In acht Jahren an die nationale Spitze

Der TV St. Peterzell hat innerhalb von acht Jahren eine erfolgreiche Geräteriege aufgebaut. Inzwischen turnen die Neckertaler in einzelnen Klassen an der nationalen Spitze herum. Auch die sozialen Kontakte werden im Verein als sehr wichtig bewertet und regelmässig gepflegt.

Urs Huwyler
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Die Geräteriege des TV St. Peterzell steht dank konsequentem Aufbau am Anfang eines möglichen nationalen Höhenflugs. (Bild: Urs Huwyler)

Die Geräteriege des TV St. Peterzell steht dank konsequentem Aufbau am Anfang eines möglichen nationalen Höhenflugs. (Bild: Urs Huwyler)

ST. PETERZELL. St. Peterzells TV-Vereinspräsident Michael Züst stand nach dem Training der Geräteriege zufrieden lächelnd in der Halle. «Wir hätten 2006 bei der Gründung nicht gedacht, dass sich Erfolge auf einem solchen Niveau einstellen könnten», tat der polysportive Aktivturner nicht so, als wüssten die Neckertaler schon lange, dass die Dorfjugend nicht nur schnell rennen, hoch springen und die Kugel weit stossen kann, sondern sich auch am Boden, Reck oder Barren wohl fühlt.

Wohl zu fühlen scheinen sich die Kindergärtler ebenso wie die Oberstüfler. Der Betrieb verläuft ruhig, niemand schreit Anweisungen durch die Gegend, alle wissen, was sie zu tun haben, packen an. Wer nicht irgendwo an den Seilen hängt, den Handstand übt oder Hilfe steht, unterhält sich bestimmt nicht nur über einen Salto vorwärts. Plötzlich tänzeln drei Girls synchron im Discoschritt hinter den Ringen durch und beim Magnesiumdepot.

Barrenturner Müller

Es wird oft gelacht, obwohl das Geräteturnen als leistungsorientierte Sportart betrieben wird. «Wir haben einige Talente in unseren Reihen», weiss der 31jährige Riegenleiter Peter Müller. Sein Werdegang passt zum TV St. Peterzell. Er ist Sohn eines Gründungsmitgliedes, ab der 3. Klasse turnte Klein-Peter in der Jugi. Als begeisterter Weitspringer und Volleyballer turnte er auch gerne am Barren – und gehörte bei der Gründung der Geräteriege zu den Initianten.

Herzblut, Leidenschaft, Einsatz, Wille reichen in einer trainingsintensiven, technischen Disziplin wie Turnen allerdings kaum für Sprünge aus der lokalen Halle an die nationale Spitze. Beim Blick in die Arena wird die Aufteilung klar. Peter Müller und seine Kolleginnen fördern den Nachwuchs, die Turnerinnen und Turner der oberen Leistungsklassen trainieren seit 2011 unter Manuela Brechbühl. «Sie konzentriert sich auf das Training, ich erledige die administrativen und organisatorischen Arbeiten, erstelle die Pläne. Manu ist für uns ein Glücksgriff», betont Peter Müller.

Meister und Medaille

Fast perfekt verlief die Schweizer Meisterschaft in Utzenstorf für die 13jährige Selina Carigiet. 37,20 Punkte brauchte es im «K5» («K7» höchste Kategorie) zu Bronze. 37,10 totalisierte die Mitfavoritin. Rang vier gehört an Titelkämpfen zwar zu den Höchststrafen, doch 48 Stunden später gab die jüngere Carigiet wie ihre zwei Jahre ältere Schwester Ramona (11./36,70) im Training bereits wieder Vollgas und strapazierte das Reck oder die Ringe. Viele Hochs und wenige Tiefs erlebten im Kampf um Podestplätze neben den Schwestern Carigiet die Brüder Landolt. Pascal (Jahrgang 1997) sorgte mit Einzel-Silber («K6») für das herausragende Resultat. Unter den Top 8 gab es keinen jüngeren Turner. Bronze sicherte sich Mario Baumann (1995) von Salto Wattwil. Er hätte sich eine Spezialauszeichnung verdient: Seine Noten lagen an allen Geräten zwischen 9,20 und 9,30.

Konstanter als der Wattwiler war keiner. Auch nicht bei den «K-Fünfern» der zehntklassierte – und wie Pascal ebenfalls stärkste St. Galler – Marco Landolt (2000). Im Ringen um eine noch bessere Plazierung schwächelte er wie auch sein Bruder an den Ringen. Zusammen mit Mario Baumanns Vereinskollege Elia Fluri («K7»/19.) wurde es mit St. Gallen 2 der Sieg bei den B-Teams.

Wer statt Geräte- lieber olympisch Kunstturnen möchte, muss sich spätestens mit sieben, acht Jahren aus dem Verein verabschieden und sich einer regionalen Fördergruppe anschliessen. Talente gäbe es hinter der Wasserfluh einige. Doch die sozialen Kontakte im Dorf und Verein, der Sport vor Ort, der gesundheitliche Aspekt, die kurzen Wege werden nicht nur in St. Peterzell höher bewertet als täglich mehrere Stunden Hallentraining in einem Zentrum und eine mögliche (internationale) Karriere. Auf, aber ohne hörbares Kommando die Abräumaktion. Selbst jetzt ist nur Lachen und Musik zu hören. Zum Schluss wird lachend abgeklatscht. Auch sonst haben sich die Aufsteiger in der Szene Applaus verdient. Michael Züst ist überzeugt, dass der Höhenflug weitergehen könnte. «Wenn ich manchmal in den Protokollen lese, was die Leiter alles vorhaben und unternehmen, wird es mir fast schwindlig», fügt er immer noch zufrieden lachend an.

Resultate: Fünfkampf. Männer. K6: 1. Patrick Mumenthaler (Thun) 47.30. 2. Pascal Landolt (St. Peterzell) 46.50. 3. Mario Baumann (Salto Wattwil) 46.25. K5: 1. Lorenz Hirt (Lyss) 46.50. – 10. Marco Landolt (St. Peterzell) 44.90. Vierkampf. Frauen: 1. Manuela Crameri (Aarau) 38.00. 2. Marlyse Moret (Bulle) 37.90. 3. Nicole Mattli (Grüningen) 37.70. 4. Vera Eigenmann (Bazenheid/Lütisburg) 37.65. K5: 1. Manon Reinhardt (Glovelier) 37.65. 2. Lola Damon (Glovelier) 37.50. 3. Anna Frick (Neukirch a. d. Thur) 37.20. 4. Selina Carigiet (St. Peterzell) 37.10. – 11. Ramona Carigiet (St. Peterzell) 36.70. Einzel. Boden: 1. Justin Delay (Yverdon) 9.84. – 11. Elia Fluri (Salto Wattwil) 9.55. Sie+Er: 1. Nicole Mattli/Dominik Dobmann (Grüningen) 29.05. 2. Vera Eigenmann (Bazenheid/Lütisburg)/Gabriel Sutter (Wil) 28.88. – 6. Felizia Küng/Mirco Scherrer (Salto Wattwil) 28.13. Mannschaft. Kat. B: 1. St. Gallen 2 (Marco Landolt/St. Peterzell, Pascal Landolt/St. Peterzell, Mario Baumann/Salto Wattwil, Elia Fluri/Salto Wattwil, Dominik Nadig/Gams) 186.10. 2. Bern 2 185.90. Kat. A: 1. Bern 1 190.25. – 7. St. Gallen 1 (Marcel Manser/Bazenheid/Lütisburg, Mirco Scherrer/Salto Wattwil) 180.15.