IMMOBILIENPREISE IM TOGGENBURG: Einfamilienhauspreise ziehen an

Entgegen dem kantonsweiten Trend steigt im Toggenburg die Neubauquote für Einfamilienhäuser noch immer. Tiefe Bodenpreise machen hier das eigene Haus attraktiver als die Eigentumswohnung.

Serge Hediger
Drucken
Teilen
In den Gemeinden Lütisburg und Kirchberg wird als einzige Region im Kanton St. Gallen aktuell mehr in das Segment des Stockwerkeigentums investiert als in den Mietwohnungsbau. (Symbolbild/KEY)

In den Gemeinden Lütisburg und Kirchberg wird als einzige Region im Kanton St. Gallen aktuell mehr in das Segment des Stockwerkeigentums investiert als in den Mietwohnungsbau. (Symbolbild/KEY)

Ob einfacher oder gehobener Standard – wenn der Toggenburger sich für Wohneigentum entscheidet, so zieht er aktuell ein Einfamilienhaus einer Eigentumswohnung vor. Dies geht aus dem jüngsten Immobilienmarktbericht der St. Galler Kantonalbank (SGKB) für das Winter­semester 2016/2017 hervor: ­«Während sich der Bau von Einfamilienhäusern fast überall im Kanton St. Gallen in den letzten Jahren rückläufig entwickelte, ist die Neubauquote im Toggenburg leicht gestiegen», ziehen die Immobilienexperten der SGKB Bilanz. «Der Grund dafür war die bis anhin bessere Verfügbarkeit von erschwinglichem Bauland.»

Tiefe Landpreise machen Häuser attraktiver

Tatsächlich ist im Thur- und Neckertal voll erschlossenes Wohnbauland bei Quadratmeterpreisen, die sich typischerweise zwischen 200 und 400 Franken bewegen, deutlich günstiger zu erwerben als im restlichen Kanton. Allerdings: Mit der anstehenden Richtplananpassung wird das Angebot an Bauland auch im Toggenburg knapper werden. Von den zwölf Gemeinden des Wahlkreises stehen allein Bütschwil-Ganterschwil, Lütisburg und Kirchberg nicht in der Pflicht, aufgrund ihrer zu grossen Baulandreserven einen Auszonungsprozess einzuleiten. «Da mit einer anhaltenden Nachfrage nach Einfamilienhäusern zu rechnen ist, sind auch künftig gewisse Preisauftriebe möglich», folgert der Immobilienmarktbericht. Seit Messbeginn 2007 haben im Thur- und Neckertal die Preise für Einfamilienhäuser um weit über 40 Prozent für einfache oder deutlich über 20 Prozent für gehobene Bauten zugelegt. Mit einem Anteil von rund 40 Prozent am Gesamtwohnungsbestand ist dieses Immobiliensegment hier traditionell stark.

Ganz anders das Bild bei den Eigentumswohnungen: «Bezogen auf die Zahl der Handänderungen, die im Stockwerkeigentum pro Jahr getätigt werden, bildet die Region Toggenburg das Schlusslicht des Kantons», heisst es im Marktbericht. Warum aber investieren die Toggenburger lieber ins Einfamilienhaus als in die Eigentumswohnung? Dafür machen die SGKB-Experten ebenfalls die tiefen Landpreise verantwortlich, die eigenen Boden attraktiver machen.

Wenngleich die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwei Semestern um rund 20 Prozent bei den Bauten gehobenen Standards gesunken sind, sind sie beim Stockwerkeigentum im einfachen Standard nahezu stabil geblieben – und liegen mit mehr als 40 Prozent Preiswachstum weit über dem Index von 2007. «Nichtsdestotrotz haben die Projektentwickler das Toggenburg wieder stärker im Visier», heisst es im Immobilienreport.

Über eine Million Franken für ein Einfamilienhaus

Wohneigentum in den Gemeinden Lütisburg und Kirchberg wird von den Immobilienexperten zum Standort Wil gerechnet. Sie haben hier «die einzige Region innerhalb des Kantons St. Gallen», ausgemacht, «in der aktuell mehr in das Segment des Stockwerkeigentums investiert wird als in den Mietwohnungsbau». Allein im ersten Quartal 2017 hätten hier 380 Eigentumswohnungen auf den Baustart gewartet, womit das projektierte Neubauvolumen seit der Jahrtausendwende einen Höchststand erreicht hat.

Ebenso gesucht sind in der Region Wil die Einfamilienhäuser, deren Verkaufspreis sich im regionalen Mittel bei knapp über einer Million Franken für ein übliches Objekt eingespielt hat. Die Experten: «Ähnlich wie bei den Eigentumswohnungen wenden sich viele Einfamilienhaus-Interessierte kleineren Objekten mit einfachem Ausbaustandard zu, deren Preise stiegen binnen Jahresfrist um sechs Prozent an».

Luxuriöses indessen lässt sich auch hier nicht mehr so gut verkaufen.