INDUSTRIE: Am Anfang war eine Frau

Das Appenzeller Vorderland hat Josephine Dufour-Onofrio viel zu verdanken. Als Industriepionierin legte sie die Grundlagen zum heutigen Weltkonzern Sefar AG.

Peter Eggenberger
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Peter Eggenberger

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@appenzellerzeitung.ch

Im Jahre 1833 begann der aus Lyon stammende Pierre Antoine Dufour in Thal mit der Produktion von Seidenbeuteltuch, das in den damals vielen Mühlenbetrieben zum Sieben von Mehl benötigt wurde. In Lyon verheiratete er sich 1840 mit Josephine Onofrio, deren Vater aus Italien stammte. 1842 erlitt Pierre Antoine Dufour während einer Geschäftsreise in den USA einen Hirnschlag, der zu seinem Tode führte.

Soziales Engagement

Zielstrebig übernahm die junge Witwe die Führung des Unternehmens, das von der Heimarbeit einer immer grösseren Zahl von Heimarbeitern im Appenzeller Vorderland und Unterrheintal getragen wurde. 1890 standen in der Region über 1600 Webstühle in Betrieb, die Seidengaze herstellten.

Für die Sorgen und Nöte ihrer Weberfamilien hatte Josephine immer ein offenes Ohr. Nachdem sie in den Thaler Brüdern Christoph und August Tobler zuverlässige Kadermitarbeiter gefunden hatte, engagierte sich Madame Dufour vermehrt im sozialen Bereich. So finanzierte sie das Krankenhaus in Thal, gründete eine firmeneigene Kranken- und Pensionskasse und engagierte sich in karitativen Vereinen. Die bis heute unvergessene Industriepionierin verstarb am 15. August 1901.