In Schule und Dorf engagiert

Seit 42 Jahren steht Bruno Gemperle als Lehrer im Berufsleben, seit 1978 in Bütschwil. Es hat ihm Freude gemacht, auf der Mittelstufe zu unterrichten. Von Schülern in diesem Alter kann bereits etwas mehr und Anspruchsvolleres verlangt werden.

Beatrice Bollhalder
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Bruno Gemperle hat schon bald mehr Zeit, sich seinen Hobbies, beispielsweise dem Tennis, zu widmen. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Bruno Gemperle hat schon bald mehr Zeit, sich seinen Hobbies, beispielsweise dem Tennis, zu widmen. (Bild: Beatrice Bollhalder)

BÜTSCHWIL. «Nein, die Unterstufe hat mich nie gereizt. Gut, ich habe es auch nie ausprobiert», erklärt Bruno Gemperle, der in den letzten Jahrzehnten unzählige Schüler von der vierten Klasse bis zu deren Übertritt in die Oberstufe begleitet hat. «Ich bin nicht der spielerische Typ, ich brauche eher etwas Handfestes.» Der Primarlehrer, der bis zur sechsten Klasse in Wil in die Schule ging und die restlichen Schuljahre in Sargans absolvierte, besuchte das «Semi» in Chur. «Damals gehörte zwar auch ein Praktikum auf der Unterstufe dazu, aber an meiner ersten Arbeitsstelle in Braunwald wurden mir die fünfte bis achte Klasse anvertraut, und das gefiel mir», sagt der künftige Pensionär.

Drei Jahre die gleichen Schüler

Nach fünf Jahren in Braunwald hat er sich 1978 auf eine ausgeschriebene Stelle beworben, mit der ein Primarlehrer für Dietfurt gesucht wurde. Die Verantwortlichen der Schulgemeinde hatten zu dieser Zeit aber zwei Stellen zu besetzen, wovon die eine die Realschule betraf. Da sich Gemperle in Braunwald schon mit älteren Schülern zu befassen hatte, konnte er überzeugt werden, die Stelle auf der Realschulstufe anzunehmen. Ein Jahr später wurde in der Primarschule in Bütschwil aber eine Stelle frei. Diese hat er dann erhalten und konnte auf die Primarschulstufe wechseln. «Bis zum heutigen Tag habe ich dann jeweils eine vierte Klasse übernommen und die Schüler bis Ende der sechsten Klasse unterrichtet. Da nach den Sommerferien ein neuer Klassenzug anstehen würde, habe ich beschlossen, bereits mit 64 Jahren in Pension zu gehen», erklärt Bruno Gemperle seine vorzeitige Pensionierung.

Wenn die Chemie stimmt

Ist es ein Vorteil, wenn ein Lehrer seine Schüler über drei Jahre begleiten kann? «Ja, wenn die Chemie stimmt, bestimmt. Sonst sind es unter Umständen drei lange Jahre», erklärt Bruno Gemperle. In der vierten Klasse findet ein gegenseitiges Kennenlernen statt und der Rahmen kann gesteckt werden. Während der ganzen fünften Klasse wird dann einfach gearbeitet. In der sechsten Klasse muss bereits die zukünftige Richtung ins Auge gefasst werden.

Zu Beginn der beruflichen Karriere Bruno Gemperles gab es noch die Aufnahmeprüfung für die Sekundarschule. Schon damals habe aber die Wertung des Klassenlehrers grosses Gewicht gehabt, denn schliesslich habe jeder einmal einen schlechten Tag. Heute versuche man, die Oberstufenzuweisung einvernehmlich zwischen Schüler, Eltern und Lehrer vorzunehmen. «Vom Lehrplan her hat sich in den vergangenen 42 Jahren, in denen ich Schulunterricht erteile, einiges geändert», erinnert sich Bruno Gemperle, der Vater dreier erwachsener Söhne. Zum einen wurde Französisch auf der Primarschulstufe eingeführt. Zum anderen kam der Informatikunterricht dazu. Auch die Lernformen sind vielfältiger geworden. In Erinnerung geblieben ist dem Bütschwiler Lehrer auch das Langschuljahr. Und natürlich kann er sich auch noch an jene Zeiten erinnern, in denen am Samstag noch nicht schulfrei war.

Im Ski- oder Sommerlager

In der Primarschule Bütschwil wurde vereinbart, jeweils in der fünften Klasse ein Skilager durchzuführen. Das Sommerlager, das Bruno Gemperle immer zu Beginn des sechsten Schuljahres ansetzte, hatte den Zweck, den sozialen Zusammenhalt und die Gemeinschaft zu stärken. Und da für diese Lager meist ein Ziel im Engadin angesteuert wurde, eignete sich der Frühherbst sehr gut. Schulrat und Eltern seien stets damit einverstanden gewesen, dass das Lager jeweils von Samstag bis Freitag gedauert habe, erzählt Bruno Gemperle. So habe man genügend Zeit gehabt, die Gegend zu erkunden. Zusammen mit Peter Nussbaumer hat er während der Sportwoche ausserdem als Organisator von freiwilligen Skilagern für die Schülerinnen der damaligen Mädchensekundarschule gewirkt.

In Erinnerung geblieben ist Bruno Gemperle auch eine Klasse, von der eine Schülerin zu ihm gekommen sei und ihm gebeichtet habe, dass sie die Klasse eigenständig für die Teilnahme an einer Fernsehsendung angemeldet habe. Die damaligen Bütschwiler Viertklässler durften 1996 in der Sendung «Hau-Ruck» von Fernsehen SRF, in der zwei Schulklassen um Punkte wetteiferten, mitwirken. Die Bütschwiler haben den Wettstreit zwar nicht gewonnen, aber eine wichtige Erfahrung gemacht. Und ihr Lehrer hat den Ausflug gleich mit einer Exkursion zum Flughafen Zürich-Kloten verbunden. Als grosses Projekt nennt Gemperle die «Zäller Wiehnacht». Gleich zweimal gelangte das bekannte Singspiel während seiner Berufszeit zur Aufführung. Mitgewirkt haben Bütschwiler Schulklassen auch bei den Feierlichkeiten zum 1200-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Bütschwil oder der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft. Eine gute Idee findet Bruno Gemperle nach wie vor das Leseprojekt Prix Chronos, das von der Bibliothek organisiert worden ist und den Dialog zwischen den Generationen förderte. Für den langjährigen Pädagogen war das Mitmachen seiner Klasse bei diesem Projekt genau so selbstverständlich wie bei jenem, bei dem Schüler im Solino den Bewohnern aus einem Buch vorlasen.

Vorerst Abstand gewinnen

Freude spürte Bruno Gemperle immer, wenn er als Praktikumsleiter spätere Lehrer – vor allem, wenn diese schon bei ihm den Unterricht besucht hatten – in die Arbeit mit Kindern einführen durfte.

«An meinem letzten Schultag und auch am ersten Tag nach den Ferien wird es mir sicher etwas komisch vorkommen», stellt sich Bruno Gemperle die Zukunft vor. Der sportliche Lehrer hat sich vorgenommen, erst einmal Abstand zu gewinnen. Tennis spielen und im Winter Skifahren werden dann auf seiner To-do-Liste stehen. Ganz besonders freut er sich darauf, eine Ausfahrt mit seinem Töff unternehmen zu können, ohne auf den Stundenplan sehen zu müssen. «Wer ein Haus hat, hat immer etwas zu tun», hält Gemperle weiter fest. Ihm werde also bestimmt nicht langweilig werden. Dass er später wieder einmal mit Unterricht zu tun haben könnte, lässt er offen. Wichtig wäre ihm dann, keine Verantwortung mehr übernehmen zu müssen, sondern nur noch als Assistenz zu wirken. Der 64-Jährige, der während 30 Jahren in der Guggemusig Moslig mitgewirkt und genauso lang Volleyball gespielt hat, ist auch weiterhin ein wichtiges Mitglied der Theatergruppe «Also denn». Die nächste Produktion ist in Vorbereitung, der Zeitpunkt der Aufführung aber noch nicht bestimmt. Nebenberuflich engagierte sich Bruno Gemperle über mehrere Jahre im Verwaltungsrat des Hallenbades, der Kirche und des regionalen Volleyballverbandes.