In den Tiefen der Schnitzelheizung

NESSLAU. Der Tag der offenen Tür des Holzenergiezentrums zog viel Publikum an. Die kundigen Führer Ernst Aerne, Revierförster und Geschäftsführer der Brennholzzentrale und Urs Zwingli, Bauleiter der Holzschnitzelheizung, zeigten die Anlage.

Katharina Rutz
Drucken
Teilen
In Scharen pilgerten die Besucher am Tag der offenen Tür durch die Heizzentrale, rechts der Elektrofilter der Schnitzelheizung. (Bilder: Katharina Rutz)

In Scharen pilgerten die Besucher am Tag der offenen Tür durch die Heizzentrale, rechts der Elektrofilter der Schnitzelheizung. (Bilder: Katharina Rutz)

Nesslau. Ein lautes Rattern und Knattern lockte die Besucherinnen und Besucher aus dem Zelt vor dem Holzenergiezentrum in den kalten Regen. Ein Kranarm fasste Holzstämme von einem grossen Haufen und führte sie in eine riesige Walze. Am anderen Ende flogen die Holzschnitzel in die Lagerhalle. 25 000 Kubikmeter Holzschnitzel verbrennt die Feuerungsanlage des Holzenergiezentrums.

Die Holzschnitzelheizung sowie die Brennholzzentrale konnte das Publikum ausführlich besichtigen, denn die Genossenschaft Holzenergiezentrum Toggenburg und die Brennholzzentrale GmbH luden am Samstag zum Tag der offenen Tür und zur offiziellen Eröffnung der Anlagen im Stich.

«Toggenburger Phase»

Für den St. Galler Regierungsratspräsidenten Josef Keller war dieser Anlass der zweite innerhalb einer Woche im Toggenburg. Letzten Samstag war er anlässlich der Eröffnung des Bahnhofs Wattwil ebenfalls im Toggenburg zu Gast.

Diese «Toggenburger Phase» sei für ihn ein gutes Zeichen für die Region, sagte er am Samstag vor den geladenen Gästen. Die Entstehungsgeschichte des Holzenergiezentrums im Stich verfolgte Josef Keller einerseits als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes – und damit zuständig für das Forstwesen und die Regionalpolitik – andererseits als Verwaltungsrat und Präsident der SAK aus der Nähe.

Die regional-, wald- und energiepolitische Bedeutung des Projektes sei von Beginn weg klar gewesen, sagte er. «Aus Sicht des Kantons ist das Holzenergiezentrum Toggenburg ein Erfolg. Im Toggenburg schwatzt man nicht nur vom Energietal, man tut auch etwas dafür», so der Regierungsratspräsident. Neben Josef Keller durfte Köbi Rutz, Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Holzenergiezentrum Toggenburg, weitere Gäste begrüssen. Darunter den Geschäftsführer der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK), Stefano Garbin.

Mit der Besiegelung der Zusammenarbeit mit der SAK konnte im Herbst 2008 die Planungs- und Bewilligungsphase des Projektes eingeläutet werden.

Elektrizität für ganzes Dorf

Durch eine Wärme-Kraftkoppelung produziert die Holzschnitzelheizung jährlich rund 2400 Megawattstunden elektrische Energie, die in das SAK-Netz eingespiesen wird. «Die produzierte Energie entspricht dem Verbrauch von etwa 500 bis 600 Haushalten», so Stefano Garbin. Damit könnte der Elektrizitätsbedarf von ganz Nesslau-Neu St.

Johann gedeckt werden. Die Kosten der Heizzentrale Stich mit 6,5 Kilometern Fernwärmenetz betragen 15,5 Millionen Franken. Bei der Finanzierung haben sich die SAK, Bund und Kanton, die Schweizer Berghilfe sowie die Parrotia Stiftung in Zürich massgeblich beteiligt.

Neben der Holzschnitzelheizung entstand im Stich die Brennholzzentrale mit Lager und Trocknungshalle unter der Geschäftsführung von Revierförster Ernst Aerne.

Diese kostete rund 700 000 Franken, an denen sich ebenfalls der Bund sowie die Patenschaft für Berggemeinden finanziell beteiligten. Schon lange befassten sich die öffentlichen Forstunternehmen der Region mit der Suche nach einer kostendeckenden Brennholzproduktion. Bisher konnte Brennholz nur mit einem Defizit hergestellt werden.

Doch dank dem Säge-Spaltautomaten können Brennholzstämme in langer Form zum Werkhof geliefert werden und vollautomatisch zu ofenfertigen Holzscheiten verarbeitet werden. Diese werden dann in der schweizweit einzigartigen Trocknungshalle mit Hilfe der überschüssigen Wärme aus der Holzschnitzelheizung während rund zwei Wochen getrocknet.