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In Wildhaus neue Heimat gefunden

Von der Oberlausitz ins Toggenburg und das 1952: Peter Diener Senior hat in jungen Jahren einen weiten Weg gemacht, um seinen Traum, umringt von Bergen zu leben, verwirklichen zu können. In Wildhaus hat er eine neue Heimat gefunden und geniesst als vitaler Senior die Bergwelt.
Adi Lippuner
Peter Diener mit seiner Steinbockskulptur, welche beim Eingang zu seinem Haus steht. (Bild: Adi Lippuner)

Peter Diener mit seiner Steinbockskulptur, welche beim Eingang zu seinem Haus steht. (Bild: Adi Lippuner)

WILDHAUS. Eigentlich würden die Lebensgeschichte von Peter Diener und seine bergsteigerischen Aktivitäten ein ganzes Buch füllen. «Das dann niemand lesen würde,» so die bescheidene Aussage des Mannes, der zur ersten Expedition gehörte, die es auf den Gipfel des 8167 Meter hohen Dhaulagiri im Himalaja schaffte. Doch davon später.

Zuerst ein Blick auf die Jugendjahre des Wahl-Wildhausers: Aufgewachsen ist der 1929 geborene Peter Diener in der Oberlausitz, ein Gebiet, das früher zur DDR gehörte. «Klettern gelernt habe ich als 13-Jähriger an den Felsen im Oybintal des Zittauer Gebirges mit vielen Sandsteintürmen.» Zwei Mal sei er während des Krieges mit der Alpenvereinjugend in die österreichischen Alpen gefahren, «und dort konnte ich meine ersten Dreitausender erklimmen. Das hat mich so fasziniert, dass sich in meinem Kopf der Gedanke einnistete, später vielleicht einmal irgendwo in den Bergen leben zu können.»

Osten abgeriegelt

Der Wunsch, in den Bergen zu leben, wurde aber zur Illusion, weil nach dem Krieg der ganze Osten durch die Zonengrenze abgeriegelt wurde, blickt Peter Diener zurück. «Doch die Hoffnung, irgendwann vielleicht doch noch in den freien Westen zu gelangen, liess mich auch nach Beendigung meiner eher harten Lehrzeit als Dachdecker nicht los.» Als dann ein Freund aus der Nachbarschaft einmal vorsichtig eine mögliche Flucht, also das illegale Verlassen der DDR, angesprochen habe, «war mein Entschluss schnell gefasst. Nur mit dem Allernötigsten im Rucksack verliessen wir im Juni 1950 in aller Stille die Heimat und radelten auf zwei alten Velos quer durch die DDR, einem ungewissen Schicksal entgegen.»

Weit oben, im Norden, in der Nähe von Heldstedt sei dann in einer stürmischen Gewitternacht der Grenzübertritt gelungen. «Die russischen Patrouillen suchten Schutz vor dem Regen, und wir gelangten über die grüne Grenze. Im Westen angelangt, trennten wir uns, mein Freund fand eine Anstellung in der Landwirtschaft, und mich zog es in den Süden.» So sei er in den Raum Stuttgart gelangt. Dort wurde er durch ein Inserat «Dachdecker in der Schweiz gesucht» auf eine neue berufliche Perspektive aufmerksam. «Ich habe mich beworben und bekam 1952 die Stelle bei der Firma Aerne in Lichtensteig. Dies war ein ganz entscheidender Moment in meinem Leben.»

Entscheidende Weichenstellung

Zufall oder Fügung: Peter Diener lernte im damaligen Restaurant zum Adler beim Mittagstisch Seth Abderhalden kennen. «Seth war damals einer der besten Schweizer Bergsteiger. Durch ihn fand ich schnell Anschluss an die Toggenburger Kletterszene. Er nahm mich oft mit, auf immer anspruchsvoller werdende Touren, und war auch einer meiner Göttis, die mich 1954 bei der Bewerbung für den Eintritt in die Sektion Toggenburg des Schweizer Alpenclubs (SAC) unterstützten.» Im gleichen Jahr erfüllte Peter Diener auch die Bedingungen für die Aufnahme in den Kletterclub Alpstein (KCA). «Dies war damals eine der wenigen Vereinigungen von Kletterern, welche die extreme Richtung pflegten. Mit diesen Kameraden ergaben sich für mich bisher ungeahnte Möglichkeiten für Bergabenteuer im ganzen Alpenraum.»

Langjährige Zweierseilschaft

Dank Kontakten zu Toggenburger Bergsteigerkreisen lernte er seinen späteren Bergkameraden Ernst Forrer kennen. «Ab 1957 bildeten wir eine Zweierseilschaft und haben unzählige schwierige Routen bewältigt. Sein Talent, seine Fitness und sein Wagemut, aber auch seine Kameradschaft haben mich von Anfang an fasziniert», windet Peter Diener seinem langjährigen, kürzlich verstorbenen Freund ein Kränzlein.

Auch privat fand Peter Diener in der Familie Forrer sein Glück. «Ich lernte Erna, die Schwester von Ernst, kennen, und 1961 haben wir geheiratet.» Drei Kinder, die Tochter Madeleine und die Söhne Peter Junior und Rolf, sorgten schon bald für Leben in der jungen Familie. Ehefrau Erna führte während zehn Jahren die Konsumfiliale Schönenboden, «und so hatten wir, für damalige Verhältnisse, eine komfortable Wohnung mit eigenem Bad».

Mit Freude erinnert sich Peter Diener an 1995. «Damals erhielt ich das Schweizer Bürgerrecht und bin heute noch mit grosser Freude Wildhauser.»

Fünf Jahre sei er noch nach Lichtensteig zur Arbeit gefahren, und dann wurde der Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Es folgte der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses gleich gegenüber der ehemaligen Konsumfiliale. «Der Beginn der eigenen Geschäftstätigkeit fiel in eine gute Zeit, wir hatten genügend Aufträge und durften, dank guter Kontakte zu Bergsteigerkreisen, auch einige Dächer im alpinen Raum decken.» Während Jahren war Peter Diener aktiv im Schweizer Alpenclub (SAC), insgesamt zehn Jahre Rettungschef Toggenburg und während vier Jahren auch auf nationaler Ebene. Zudem engagierte er sich für die Öffentlichkeit, er war im Schul- und Kirchenrat sowie im Samariterverein.

Vor zwei Jahren musste Peter Diener für immer von seiner Ehefrau Abschied nehmen. Eine Fotocollage im Wohnzimmer erinnert ihn an glückliche Stunden. Doch wer nun glaubt, dass der Mann mit seinem Schicksal hadert: Weit gefehlt. Er hält sich an die fernöstliche Weisheit: «Beklage nicht, was verloren, geniesse, was vorhanden.»

Gute Beziehungen innerhalb der Familie, Kontakt mit Verwandten und Bergsteigerkameraden, aber auch Arbeiten im und ums Haus halten den vitalen Senior fit. So fit, dass er zwar nicht mehr Klettertouren, dafür aber regelmässig herausfordernde Bergwanderungen macht. Wer auf Wikipedia das Stichwort Dhaulagiri eingibt, findet folgenden Eintrag: «Der Dhaulagiri wurde als vorletzter Achttausender erstmals bestiegen. Erst Mitgliedern der achten Expedition, einer internationalen Expedition unter Leitung des Schweizers Max Eiselin, gelang es im Mai 1960, den Gipfel zu erreichen.» Peter Diener dazu: «Max Eiselin, ein bekannter Himalaja-Experte, hat die Gruppe zusammengestellt. Ich lernte ihn bei anspruchsvollen Klettertouren kennen und erhielt so, zusammen mit Ernst Forrer, seine Einladung, denn er wollte junge, einsatzfreudige Bergsteiger, auch wenn diese nicht die nötigen finanziellen Mittel hatten.» Finanziert wurde die Expedition weitgehend mittels einer Postkartenaktion – auch dies eine Geschichte, die eine ganze Zeitungsseite füllen würde. Deshalb hier nur die Kurzversion: 15 000 Personen haben mindestens fünf Franken bezahlt, um später aus Nepal eine Karte zu erhalten. Die Expeditionsteilnehmer schrieben und frankierten während Wochen, nach 10 000 Karten gab es in Kathmandu keine Briefmarken mehr und, das Schlimmste, die Postsäcke wurden liegengelassen, weil die nötige Bewilligung einen Tag abgelaufen war.

«Dank Jean Jacques Russi und dem Weltpostverein gelangten die Karten mit Verspätung, als alle Expeditionsteilnehmer längt wieder zu Hause waren, zu den Empfängern.»

Expedition 1960

Zusammen mit Peter Diener standen am 13. Mai 1960 Ernst Forrer, Kurt Diemberger, Albin Schelbert und die beiden Sherpas Nawang Dorje und Nyima Dorja auf dem Gipfel. «Und was mir unvergesslich ist, die beiden Sherpas haben während des einstündigen Aufenthalts sogar noch geraucht», erzählt ein bescheiden gebliebener Bergsteiger. Zehn Tage später, am 23. Mai, gelang der Gipfelsieg auch noch den beiden Expeditionsteilnehmern Michel Vaucher und Hugo Weber. «Unser grosser Tag war an einem Freitag, den 13., als der 13. Achttausender erstbestiegen wurde. Peter Diener blickt 55 Jahre später zurück: «Damals waren zwei Toggenburger dem Himmel sehr nahe.»

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