, Gewürzmischungen und Pflegeartikel.

Zwischen Steinegg und Weissbad gedeihen auf der 7500 Quadratmeter grossen Anbaufläche die kraftvollen Zutaten für zahlreiche handgemachte Kräutertees, reine Blüten, Gewürzmischungen und Pflegeartikel.

Bild: PD

Momentan herrscht allerdings auch im Kräuterhaus Appenzell Kurzarbeit und Urs Möckli kann, sehr zu seinem Bedauern, keine Arbeit für Bewohnende der «Steig» anbieten. 15 Personen arbeiten zurzeit im Kräuterhaus Appenzell. Mehr braucht es laut Möckli für das Verpacken der Pakete für den Online-Versand oder den Abholservice der Bestellungen im Kräuterhaus am Landsgemeindeplatz nicht.

«Klein aber fein» bleiben

Ökologie und Ökonomie – das Kräuterhaus Appenzell vereint beides. «Ökologie betreiben wir, indem wir alles von Hand machen. Weder auf dem Feld noch in der Produktion läuft irgendetwas maschinell», sagt Möckli. Die Wertschöpfung erbringe das Kräuterhaus, indem es ausschliesslich Produkte aus eigenem Anbau verkaufe. Möckli sagt: «Grossabnehmer beliefern wir zurzeit nur mit Kleinmengen. Unsere Strategie ist ‹klein aber fein›. Natürlich wollen wir als Unternehmen auch wachsen, unsere Produkte wollen wir aber möglichst selber herstellen.»

Vor fünf Jahren hat das Kräuterprojekt in Appenzell, mit den beiden Pionieren Petra und Maurus Dörig, damals noch unter dem Namen Appenzeller Bio-Kräuter GmbH, angefangen. Als erstes Produkt entstand Tee, was am naheliegendsten sei, denn bei Tee sei die Wertschöpfung am grössten, erklärt Möckli. Das neuste Produkt des Kräuterhauses Appenzell, das in Zusammenarbeit mit der Locher-Brauerei entstanden ist, lautet Twhiskey und ist eine Mischung aus Tee und Whiskey. Ausserdem sollen schon bald 20 neue Produkte das Küchensortiment ergänzen. Für seine Pflegereihe arbeitet das Kräuterhaus mit der Kosmetikfirma Swifiss aus Urnäsch zusammen. Der Glühtee, den das Unternehmen zur Weihnachtszeit auf den Markt brachte, durfte leider wegen Corona nicht öffentlich ausgeschenkt werden.

Finanzielle Schwierigkeiten für sein Unternehmen befürchtet der 62-Jährige nicht. Im Moment sei das noch kein Problem, sagt er. Für Möckli wäre es vor allem traurig, sollte sich der Lockdown noch in die Länge ziehen. Zu gross sind seine Visionen für das Unternehmen, das gerade noch in den Kinderschuhen steckt. Von dem geplanten Investment von zwei Millionen Franken hat er bereits 1,5 Millionen in das Kräuterhaus Appenzell investiert. «Was in Planung ist, macht durchwegs Sinn, da lohnt es sich, weiter zu investieren», sagt Möckli.