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In der Einsamkeit

GAIS. Das Haus sieht man erst, wenn man kurz davor steht. Rundum dichter Wald. Aber vom Balkon aus öffnet sich über dem satten Grün ein weiter Blick auf den Alpstein.
Eva Bachmann
Bild: Ralph Ribi

Bild: Ralph Ribi

Gut drei Jahre hat Felix Mettler hier im Gschwend ob Gais gehaust, jetzt hat der Umzug nach Teufen begonnen.

Der Winter ist streng

Er geht nicht nur mit Wehmut – der Winter war streng. Einsamkeit lässt er gelten, «aber allein ist man hier nicht».

Sein Briefkasten steht oben auf dem Gäbris, eine Gelegenheit, zum Kaffee einzukehren und mit der Wirtin und den Bauern einen Schwatz zu halten.

Zum Schreiben ist die Ruhe mitten im Wald ideal. Und jetzt hat er auch wieder Zeit dazu. Bald zwanzig Jahre sind vergangen seit Mettlers Bestseller «Der Keiler», der auch verfilmt wurde.

1994 erschien sein zweites, längst vergriffenes Buch «Made in Africa», in dem ein genmutierter Gorilla die Welt erlösen soll – «mein bestes Buch», sagt Mettler, «aber leider kaum lesbar».

In seinen zehn Jahren als Tierpathologe in Namibia fand er keine Zeit zum Schreiben. Jetzt aber ist neben den Kolumnen für das «Appenzeller Magazin» endlich wieder ein ganzes Buch entstanden: «Der Fehldruck», eine Sammlung von acht Kriminalnovellen.

Etwas mulmig wird einem schon, wenn man in der Geschichte «Dunkle Mächte» von einem Wissenschafter liest, der die ländliche Abgeschiedenheit sucht und sich dort von den Nachbarn und ihren spiritistischen Séancen derart bedrängt fühlt, dass er zur Tat schreitet.

Zufall, Schicksal…

Oder da gibt es einen Tierpräparator, der von lautstarken Jugendlichen vor seinem Haus am Schreiben gehindert wird und sich so heftig wehrt, dass er schliesslich zwei Menschen auf dem Gewissen hat.

Darf man diesen schreibenden Einsiedler mit einem Besuch behelligen? Mettler lacht. Klar seien in seinen Geschichten immer auch wahre Begebenheiten dabei – im übrigen sei er ein friedlicher Mensch. «Mich interessiert, wie jemand so weit getrieben werden kann, dass er zum Täter wird.»

Felix Mettlers Krimis, die in der Tradition von Glauser und Dürrenmatt stehen, schöpfen ihre Spannung denn auch nicht aus der Frage: Wer war es? «Ich arbeite mit Psychologie und Phantasie.

Jemand gerät in eine Situation, die etwas auslöst. Und ich frage mich, wie sie weitergehen könnte – auf Leben und Tod», erklärt der Autor. Zufall und Schicksal sind in seinen Geschichten die treueren Begleiter als Polizeispürnasen. Erzählt werden hauptsächlich die Vorgeschichten, die am Schluss zum Verhängnis führen, das zumeist nicht einmal aufgeklärt wird.

Wer Mettler liest, identifiziert sich mit dem Täter. Sind wir alle potenzielle Mörder? Jeder sagt gelegentlich: Den könnte ich umbringen. Felix Mettler geht es nicht um gut und böse, eher schon um die Frage: «Was empfinden wir als gerecht oder ungerecht? Welche Konsequenzen hat das?»

…und Gerechtigkeit

Mettler sucht in seinen Geschichten die Gerechtigkeit, sozialverträgliche und umweltfreundliche. «Ohne Moral geht es fast nicht», gesteht er zu, «aber die Welt verbessern kann ich als Autor nicht.»

Ein neues Buch ist in Arbeit, eine Anfrage für ein Filmskript liegt vor. Und die Geschichte «Die Rache der Justitia» über drei gestandene Männer, die (wie Mettler) aus der Kantonsschule geflogen sind, sich wöchentlich im «Posthorn» am Marktplatz treffen und schaurige Rache an den Lehrern nehmen, diese Geschichte könnte ihren Weg auf die Bühne finden. Vorerst kann man sie nur lesen – aber auch das ist ein Vergnügen.

Felix Mettler, Autor, lebt in Gais. Sein Buch «Der Fehldruck. Kriminalnovellen» ist im Appenzeller Verlag erschienen, Fr. 34.–

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