In den Lüften von Appenzell

Wenn ich an eine Heissluftballonfahrt denke, kommen mir Freiheit und Ruhe in den Sinn. Ich fühlte mich während der Ballonfahrt zwar frei, doch mit Ruhe hatte dies nichts zu tun.

Helena Städler
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Der Herzballon gilt als Höhepunkt der diesjährigen Held Trophy. (Bild: hst)

Der Herzballon gilt als Höhepunkt der diesjährigen Held Trophy. (Bild: hst)

Wenn ich an eine Heissluftballonfahrt denke, kommen mir Freiheit und Ruhe in den Sinn. Ich fühlte mich während der Ballonfahrt zwar frei, doch mit Ruhe hatte dies nichts zu tun. Jedes Mal, wenn der Gasbrenner benutzt wurde, zuckte ich zusammen ich, weil es so laut war und stellte mir vor, wie ich während der Ballonfahrt vor Schreck über Bord kippte. Diese Angst legte sich jedoch schnell, als ich mich in der Luft befand. Doch beginnen wir von vorn.

Am Donnerstagabend starteten in Appenzell bei der Sandgrube drei Heissluftballone. Neben zwei Schweizer Gruppen war auch eine japanische dabei. Die Ballone wurden aufgeblasen und ich wurde immer nervöser. Was, wenn ich hinunter falle, was, wenn der Ballon anfängt zu brennen? Doch Sicherheitsmassnahmen gab es keine. «Nehmen Sie einfach die Hände während dem Start und der Landung in den Korb», sagte mir ein Pilot, bevor er mich zu den Japanern lotste.

Andere Länder, andere Sitten

Die Crew des Piloten Mamoru Endo hat mich herzlich empfangen, doch bei der Begrüssung haperte es ein wenig. Während ich den Japanern die Hand hinstreckte, verbeugten sie sich vor mir. Einen Moment lang herrschte eine peinliche Stille, doch schnell lachten wir darüber, verbeugten uns gegenseitig und reichten uns die Hand. Bei den Vorbereitungen zum Abflug war meine Hilfe, im Gegensatz zu den anderen Gruppen, nicht nötig. Ein grosser Ventilator blies den Ballon auf und wurde mit Hilfe des Gasbrenners aufgestellt. Gleich darauf wurde ich mit Handzeichen, auf Japanisch und Englisch gebeten, in den Korb zu steigen.

Beine wie Wackelpudding

Da stand ich nun im Korb. Meine Beine glichen einem Wackelpudding und meine Hände zitterten. Vor dem Flug fürchtete ich mich nicht, über die Landung machte ich mir trotz des erfahrenen Piloten ein wenig Sorgen. Doch schnell wurde ich von der schönen Aussicht und einer japanischen Mitpassagierin abgelenkt. Denn kaum abgehoben, drückte sie mir ihre Fotokamera in die Hand, um von ihr einige Fotos zu schiessen. Dann, in den Lüften von Appenzell, fühlte ich mich freier als je zuvor. Der schöne Ausblick auf die Alpen und den Sonnenuntergang glich einem Traum. Wir flogen auf und ab und hatten Spass daran. Als es langsam spät wurde, suchte der Pilot nach einem Landeplatz, fand aber keinen. Mit ihm wurde auch ich immer nervöser. Letztlich landeten wir auf einer Wiese im Studen, wobei der Korb drei Mal fast umkippte. Während ich mich erschrocken an die Seitenstangen klammerte, lächelten die Japaner weiter. Kaum angekommen, fuhr auch schon der Wagen mit dem Anhänger vor.

Ärger auf dem Lande

Als Mamoru Endo jedoch auf einer Wiese das Auto zu wenden versuchte, wurde es laut. Eine Frau eilte aus einem naheliegenden Bauernhof herbei und begann zu fluchen. Wir entschuldigten uns und besänftigten die Frau, bis sie wieder schmunzeln konnte. Nur meinen japanischen Mitgenossen steckte der Schreck länger in den Knochen. Spätestens im Auto zurück zum Landsgemeindeplatz konnten auch sie wieder lächeln. Alle hatten sich wieder beruhigt und freuten sich auf ein gemeinsames Ausklingen in einem Appenzeller Restaurant.