In 100 Tagen wird Wattwil Jodlerdorf

WATTWIL. Nach 64 Jahren kommt das Nordostschweizer Jodlerfest wieder ins Toggenburg. Nach 1949 in Ebnat-Kappel nun vom 5. bis 7. Juli 2013 in Wattwil. Die Organisatoren erwarten einen Rekordaufmarsch: Fast 4000 aktive Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser und rund 40'000 Zuschauer.

Hansruedi Kugler
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Gesamtchor mit OK: Jodlerklub Wattwil und Jodelchörli Alperösli sowie von links Toni Stadelmann (Marketing), Max Lüthi (Gastronomie), Köbi Durscher (Infrastruktur), Alois Gunzenreiner (OK-Präsident), Hans Rohner (Programm), Emil Germann (Vorträge), Konrad Dobler (Logistik), Urban Koller (Finanzen), Jörg Burkhalter (Vertreter Nordostschweizer Jodlerverband). (Bild: Hansruedi Kugler)

Gesamtchor mit OK: Jodlerklub Wattwil und Jodelchörli Alperösli sowie von links Toni Stadelmann (Marketing), Max Lüthi (Gastronomie), Köbi Durscher (Infrastruktur), Alois Gunzenreiner (OK-Präsident), Hans Rohner (Programm), Emil Germann (Vorträge), Konrad Dobler (Logistik), Urban Koller (Finanzen), Jörg Burkhalter (Vertreter Nordostschweizer Jodlerverband). (Bild: Hansruedi Kugler)

Hundert Tage bis zum Grossanlass sind für die Organisatoren Grund genug, den Zwischenstand bei den Vorbereitungen zu präsentieren. Und die Zuversicht scheint begründet: Bereits haben sich 3858 Aktive angemeldet (deutlich mehr als beim letzten Fest in Schaffhausen), die Vortragslokale in den beiden Kirchen, dem Thurpark und der Rietstein-Turnhalle bieten genügend Platz für die Jodler-Fans, 36 Festwirtschaften (von Vereinen aus dem ganzen Toggenburg geführt) werden im Dorfzentrum verteilt Hunger und Durst der geschätzten 40 000 Jodlerfest-Besucher stillen – und all dies 50 Stunden nonstop – inklusive zwei Freinächten. Denn an den grossen Jodlerfesten schlafen die wenigsten Jodler.

Im Herzen des Verbandsgebiets

Im Toggenburg wird das Brauchtum noch gelebt, jedes Dorf hat mindestens einen Jodelchor und mit Klangwelt Toggenburg hat die Tradition auch einen weitherum beachteten «Leuchtturm» bekommen. «Gnüss d'Heimat» lautet logischerweise das Festmotto. Auch wenn er selbst nicht zu den aktiven Jodlern gehört, konnte OK-Präsident Alois Gunzenreiner (im Hauptamt Wattwiler Gemeindepräsident) selbstbewusst an der Pressekonferenz verkünden: «Hier ist der Klang und das Jodeln Zuhause.» Dass die Jodel-Hochburg Toggenburg nun das Nordostschweizer Jodlerfest durchführen kann, liegt aber nicht nur an der gelebten Tradition. Es brauchte die beiden Wattwiler Jodelchöre, den Jodlerklub Wattwil und das Jodelchörli Alperösli, die 2009 zusammen den Anstoss gegeben haben für die Bewerbung. 2010 bekamen sie vom Verband die Zusage. Für das Toggenburg spricht aber auch: Wattwil liegt geographisch im Herzen des Verbandsgebiets. Dieses umfasst die Kantone Schaffhausen, Zürich, Thurgau, St. Gallen, beide Appenzell, Graubünden und Glarus sowie das Fürstentum Liechtenstein. Möglichst viele Festbesucher sollen denn auch mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Für die Aktiven ist das Zugbillett in der Festkarte bereits inbegriffen.

Spitzenjodler kommen alle

Da das Nordostschweizer Jodlerfest 2013 in Wattwil das letzte Verbandsfest vor dem Eidgenössischen 2014 sein wird, werden nicht nur alle Spitzenchöre, Einzeljodler und Jodelduette aus dem Nordostschweizer Jodlerverband auftreten. Auch viele Solisten, Duette und Gruppierungen aus den anderen Verbandsgebieten werden zu hören sein. Denn wer am Eidgenössischen Jodlerfest (das nächste findet vom 3. bis 6. Juli 2013 in Davos statt) mittun will, braucht vorher ein «Gut» oder «Sehr gut» aus einem regionalen Verbandsfest. Eine eigentliche Rangierung gibt es an den Jodlerfesten nicht, ein Siegerpodest findet man nicht. Eine detaillierte Bewertung der Vorträge wird den Dirigenten jedoch jeweils von der dreiköpfigen Jury ausgehändigt.

Ein paar Helfer braucht's noch

Mit einem Budget von 1,5 Millionen Franken und 40 000 Besuchern gehört das Nordostschweizer Jodlerfest sicher zu den grössten Anlässen, die je im Toggenburg stattgefunden haben. Die Vorbereitungen erfordern denn auch eine langfristige Planung. «Die Grobplanung ist gemacht», fasst Toni Stadelmann, der für das Marketing verantwortlich ist, zusammen. Die wichtigsten Zwischenerfolge: Die Anmeldungen liegen über den Erwartungen, Vereine aus dem ganzen Toggenburg betreiben in genügender Anzahl Festwirtschaften im Jodlerdorf (die Infrastruktur vom Zelt bis zum Kühlschrank stellt das OK zur Verfügung, mit tatkräftiger Hilfe von rund 60 Zivilschützern). Die 700köpfige Helferschar ist jedoch noch nicht komplett (auf der Homepage www.wattwil2013.ch kann man sich noch einschreiben).

Karin Keller-Sutter hält Festrede

Das Rahmenprogramm hingegen steht schon weitgehend. Das Fest wird mit der Fahnenübergabe beginnen. Die Verbandsfahne wird am Freitag, 5. Juli, aus Schaffhausen nach Wattwil gebracht, feierlich übergeben und danach für drei Jahre im Thurpark in einer Vitrine ausgestellt, bevor sie 2016 nach Gossau zum nächsten Jodlerfest weitergereicht wird. Standesgemäss konnte das Wattwiler Jodlerfest Ständerätin Karin Keller-Sutter als Festrednerin engagieren. Einen besonderen Leckerbissen für alle Laien-Jodler gibt es am Samstag kurz vor Mitternacht. Vor der Raiffeisenbank wird der Naturjodel «De Wildhuser» angestimmt – und jeder darf mittun. «Gnüss d'Heimat» so lautet das Motto des Festes und so soll auch der Festumzug am Sonntag aussehen: Nämlich als Brauchtums-Parade aus den Regionen des Verbandsgebiets.

www.wattwil2013.ch

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