«In 40 Jahren fahren alle elektrisch»

Der Verein Energietal Toggenburg informierte über Trends in der Stromspeicherung und über Elektrofahrzeuge. Ein Referent sagte, nach einem Jahr mit einem solchen wolle er kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr.

Martin Knoepfel
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Referenten am Anlass zur Elektromobilität: Michael Scheuer, Georges Schaer und Axel Krause (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

Referenten am Anlass zur Elektromobilität: Michael Scheuer, Georges Schaer und Axel Krause (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

NEU ST. JOHANN. Er sei überzeugt, dass die dezentrale Energieproduktion Zukunft habe. Das biete ländlichen Regionen Chancen, sagte Thomas Grob, Präsident des Vereins Energietal Toggenburg. Der Verein will unter anderem die Beratung in den Bereichen Elektromobilität und solare Warmwasserproduktion verstärken. In diesen beiden Feldern schreite die Entwicklung rasch voran, sagte Thomas Grob. Am Mittwochabend informierte der Verein über aktuelle Entwicklungen. Rund 40 Personen kamen in den «Ochsen» Sidwald.

Künftig sei geplant, die solare Warmwasserproduktion stärker zu fördern. Die kostendeckende Einspeisevergütung sei jetzt blockiert. Dagegen seien Einmalbeiträge für kleine Photovoltaikanlagen möglich, sagte Thomas Grob.

200 bis 300 Kilometer

Der Physiker Axel Krause ist ein ehemaliger Sieger der Tour de Sol. Er vertrat die Brusa Elektronik aus Sennwald, die Elektronik-Komponenten für Elektrofahrzeuge entwickelt und fertigt. Er geht davon aus, dass sich der Energiebedarf der Autos in den nächsten Jahrzehnten nicht stark verändert. Mehr Reichweite erfordere leistungsfähigere Batterien. In den letzten 25 Jahren hätten diese eine enorme Entwicklung durchgemacht. Als Faustregel könne man heute pro Kilogramm Batteriegewicht einen Kilometer weit fahren, sagte Axel Krause. Heute seien Reichweiten von 200 bis 300 Kilometern möglich. Die Entwicklung sei noch nicht am Ende. Axel Krause glaubt, dass man auf absehbare Zeit mindestens zehn Minuten brauchen wird, um die Batterie für eine Fahrt von 200 Kilometern aufzuladen. Die Steckdose beschränkt dabei die Ladeleistung der Batterie. Höhere Ladeleistungen erfordern höhere Spannungen oder Stromstärken, wobei die Batterien offenbar schneller altern, wenn sie mit hohen Strömen aufgeladen werden. Zum Vergleich: An der Tankstelle könne man pro Sekunde Benzin für acht Kilometer Fahrt einfüllen, sagte Axel Krause.

Bisher werden Elektroautos durch Kabel aufgeladen. Systeme für das induktive Laden der Batterie mit magnetischen Energietransfer seien interessant, da sie komfortabler seien, sagte Axel Krause. Sie könnten in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen, zuerst für Fahrzeuge der Oberklasse. Sie seien aber weniger effizient als Kabel. Wenn alle Autos in der Schweiz elektrisch führen, stiege der Stromverbrauch nur um 19 Prozent, rechnete Axel Krause vor. Er ist überzeugt, dass man mit Investitionen von 20 Milliarden Franken, die sich in zehn Jahren durch tiefere Ölimporte amortisieren würden, den ganzen Mehrbedarf an Strom mit Photovoltaikanlagen auf Gebäuden decken kann. Axel Krause glaubt, dass in 40 Jahren auf Schweizer Strassen nur noch Elektroautos fahren.

«Ein vollwertiges Auto»

Rund 450 Franken. Das hat Michael Scheurer in diesem Jahr für den Strom seines Autos ausgegeben. Ein Auto mit Verbrennungsmotor hätte für 1125 Franken Benzin geschluckt, sagte er. Er sprach über die Erfahrungen mit seinem elektrischen Renault Zoë. Er fährt diesen seit einem Jahr und möchte kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr. Der Zoë sei ein vollwertiges Auto, sagte er. Für Elektroautos gibt es zudem Rabatte bei der Strassenverkehrsabgabe. Dafür zahlt man bei Renault Batteriemiete.

Der Elektromotor biete das Drehmoment über den ganzen Drehzahlbereich an. Die Unterhaltskosten seien nicht höher als bei Autos mit Verbrennungsmotor, sagte Michael Scheurer. Ein Zuhörer ist überzeugt, dass sie tiefer sind, da Elektroautos kein Getriebe haben und die Bremsen weniger beanspruchten.

Elektroautos seien mit Ausnahme des Tesla S nicht für lange Strecken konzipiert, sagte Michael Scheurer. Die Reichweite des Zoë liege effektiv im Sommer bei 150 bis 160 Kilometern. Im Winter seien es noch 110 bis 120 Kilometer. Das gilt ohne Autobahnfahrten, wo Luftwiderstand und Energieverbrauch höher sind. Die meisten Schweizer führen maximal 30 Kilometer im Tag, sagte Michael Scheurer. Sie könnten die Batterie über Nacht problemlos aufladen. Längere Fahrten müsse man planen.

Nach 15 Jahren amortisiert

Georges Schaer ist Mitbesitzer der gleichnamigen Energieberatung in Trogen. Am Beispiel einer Photovoltaikanlage von 30 Quadratmetern Fläche und fünf Kilowatt Leistung rechnete er vor, dass sich die Investition in rund 15 Jahren amortisieren dürfte. Die Lebensdauer der Anlage betrage rund 30 Jahre. Ein Stromspeicher mit Varta-Elementen habe eine Lebensdauer von rund 20 Jahren, sagte Georges Schaer.

Weiter wies er auf einige Punkte hin, die man beim Kauf von Solarstromspeichern für Einfamilienhäuser beachten sollte. So müsse der Speicher dreiphasig und für die Schweiz zugelassen sein. Georges Schaer rät, Produkte bekannter Hersteller zu wählen, da viele kleine und mittelständische Produzenten verschwinden würden. Die Garantie für die Batteriezellen sollte zehn Jahre oder länger dauern.