Innerrhoden braucht eine Glücksfee

Glosse

Roger Fuchs
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Losglück hat glückliche Menschen zur Folge. (Bild: APZ)

Losglück hat glückliche Menschen zur Folge. (Bild: APZ)

Beim Innerrhoder Stellenportal überwiegen derzeit Anzeigen nach Küchenpersonal oder Servicemitarbeitenden. Bald soll sich eine exklusive Anzeige dazugesellen. Innerrhoden muss sich auf die Suche nach einer Glücksfee machen. Der Grund: Ein neuer Demokratietrend breitet sich aus, Entscheide per Los häufen sich. Beispielsweise musste eine vom Kanton ausgeschriebene Alp­hütte angesichts der vielen Bewerbungen per Los vergeben werden. Zudem kommt das Los bei der Regulierung der Steinbockbestände zum Zug, wie es kürzlich in einer Mitteilung hiess. Jäger werden neu in diese Regulierung einbezogen. «Bei zu vielen Anmeldungen entscheidet das Los», ist zu lesen. Auch in der Innerrhoder Verfassung sind Losentscheide verankert. Kommt es bei der Verteilung der Grossratssitze zu Restmandaten und herrscht dort Gleichheit, entscheidet nur eins: das Los.

Soviel Lotterie erfordert entsprechende Massnahmen. Die Ausarbeitung des Stellenprofils für die Glücksfee läuft auf Hochtouren. Spätestens am Internationalen Tag des Glücks, also am 20. März, will man soweit sein. Die Innerrhoder SP hat sich bereits freiwillig gemeldet, den Stellenbeschrieb mit der Verteilung von Glückskeksen unters Volk zu bringen. Da man sich unter einer Glücksfee im gängigen Fall eine Frau vorstellt, will man dies auch im kleinen Appenzeller Kanton nicht anders halten. Im Anforderungsprofil soll es heissen, dass die Ausstrahlung mindestens mit jener einer Frau Statthalter mithalten können muss. Natürlich kann eine Glücksfee auch von administrativen Aufgaben nicht verschont bleiben. Die glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner sind jeweils sofort an die von den Riklin-Brüdern initiierte Meldestelle für Glücksmomente in St. Gallen weiterzuleiten. Unterlegene will man hingegen mit einem kleinen Briefchen und einem Glückstee der Mineralquelle Gontenbad besänftigen.

Glücksfee auf den Stuhl beordern

Noch zur Diskussion stehen die Stellenprozente. Möglich ist ein Start bei 20 Prozent mit konti­nuierlichem Ausbau. An Ideen für Losentscheide mangelt es nicht. Hochumkämpft sollen die neuen Sitzgelegenheiten beim Lands­gemeindeplatz sein. Jede und jeder will die Aussicht auf das kettenbehangene Areal geniessen. Das Los würde für eine geordnete Reihenfolge sorgen.

Einen Riegel schieben will man auch langwierigen Aus­zählungsprozeduren bei Lands­gemeinden. Wiederum hat die SP Vorarbeit geleistet, schliesslich propagiert sie schon seit Längerem zeitgemässere Strukturen. Aus ihrer Serie «Appenzell diskutiert» verbreitet sich die Idee, dass es doch einfacher wäre, im Härtefall eine Glücksfee auf den Stuhl zu be­ordern. Als Lostrommel liesse sich auf die Schnelle und um den ­Landessäckel zu schonen, der ­Zylinder des regierenden oder stillstehenden Landammanns ­ergreifen. Nicht zu vergessen, dass der Glücksfee während der Sommerwochen eingangs Wasser­auen ein fixer Standort zugewiesen werden könnte. Der Einlass auf den umkämpften Parkplatz hinge dann vom gezogenen Los ab.

Völlig klar: Der neue Trend wird Appenzell Innerrhoden ­weiter verändern. Losglück hat glückliche Menschen zur Folge. Und wer das Glück sucht, denkt an Innerrhoden. Getreu dem abgewandelten Motto: Warum auch in die Ferne schweifen, denn das Gute (Glück) liegt so nah.

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch