INNERRHODEN: CVP-Präsident erwartet mehr Mut von Politikern

Wenn sich politisch Tätige im Kanton in ihrer Ausrichtung hinter der «Neutralität» verstecken, ist dies für den Präsidenten der CVP AI nicht nachvollziehbar. Die Partei kämpft mit Mitgliederschwund.

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Wie sein Vorgänger sucht auch der aktuelle CVP-AI-Präsident Ruedi Angehrn nach einem Rezept, um neue Mitglieder zu gewinnen. (Bild: RF)

Wie sein Vorgänger sucht auch der aktuelle CVP-AI-Präsident Ruedi Angehrn nach einem Rezept, um neue Mitglieder zu gewinnen. (Bild: RF)

Nach wie vor gilt die CVP gegen aussen hin als die staatstragende Partei im Kanton Appenzell Innerrhoden. Doch die Mitgliederzahl ist sinkend. Aktuell gehören der Partei 147 Personen an, 15 weniger als vor einem Jahr. «Es muss uns gelingen, den Austrittstrend zu stoppen», formulierte Präsident Ruedi Angehrn an der diesjährigen Hauptversammlung sein grosses Anliegen. Als Zielgrösse nannte er 170 bis 180 Mitglieder. Die Gründe für die jüngsten Austritte seien ganz unterschiedlich, zwei betreffen Todesfälle. Der Vorstand erhofft sich, wie Angehrn weiter festhielt, Anregungen von der Basis, wenn er Erwartungen nicht er­fülle. Besucht wurde die aktuelle HV abgesehen vom Vorstand von zehn Parteimitgliedern.

Kernige Aussagen fielen im Rahmen des präsidialen Jahresberichts. Gemäss Ruedi Angehrn ist immer wieder im Kanton zu hören, wie unwichtig die Parteien für das politische Geschehen in Innerrhoden seien. Dazu Angehrn: «Die Aufgabe der Parteien und Verbände ist nicht die Gleiche.» Doch er gehe davon aus, dass das Kantonsparlament nicht nur aus Interessensvertretern bestehe. Jedes Mitglied werde sich mindestens sich selber gegenüber einer politischen Ausrichtung zuordnen können. Sich diesbezüglich auf Neutralität zu berufen — ob als Grossrat, Bezirksrat oder Richter — sei für ihn nicht nachvollziehbar. Der CVP-Präsident wünscht in Innerrhoden mehr Mut, die politische Identität offenzulegen.

Um die Parteien ging es auch unter «Varia» nach einer Frage aus dem Plenum. Grundsätzlich begrüsse er die durch die Gründung der SP und FDP hinzugekommene Parteienvielfalt im Kanton, so Angehrn. Es gelte auch neidlos einzugestehen, dass gerade die SP sehr aktiv sei und es immer wieder an die Öffentlichkeit schaffe. Vom Hyperaktivismus lasse man sich aber nicht anstecken. Die angekündigte SP-Initiative zur Proporzwahl für Grossratsmitglieder wertet Ruedi Angehrn als«Humbug».

Die offiziellen Traktanden wurden zügig und allesamt einstimmig abgehandelt. In der Rechnung 2016/17 steht einem Aufwand von rund 14 000 Franken ein Ertrag von 13 300 Franken gegenüber. Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert für Einzelpersonen bei 65 Franken und für Ehepaare bei 80 Franken. Als Nachfolger für den zurückgetretenen Revisor Josef Manser wurde Clemens Fässler gewählt.

Die Vorstandsmitglieder wie auch Präsident Ruedi Angehrn schafften die Wiederwahl für ein weiteres Jahr problemlos. Wobei Angehrn mit einem Schmunzeln anfügte, dass er nicht über 70 Jahre alt werde in diesem Amt. Der Mann ist Jahrgang 1950.

 

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch