In Zweierreihen zum Skifahren

UNTERWASSER. Zum 21. Mal besuchen Schüler der St.Michaels Preparatory School von der Kanalinsel Jersey Unterwasser. In dieser Woche lernen die 71 Kinder Ski- und Snowboardfahren, ohne dabei Sorgfalt, Höflichkeit und Respekt zu vergessen.

Christiana Sutter
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Der stellvertretende Schulleiter Lenny McAviney (links) sorgt für die reibungslose Strassenüberquerung. (Bild: Christiana Sutter)

Der stellvertretende Schulleiter Lenny McAviney (links) sorgt für die reibungslose Strassenüberquerung. (Bild: Christiana Sutter)

1993 sind die Schüler der St.Michaels Preparatory School aus St. Saviour, auf der Kanalinsel Jersey, zum ersten Mal für eine Woche in die Skiferien nach Unterwasser gekommen. Zuvor hiessen die Destinationen Arosa und Les Collons im Wallis, erwidert Lenny Mc Aviney, stellvertretender Schulleiter. 1989 sei er von der Schule beauftragt worden, einen neuen Skiort zu finden. «Meine Frau und ich waren in Wildhaus zum Skifahren. Uns war sofort bewusst, dass diese Region genau das Richtige für unsere Schüler ist», erzählt er. Es sei ein übersichtliches Skigebiet, perfekt für Anfänger und Fortgeschrittene und die Hotels seien mehrheitlich in der Nähe der Bahnen. Bei einem Ausflug nach Unterwasser sah er das Hotel Sternen. «Ich sah sofort, dass dieses Hotel mit seiner Grösse und Ausstrahlung zu unseren Schülern passt.» Er nahm noch während den Ferien Kontakt mit den Verantwortlichen des Hotels, des Sportgeschäfts, der Skischule und dem Berggasthaus Iltios in Unterwasser auf. Seit der ersten Anfrage sind 20 Jahre vergangen.

Ski-Ausrüstung direkt im Hotel

Diese Woche sind 71 Kinder im Alter von sieben bis dreizehn Jahren zu Gast im Hotel Sternen in Unterwasser. Begleitet werden sie von sieben Lehrern, die während dieser Woche die Kinder rund um die Uhr, ausser während des Skiunterrichts, betreuen. «Das Hotel ist für diese Woche total belegt. Für uns ist das die beste Werbung und bedeutet für andere Gäste, dass sie früher buchen sollten», sagt der Direktor des Hotels Patrik Schneider. «Am Freitagabend wenn wir ankommen, sind die Skiausrüstungen der Kinder bereits im Hotel Sternen», sagt Lenny McAviney. Damit jedes Kind auch die passende Ausrüstung erhält, hat er eine Liste mit Körper-, Schuhgrösse und dem Gewicht für das Sportgeschäft erstellt, somit haben sie die Möglichkeit, die Ski und Schuhe im voraus einzustellen und ins Hotel zu bringen. «Das klappt jedes Jahr hervorragend», bemerkt der Geschäftsführer vom Sport-Treff Karl Hilty. Bei dieser Menge Kinder gebe es höchstens zehn Auswechslungen der Ausrüstung.

«Sie stehen auf Medaillen»

Damit die Kinder in der richtigen Leistungsstufe auf den Ski oder dem Snowboard eingeteilt werden, teilt Lenny McAviney der Skischule mit, welche Erfahrungen die Kinder im Ski- oder Snowboardfahren mitbringen. Am Ende der Skiwoche organisiert die Skischule ein Skirennen. Und wenn es ihr Können zulässt, dürfen die Kinder einen Test aus der Swiss Snow League, auf ihrem Schneesport-Gerät, ablegen. «Mit diesem Test können wir sie im nächsten Jahr besser einstufen», sagt Skischulleiter Bruno Zogg. «Dieses Rennen und der Test sind wichtig für die Kinder, und auch für die Lehrer.» Wichtig seien vor allem die Medaillen und Auszeichnungen. «Denn sie stehen auf diese Medaillen», sagt er mit einem Augenzwinkern. Damit die Kinder am Mittag nicht zurück ins Hotel müssen, bekommen sie das Mittagessen im Bergrestaurant Iltios serviert. Das Klischee, dass die englischen Kinder am liebsten Fisch und Pommes frites haben, bestätigt sich, sagt André Stump. «Das kennen sie, nur können wir das nicht täglich auftischen. Wir versuchen abwechslungsreich zu kochen.» Aber was die Kinder überhaupt nicht mögen, sagt er, sind Teigwaren.

Disziplin ist angesagt

Viele dieser Kinder sind nicht zum ersten Mal in Unterwasser. Diejenigen, die schon öfters da waren, wissen genau wie der Tag abläuft. Vor dem Hotel stellen sie sich in der ganzen Skimontur – ohne Ski, die deponieren sie jeweils auf dem Iltios – in Zweierreihen auf. Gemeinsam stapfen sie zur Talstation der Iltiosbahn. Schön geordnet, mit der Disziplin, die sie auch von der Schule her kennen. Die Lehrer und Aufsichtspersonen schauen genau, dass keines der Kinder aus der Reihe tanzt. «Unsere Schule geniesst ein hohes Ansehen und Standard. Es ist die Vorstufe für spätere Elite-Universitäten. Die Philosophie der Schule ist Sorgfalt, Höflichkeit und Respekt. «Daher tragen wir während dieser Woche eine grosse Verantwortung», sagt Lenny McAviney. Ihre disziplinierte Aufsicht sei aus diesem Grunde unerlässlich.

Natürlich ist nicht immer nur Disziplin angesagt. «Zweimal pro Woche organisieren wir eine Disco. Wir veranstalten dabei pro Jahrgang einen Tanzwettbewerb», sagt der stellvertretende Schulleiter. Die Jury setzt sich aus den Ski- und Snowboardlehrern zusammen. Lenny McAviney sagt, dass diese Abende auch für die Lehrer speziell sind, denn: «Wir können unsere Freundschaften mit den aktuellen und ehemaligen Skilehrern, die zu Besuch kommen, pflegen. Einige von ihnen sind seit Beginn weg als Skilehrer dabei.» Am letzten Abend findet immer die Preisverteilung statt – und noch etwas Spezielles. Es werden Titel verteilt, wie zum Beispiel: Bestes gekleidetes Mädchen, oder welches Kind ist der Pechvogel der Woche. Für die Lehrpersonen ist es jeweils ein Aufatmen, wenn die Woche unfallfrei abgelaufen ist. «Für uns ist die Sicherheit erstes Gebot. Wir wissen die Kinder in der Skischule gut behütet durch dieselben Ski- und Snowboardlehrer über mehrere Jahre», sagt Lenny McAviney. Ein Muss für alle sei auch das Tragen eines Helmes. «Bis Ende der Woche erkennen wir die Kinder an ihren Helmen auf der Piste», sagt er mit einem Lächeln. «Denn auch wir Lehrer fahren Ski.