In Rehetobel wird Kritik am «Ob dem Holz»-Verkauf laut

Die geplante Veräusserung des ehemaligen Bürgerheims in Rehetobel stösst auf Unverständnis.

Jesko Calderara
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Das Schicksal des ehemaligen Bürgerheims Ob dem Holz entscheidet sich an der Urne.

Das Schicksal des ehemaligen Bürgerheims Ob dem Holz entscheidet sich an der Urne.

Bild: APZ

Die ungelöste Zukunft des seit längerem leer stehenden Hauses «Ob dem Holz» ist in Rehetobel weiterhin ein Thema. Dies zeigt der Leserbrief von Gisa Frank, Brigitte Bänziger und Emanuel Hörler, der in der letzten Ausgabe des «Rechtobler Gmäändsblatt» erschienen ist. Rückblick: Vor ungefähr einem Jahr wählte der Gemeinderat aus drei Projekten jenes der Gupf AG aus. Demnach soll das ehemalige Bürgerheim zu einem Wohnhaus mit Zimmern für die Mitarbeitenden des Gourmetrestaurants Gupf umgebaut werden. Das letzte Wort über den Verkauf werden die Stimmberechtigten an der Urne haben.

Die drei Leserbriefschreiber kritisieren nun die fehlende öffentliche Diskussion über die künftige Nutzung des «Ob dem Holz» und die Tatsache, dass keine «Türen für Visionen» offengelassen wurden. Der Gemeinderat habe den Vorentscheid zur Veräusserung des Objekts getroffen, ohne die damit verbundenen Folgen für die Gemeinde abschliessend abzuklären. Deshalb könnten die Stimmberechtigten nur noch Ja oder Nein sagen zur Frage, was aus einem Teil des Gemeindeguts in Zukunft werden soll. Diese Vorgehensweise werfe Fragen auf, heisst es im Leserbrief weiter.

Wirtschaftliche Aspekte zu stark gewichtet

Dabei wird auf die Konsultativabstimmung von 2015 verwiesen. Damals haben sich die Stimmbürger klar dafür ausgesprochen, die Liegenschaft nur im Baurecht abzutreten. Ohne öffentliche Diskussion und Änderung der Sachlage habe der Gemeinderat mit einem Vorvertrag einem Verkauf zugestimmt, bemängeln Frank, Bänziger und Hörler. Land und Haus seien somit weg, bevor wichtige Folgekosten für die Gemeine geklärt seien. Abgesehen davon sei das 165-jährige «Ob dem Holz» Teil der Rechtobler Geschichte. Über die Nutzung einer Gemeindeliegenschaft dürfe nicht einzig am Tisch des Gemeinderates und auf Basis weniger Investorenangebote entschieden werden.

Den Verfassern des Leserbriefs ist das Vorhaben des Gupf-Besitzers grundsätzlich ein Dorn im Auge – vor allem aus raumplanerischen Gründen. Ein Mehrfamilienhaus in einem ungenügend erschlossenen Gebiet ausserhalb der Bauzone als Ersatzneubau zu erstellen, widerspreche den Grundsätzen des Raumplanungsgesetzes. Dazu gehören Innenverdichtung und ein schonender Umgang mit Kulturland.

Für die drei Bürger ist der Fall klar: Die Vermutung liege nahe, dass beim Entscheid allein die vermeintlich wirtschaftlichen Vorteile eines Verkaufs gewichtet worden seien, schreiben sie in ihrem Leserbrief. Das schöne Grundstück am Hang werde dadurch zum Renditeobjekt. Gemäss Frank, Bänziger und Hörler würde es sich lohnen, weniger intensive alternative Nutzungen ernsthaft zu diskutieren. Wenn man abgesehen davon nur Ja oder Nein zum Verkauf des «Ob dem Holz» sagen könne, müsste wenigstens das Projekt bekannt sein und dessen Folgen für die Gemeinde transparent aufgezeigt werden.

Experten raten zu einem Neubau

Der Gemeinderat hat auf den Leserbrief mit einer Medienmitteilung reagiert. Darin wehrt er sich gegen den Vorwurf, für Visionen keine Türen offengelassen zu haben. Er begrüsse die Diskussion, deshalb habe er auch entschieden, dass beim Verkauf der Liegenschaft «Ob dem Holz» die Stimmberechtigten das letzte Wort haben sollen, heisst es im Schreiben. Mit dieser Abstimmung werde man einen demokratischen Entscheid haben, den alle akzeptieren. In diesem Zusammenhang erwähnt der Gemeinderat seine Aufgaben. Dazu zählt er die Führung der Gemeinde und das Treffen von wichtigen Vorentscheidungen bei grösseren Projekten wie dem «Ob dem Holz». Nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage habe der Gemeinderat einer Veräusserung der Liegenschaft zugestimmt, weil die positiven Aspekte überwiegen und der Gemeinde dienen würden. Bei einem Ja zum Verkauf wird die Baubewilligungskommission der Gemeinde zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege das Projekt fachlich begleiten, so wie dies jüngst auch beim Dorfhuus Gupf geschehen ist.

Beim «Ob dem Holz» wiederum zeigte eine Anfang 2018 durchgeführte Hausanalyse der Liegenschaft, dass eine zukunftsgerichtete kommerzielle Nutzung an den heutigen Vorschriften und Auflagen scheitern würde. Dies obschon das Gebäude an sich in gesundem Zustand ist und viele Einrichtungen erst kürzlich erneuert wurden. Für eine langfristig wertbeständige Lösung empfehlen die Experten deshalb einen Neubau. Die Hausanalyse kann auf der Gemeindeverwaltung bezogen oder auf der Gemeindewebsite heruntergeladen werden.

Drei Bewerber haben Projekte eingereicht

Aufgrund dieser Beurteilung habe sich der Gemeinderat entschieden, das Haus «Ob dem Holz» zum Verkauf auszuschreiben, um entsprechende Investoren zu finden, heisst es in der Medienmitteilung. Dieses Vorgehen sei im Gemeindeblatt klar kommuniziert worden. Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden mit drei Interessenten konkrete Gespräche geführt. Dabei handelt es sich zum einen um Manuel Zähner aus St.Gallen, welcher das Gebäude erhalten und zu Wohnungen umbauen und allenfalls den bisherigen Speisesaal als Restaurant verpachten möchte.

Der zweite, nicht namentlich genannte Interessent stammt aus Bühler. Auch er möchte das Gebäude erhalten und zu Wohnzwecken nutzen. Zusätzlich wären Therapie- und Büroräumlichkeiten vorgesehen. Bei dem dritten Interessenten handelt es sich wie eingangs erwähnt um die Gupf AG von Emil Eberle und Walter Klose. Die angebotenen Preise bewegen sich zwischen 800'000 Franken und rund einer Million Franken.

Von den eingereichten Bewerbungen habe sich das Projekt der Gupf AG als sinnvollste Lösung herausgestellt. Obwohl das «Ob dem Holz» im Finanzvermögen aufgeführt ist und gemäss der Gemeindeordnung nur dem fakultativen Referendum unterstellt werden müsste, soll eine Volksabstimmung durchgeführt werden. Wann diese stattfindet, ist offen. Damit der Verkauf möglichst bald vollzogen werden kann, wurde bei der kantonalen Bodenrechtskommission das Gesuch um Abparzellierung des Grundstückes aus der Landwirtschaftszone eingereicht. Der Gemeinderat zeigt sich in der Medienmitteilung zuversichtlich, dass mit dem Engagement der Gupf AG das Grundstück «Ob dem Holz» aufgewertet wird.