In zwei Stunden zum eigenen Käse

OBERHELFENSCHWIL. Tourismus- und Seminarprofis aus der deutschen Schweiz und Deutschland besuchten am letzten Freitag das untere Toggenburg. Dabei lernten sie auf dem Weid-Hof die Käseherstellung aus nächster Nähe kennen.

Michael Hug
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Unter den Teilnehmenden der Seminarstudienreise war auch eine Einheimische: Petra Meienberger von Toggenburg Tourismus am Chäschessi. (Bild: Michael Hug)

Unter den Teilnehmenden der Seminarstudienreise war auch eine Einheimische: Petra Meienberger von Toggenburg Tourismus am Chäschessi. (Bild: Michael Hug)

Käseherstellung – man hat schon davon gehört und weiss doch nicht so richtig wie das geht. Ein Käse besteht zur Hauptsache aus Fett, so lautet ein gängiges Klischee. Mit beidem, dem Klischee und dem Nichtwissen um den Käse, räumten Niklaus und Hildi Stadelmann am Freitagnachmittag in der Weidhofstube in Oberhelfenschwil innert zwei Stunden auf. So lange dauert die Herstellung eines Weichkäses von der Erwärmung der Milch bis zur Einlagerung des frischen Käses.

Infrastrukturen für Seminare

Zu dieser «Käseakademie» eingeladen hatte Toggenburg Tourismus, Zielpublikum waren Tourismus- und Seminarprofis aus weiten Teilen der Schweiz und Süddeutschland. Gezeigt wurden ihnen die Infrastrukturen für Seminartourismus des unteren Toggenburgs und des Neckertals (siehe Kasten). Toggenburg Tourismus schreibt diese Seminarstudienreisen seit 2007 aus.

Bis anhin fanden sie im Obertoggenburg statt, erstmals luden Christine Bolt und ihr Team die Seminarprofis aus dem Unterland nach Tufertschwil und Oberhelfenschwil.

Naturnah, aber erlebnisarm

Der Oberhelfenschwiler Weid-Hof von Alexandra und Fritz Roth steht geradezu explizit für Seminar- und Agrotourismus in einer naturnahen, aber erlebnisarmen Region.

Auf dem Weid-Hof, so Fritz Roth, kommen Landwirtschaft, Erlebnistourismus und Naherholung optimal zusammen. Fritz Roth: «Auf dem Weid-Hof kann man auf Bestellung heiraten, Geburtstage feiern, Seminare durchführen und an der Bauernolympiade seinen Ehrgeiz kitzeln.» Ganz nebenbei erwähnte Roth auch sein Massenlager für kurze Nächte, das Freiluftbad im geheizten Zuber mit Säntissicht, das Blumenatelier seiner Frau und die Köhlerei, die er – ebenso auf Bestellung – zuhanden von Schulen oder anderen interessierten Gruppen anbietet.

Seinen persönlichen Frischkäse

Auch Käse lässt sich auf dem Weid-Hof herstellen. Dass dies möglich wurde, dafür sorgte der pensionierte Käser Niklaus Stadelmann. Jeder Seminarteilnehmer konnte unter seiner Leitung im individuellen Chäschessi seinen persönlichen Frischkäse herstellen. Weil die Käseherstellung ihre Reaktionszeit braucht, flocht Stadelmann Wissenswertes um den Käse, seine Qualität, Sortenvielfalt, Lagerung und den möglichst genussreichen Umgang als Delikatesse in seine Ausführungen mit ein.

«Je härter ein Käse ist, desto länger soll man ihn kauen. Beim Sbrinz sagt man sogar, man sollte ihn lutschen», riet Stadelmann zum Umgang mit dem bekannten Hartkäse. Zu dem der Obertoggenburger Käser nicht ohne Stolz beifügte, dass seine Käserei Stofel das begehrte, aber praktisch nicht mehr erwerbbare AOC, also exklusives Herstellungsrecht, besitze.

Den frischen, selbst hergestellten Käse konnten die Teilnehmenden als wohlschmeckendes Andenken mit nach Hause nehmen.