In sieben Stunden über sieben Berge

Seit 2005 sprinten Christoph Eigenmann, Markus Rüegg und Christoph Appius einmal jährlich gemeinsam über die sieben Churfirsten. Für weniger Geübte ist diese Herausforderung aber nicht unbedingt zu empfehlen, die teilweise anspruchsvollen Abstiege verlangen sportlich einiges ab.

Urs Huwyler
Merken
Drucken
Teilen
Seit 2005 bezwingen Markus Rüegg, Christoph Appius und Christoph Eigenmann (von rechts) die sieben Churfirsten jedes Jahr gemeinsam. (Bild: pd)

Seit 2005 bezwingen Markus Rüegg, Christoph Appius und Christoph Eigenmann (von rechts) die sieben Churfirsten jedes Jahr gemeinsam. (Bild: pd)

ALT ST. JOHANN. Ausrüstung: Leichte Wanderbekleidung, leichte Wanderschuhe, Teleskopstöcke, viele Energieriegel, vier Liter Flüssigkeit: Das tönt nach einer lockeren Wanderung, auf der die Berggasthäuser wegen des «Wirtesunntigs» geschlossen haben. In Tat und Wahrheit lautet so die Empfehlung eines erfahrenen Tourengängers für die Herausforderung «Sieben Churfirsten an einem Tag». Ein anderer Dauerläufer schreibt in seinem Bericht, nicht die technischen Schwierigkeiten, sondern die vielen Höhenmeter seien eine echte Herausforderung. Wen wundert's da, dass sich auch Wanderer mit Knieproblemen oder Mitglieder firmeninterner Sportklubs an den Leistungstest heran wagen wollen?

Der Wattwiler Langlauf-Sprinter Christoph Eigenmann, Engadin Skimarathon-Spezialist Christoph Appius, ebenfalls aus Wattwil und Gigathlon-Biker Markus Rüegg aus Bütschwil steigen seit 2005 jedes Jahr auf die sieben Berge. Diesmal brauchten der langbeinige «Riese Rüegg» und die kurzschrittigeren zwei «Zwerge» – abzüglich des frühmorgendlichen Warmlaufens von Starkenbach zum Strichboden – sieben Stunden von West (Selun) nach Ost (Chäserrugg). Die Richtung wird durch die Seilbahn bestimmt, weil die Tortur auf dem Chäserrugg enden soll und so der letzte Abstieg fahrend genossen werden kann. «Wir wollen keinen Rekord aufstellen, sondern das Ziel gemeinsam erreichen und den Tag geniessen», widerspricht Christoph Eigenmann nach einem siebentägigen Trainingslager der Vermutung, der Blick auf die Stoppuhr sei bestimmt wichtiger als jener vom Selun oder Frümsel auf den Walensee.

Höhe und Tiefe

Das berggängige Trio kennt inzwischen die nicht ausgeschilderten Abkürzungen zwischen den Gipfeln, weiss von der Routenwahl her, wo der mit fünf Litern Flüssigkeit und Kraftriegeln gefüllte Rucksack vorübergehend deponiert werden kann. «Es gibt unterwegs kein Berggasthaus und keinen Brunnen. Der Vorteil liegt darin, dass die Übung nach jedem Berg abgebrochen und auf einem offiziellen Weg zu einer der beiden Bahnen gewandert werden kann. Das Problem liegt weniger in den Auf-, sondern in den teilweise anspruchsvollen Abstiegen, die insgesamt über drei Stunden ausmachen und einige Trittfestigkeit verlangen», sind sich drei «Churfirstler» einig. Um die Muskelstarre nicht mehrmals überwinden zu müssen, standen sie während der acht Stunden einzig beim Trinken total eine Viertelstunde still. «Wieder anzulaufen ist mühsamer als in Bewegung zu bleiben», erklärt Christoph Eigenmann, dem nach einem Stockbruch nichts anderes übrig blieb, als unter erschwerten Bedingungen durch die Geröllhalden oder an Enzianen vorbei zu kraxeln. Der eine oder andere stressfrei grasende Vierbeiner wird sich seine Gedanken gemacht machen, weshalb es Zweibeiner gibt, die ein Gipfelkreuz berühren, sofort wieder abwärts hetzen und eine Stunde später auf der nächsten Höhe kurz einen Blick in die Tiefe wagen.

Gemeinsames Erlebnis

Weshalb um Himmels willen versuchen immer mehr Zeitgenossen die sieben Hausberge mit Aussicht auf sieben Tage Muskel- und anderen Kater zu bezwingen? «Die Kulisse mit den Churfirsten dominiert das Bild aus allen Himmelsrichtungen. Innerhalb weniger Stunden auf allen Gipfeln gewesen zu sein, ist ein besonderes gemeinsames Erlebnis. Ich betrachte den Tag jedes Jahr als Sommerhöhepunkt und zudem als Ausdauertraining für den Winter», sagt der zeitgleich mit den Ü40- (Markus Rüegg) und Ü50-Kollegen (Christoph Appius) unten angekommene Ü30-Alpinwanderer Christoph Eigenmann.

Auf dem Hinterrugg wurden die drei immer wieder auf und nieder steigenden Toggenburger von den Familien erwartet und später durch die Familie Cony und Martin Lusti ins Schwimmbad Unterwasser eingeladen. Der Wellness-Aufenthalt schien Wunder zu wirken. Abends besuchten die Gipfelstürmer halbwegs fit die Jazztage und wurden nicht ad hoc zu Siebenschläfern. «Dieses Jahr kamen wir sehr gut durch», lautete das Fazit.

Trotzdem empfehlen sie allen selbst ernannten Ausdauersportlern, zuerst einzelne Churfirsten zu besteigen und mögliche Routen zu studieren. Unterschätzt werden sollten die Strapazen nicht. Obwohl die Aussicht auf über 2000 Metern über Meer wie Musik in den Ohren klinge, sei der Klangweg am Fusse der sieben Churfirsten für Hobby-Wanderer doch eher geeignet.