In Urgrossmutters Alltag eintauchen

KIRCHBERG. Heuer jährt sich der Besuch des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., zum 100. Mal. Dieses Ereignisses wird am zweiten Septemberwochenende auf dem Originalschauplatz in Kirchberg gedacht – eine historische Zeitreise für viele.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen

100 000 Zuschauerinnen und Zuschauer, 22 645 Unteroffiziere und Soldaten, 5755 Pferde und mittendrin Kaiser Wilhelm II. Der letzte deutsche Kaiser besuchte Anfang September 1912 die Schweiz. Dabei stand ein militärisches Manöver im Raum Kirchberg im Zentrum.

Den Krieg nicht verherrlichen

Dieses als Kaisermanöver bekannte Ereignis ist Anlass, das Rad der Zeit zurückzudrehen. «Nicht, um den Krieg zu verherrlichen», wie Kirchbergs Gemeindepräsident Christoph Häne betont. Das Organisationskomitee ist sich der historischen Brisanz bewusst: Zwei Jahre nach dem Kaiserbesuch brach der Erste Weltkrieg aus. 1912 wusste man aber noch nicht, dass dieser bevorstand. Beim Gedenkanlass stehen denn auch vielmehr historische, gesellschaftliche und kulturelle Komponenten im Vordergrund. Unter dem Titel «Schauplatz Kaiserhügel» besteht am Samstag und Sonntag, 8. /9. September, für alle Interessierten die Möglichkeit, in den Alltag vor 100 Jahren einzutauchen. Am Samstag findet um 10.30 Uhr auf dem Kaiserhügel die Vernissage statt zum Buch «Der Kaiser kommt!». Ein Buch des Historikers Armin Eberle, der in der Gemeinde Kirchberg lebt und arbeitet. Die Publikation begleitet auch die Sonderausstellung zum Thema im Historischen und Völkerkundemuseum in St. Gallen, die am 31. August eröffnet wird.

Viele Zeitbilder

Einblick in die Zeit um 1912 gewähren am zweiten Septemberwochenende bewegliche und statische Zeitbilder. Ein Männerchor singt 100 Jahre alte Lieder; Schüler führen mit ihrer Lehrerin damalige Unterrichtsmethoden auf. Ferner sind eine Schnapsbrennerei, Schmiedehandwerk und auch eine Wirtsstube zu sehen – alles anno 1912. Der STV Kirchberg zeigt eine historische Turnstunde, und in einem Märchenzelt sind alte Märchen zu vernehmen. Oldtimer aus jener Zeit fahren vor. «Es hat für alle etwas dabei», sagt Christoph Häne. Auch weitere musikalische Darbietungen stehen auf dem Programm. Am Sonntag um 13.30 Uhr tritt die St. Gallische Reitermusik auf. In eingeschränktem Mass ist Militärisches dennoch präsent: Eine alte Kanone macht zeitweise auf sich aufmerksam, und Soldaten leben zwei Tage auf dem Schauplatz. Sie führen alte Drillübungen vor. Dies auch bei Regen, denn der Anlass findet bei jeder Witterung statt. Eine grosses Zelt und mehrere kleinere Zelte werden aufgestellt. Das Gelände muss zu Fuss aufgesucht werden, wie die Veranstalter sagen. Beim «Toggenburgerhof» befinden sich Parkplätze. Für Personen mit Gehschwierigkeiten fährt ein Shuttlebus ab dem Parkplatz. Das dafür eingesetzte Postauto ist 100 Jahre alt.

Manöver-Frühstück

Am Sonntagmorgen (9.30 Uhr) wird ein Manöver-Frühstück aufgetischt. Eine Anmeldung für die kostenpflichtige Mahlzeit ist erwünscht unter Telefon 071 932 35 35 oder E-Mail marina.gerig@kirchberg.ch. Ansonsten ist der Eintritt frei.

Aktuelle Nachrichten