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Kommentar

Inexistenten Ausserrhoder Nationalratswahlkampf: Freisinnige Schützenhilfe für die SVP

Im Ausserrhoder Nationalratswahlkampf ist noch grosses Rätselraten angesagt. Die Herausforderer von SVP-Politiker David Zuberbühler stehen noch nicht fest. Die FDP macht es mit ihrer Nomination spannend, macht sie es aber auch richtig?
David Scarano
David Scarano

David Scarano


Zwischen Schwellbrunn und Walzenhausen herrscht Rätselfieber, seit Wochen. Die Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder fragen sich: Wen schickt die FDP bei den Nationalratswahlen ins Rennen? Wird
Katrin Alder Amtsinhaber David Zuberbühler tatsächlich herausfordern? Muss es die FDP-Parteipräsidentin Monika Bodenmann selber machen? Geht der Freisinn das Risiko ein und setzt auf seinen Shootingstar, den neu Kantonsrat, Vizeparteipräsidenten und Künstleragenten Marcel Walker? Oder zaubert die Partei einen Überraschungskandidaten aus dem Hut?

Fragen zur Kandidatenauswahl wären in den vergangenen Jahren vier Monate vor dem Urnengang längst geklärt gewesen. Doch 2019 ist vieles anders. Ausserrhoden passt sich dem kleinen Nachbarn an, wo der Wahlkampf traditionell nur kurz ausfällt. Schuld an den Innerrhoder Verhältnissen in Ausserrhoden ist die FDP, die das Stimmvolk auf die Folter spannt. Sie hat die Nominationsversammlung auf Mitte August verschoben und verkürzt so freiwillig ihre Wahlkampfzeit.

Das Fünferli und den Ignazio

Doch wie sinnvoll ist ein solches Versteckspiel? Die Erklärung der FDP-Parteileitung überzeugt nicht. Man wolle einen würdigen Rahmen für die Nominierung und den biete das Sommerfest mit Bundesrat
Ignazio Cassis, argumentiert sie. Nur, in der politischen Kommunikation ist ein «Und» alleweil einem «Oder» vorzuziehen. Das heisst, man hätte das Fünferli und den Ignazio haben können: Die FDP hätte die Kandidatin im Juni lancieren und im August medienwirksam mit dem sommerlich gekleideten Aussenminister posieren lassen können.

Das Vorgehen der FDP zeugt nicht von Stärke. Es entsteht der Eindruck, dass sich die Partei bislang nicht auf eine Kandidatur einigen konnte – trotz vierjähriger Vorlaufzeit. Das erstaunt. Denn man darf nicht vergessen: Der Stachel der Niederlage sitzt immer noch tief. Der Verlust des Nationalratssitzes 2015 gegen einen Aussenseiter gehört zu den schmerzlichsten Niederlagen des Freisinns in Ausserrhoden. Diese will er unbedingt vergessen machen.

Bühne frei für Zuberbühler

Doch auch wenn sich die FDP für eine solch ausgeklügelte Wahltaktik entschieden hat, die nur die brillantesten Politstrategen zu durchschauen vermögen, bleiben Zweifel. Das Rätselraten macht zugegebenermassen Spass, aber in der Politik bevorzugen die Stimmbürger Gewissheit statt Spekulationen. Freuen über diesen ungewöhnlichen Nicht-Wahlkampf kann sich letztlich nur die SVP. Und die kann diese Unterstützung gut gebrauchen. Dass es für David Zuberbühler eng werden kann, wissen nicht nur die Politologen. National und auch kantonal schwächelt seine Partei gehörig. Zudem wirft sein Leistungsausweis Fragen auf. Zuberbühler gehört zweifellos nicht zu den besten Nationalräten aller Zeiten, sofern sich dies überhaupt messen lässt.

Die Leserbriefe in der «Appenzeller Zeitung» zeugen davon, dass das Wahlkampfteam von David Zuberbühler in den Startlöchern steht. Dank des Abseitsstehens der FDP verfügt der Herisauer Nationalrat in den kommenden Wochen über die absolute Meinungshoheit. Er kann unwidersprochen seine Botschaften platzieren. Hilfreich ist für ihn auch das Vorgehen der SP, die eine Allianz mit der FDP eingehen möchte. Die SVP kann Zuberbühler als einzig wahren, bürgerlichen Kandidaten inszenieren. Dieses Narrativ kann die FDP erst korrigieren, wenn sie selber in den Ring steigt.

Die Taktik der Ausserrhoder SP wirft ebenfalls Fragen auf. Mit dem möglichen Päckli mit den Liberalen hat sie sich für das kleinere Übel entschieden. Das ist ihr gutes Recht. Es wird sich aber zeigen, wie ökologisch und sozial ein Freisinniger überhaupt auftreten kann. Die Sozialdemokraten hätten sich nicht so früh von den Liberalen einspannen lassen müssen. Zurecht werden sie nun als Steigbügelhalter der FDP betrachtet.

Ausserrhoden erwartet eine kurze, aber umso heissere Wahlkampfzeit. Mögen die Spiele bald beginnen.

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