Immer noch nicht blond, aber zurück

Reunion nach 20 Jahren: Am 24. November tritt die ehemalige Ebnat-Kappler Band Never Blond wieder gemeinsam auf. Im Kraftwerk Krummenau geben Mauro Barbi, Michael Gassler, Sandro Cimino und Rolf Schällebaum ihr erstes Konzert. Nicht mehr dabei ist Gérald Engler.

Barbara Anderegg
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EBNAT-KAPPEL/JONA. Ein verregneter, kalter Samstagnachmittag im November. Aus einem Raum im Untergeschoss einer Joner Industrieliegenschaft ertönt Musik – dann plötzlich bricht sie abrupt ab. «Tönt das gut?» will der Schlagzeuger wissen. Seine drei Bandkollegen nicken und greifen wieder zu Instrumenten und Mikrophon. Weiter geht's. Schlagzeuger Sandro Cimino, Sänger und Gitarrist Michael (Giubi) Gassler, Gitarrist Mauro Barbi und Bassist Rolf Schällebaum üben für ihre Rückkehr auf die Bühne, das Comeback von «Never Blond». Zeit bleibt nicht mehr viel: Am 24. November stehen die vier seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Bühne – auf der Kraftwerkbühne.

Eine eigene CD

Dennoch nutzen sie zwischendurch die Gelegenheit, um in Gedanken in die Vergangenheit abzuschweifen und in Erinnerungen zu schwelgen. Rasch sind alle vier – inzwischen um die 50 Jahre alt – am selben Punkt angelangt: Februar 1992: Plattentaufe in der alten Weberei Ebnat-Kappel. «Wow, das war super. Der Laden war pumpenvoll», erinnert sich Sandro Cimino mit verträumtem Blick. «War schon super, so eine eigene CD zu haben. Damals konnte man sich damit noch abheben. Und sie wurde sogar im Handel vertrieben, das war schon ein besonderes Gefühl», sagt Rolf Schällebaum. Drei Wochen waren sie im Winter 1991 für die Aufnahmen im Studio, damals mit Gérald Engler noch zu fünft. «Während dieser Zeit wohnten wir in einem alten Bauernhaus im Appenzellerland, damit wir möglichst immer zusammen sind», erzählt Giubi Gassler. «Das waren lange Tage», wirft Mauro Barbi lachend ein. Die Kosten beliefen sich auf rund 49 000 Franken. Vater Gassler hat die Produktion mit einem finanziellen Zustupf unterstützt. Den Rest teilten die fünf Musiker untereinander unter sich auf. 800 CDs wurden produziert. «Viele davon haben wir schon an der Plattentaufe verkauft», sagt der Gitarrist. Und so wurde nachproduziert.

Von den Onions zu Jeanne Dark

Die eigene CD und die erfolgreiche Plattentaufe waren eindeutig die Höhepunkte in der Geschichte der Ebnat-Kappler Band. Bis dorthin war es jedoch ein langer Weg, den zu rekonstruieren den heutigen Bandmitgliedern nicht mehr ganz leicht fällt. Die Anfänge von Never Blond gehen in die 1970er Jahre zurück. «Es war noch während der Schulzeit in Ebnat-Kappel. Wir waren ein paar Jungs, die gemeinsam Fussball gespielt haben. Irgendwann wollten wir einfach eine Band gründen», erinnert sich Giubi Gassler. Gesagt, getan. Mit dabei waren damals neben Rolf Schällebaum, Giubi Gassler und Sandro Cimino auch Alex Tobler, Gianni Rago, Stefan Hofer und zeitweise auch Bruno Frey. «Mein Vater hatte noch ein Schlagzeug rumstehen, also wurde ich der Schlagzeuger, obwohl ich keine Ahnung davon hatte», erinnert sich Sandro Cimino lachend. Die anderen spielten alle akustische Gitarre. Genannt haben sie sich «Onions», geprobt wurde in einem Raum in der Belcolor AG, wo Giubi Gasslers Vater ihnen einen Raum zur Verfügung stellte. Aber nur proben war nicht im Sinne der jugendlichen Band. Auftreten wollten sie. Dafür haben sie die Ebnat-Kappler Rocknacht ins Leben gerufen und auch am Grümpi konnten sie auftreten. «Irgendwann haben wir uns in Jeanne Dark umbenannt. Das fanden wir sehr originell», erzählt Michael Gassler schmunzelnd.

Mit der Zeit allerdings habe man sich immer weniger zum Proben, sondern vielmehr zum «Käfele» getroffen. Während die Ur-Band zerfiel, gründeten Rolf Schällebaum und Sandro Cimino mit Mauro Barbi und Claudius Neher eine weitere Band – Never Blond.

Reich und berühmt werden

«Wir haben damit angefangen, Police zu covern», so Mauro Barbi. Bald schon kamen eigene Songs und das erste Demotape. «Reich und berühmt werden, wollten wir», so der Schlagzeuger. Schon bald kam es zu ersten Auftritten. Das grösste Publikum hatten die jungen Musiker am Pfadi Folk Fest in St. Gallen. «Das waren 6600 Zuschauer. Wir haben uns fast in die Hosen gemacht», blickt Sandro Cimino zurück.

Nach einiger Zeit hat Claudius Neher die Band verlassen. Die übrigen aber blieben nicht lange zu dritt. Gérald Engler stiess als Gitarrist zu Never Blond. Der alte Bandkollege Giubi Gassler wurde als Sänger angefragt. «Danach gaben wir richtig Gas», erinnert sich Rolf Schällebaum. Never Blond stellte ein Programm zusammen, mit fast ausschliesslich eigenen Songs. Es folgten diverse Konzerte unter anderem in Zusammenhang mit dem Projekt Togg'n'Roll. «Dabei konnte man uns zusammen mit Gnom, einer anderen Toggenburger Band, im Doppelpack buchen. Das Projekt wurde sogar von Migros Kulturprozent unterstützt», erläutert Giubi Gassler. Konzerte in der ganzen Schweiz folgten – nicht immer in gefüllten Sälen. «Manchmal waren es lediglich zehn Zuschauer, wobei auch das ganz cool sein konnte», sagt Rolf Schällebaum. Nach der Plattentaufe ging es dann erst richtig los. Gianni Rago stieg wieder bei der Band ein, als Promoter. «Und nun folgten die richtig tollen Konzerte», so Mauro Barbi. So zum Beispiel spielten sie auf dem Barfüsserplatz in Basel als Vorband von «Trashcats». Beim OFFA-Wettbewerb landete Never Blond auf Platz zwei. «Das war ein Frust. Der Sieg hätte uns einen Auftritt am grossen St. Galler Open Air verschafft. Und das war schon ein Traum gewesen», sagt Sandro Cimino.

Das Ende folgt

Konzert folgte auf Konzert, fast jedes Wochenende waren sie unterwegs und investierten immer mehr Zeit in die Musik. Geprobt wurde mindestens dreimal die Woche. Bis in den Sommer 1992 sei es eine sehr intensive Zeit gewesen. Aber dann ging Gérald Engler nach Wien. Sie hätten zwar versucht Ersatz zu finden, aber das sei nicht gelungen. «Am schlimmsten war, dass uns dann ein Label kontaktierte mit dem Angebot, uns eine CD zu finanzieren», erinnert sich Sandro Cimino. «Das wollten wir unbedingt. Aber Géri wollte nicht zurückkommen und ohne ihn ging es nicht. Wir fünf hatten einfach zusammen gepasst», sagt Giubi Gassler. Und so fiel Never Blond auseinander und trotz einigen Versuchen von Mauro Barbi, die Truppe wieder zusammen zu bekommen, wurde nichts mehr aus gemeinsamen Auftritten – bis jetzt.

Seit Mai 2011 proben sie wieder – alle ausser Gérald Engler, der inzwischen in Deutschland lebt. «Jetzt passt es irgendwie», sagt Mauro Barbi. «Wir sind älter geworden, wir mussten uns wieder finden», ergänzt Giubi Gassler. Aber sie seien jetzt viel lockerer, müssten sie auch, denn lange hätten sie nicht mehr so viel Zeit zum Üben wie damals in der Jugend. Nicht nur alte Songs werden wieder einstudiert, auch ganz neue Lieder sind inzwischen dazugekommen. Und die werden Never Blond Ende November zum Besten geben. Für ihre Rückkehr haben sie ein Konzert im Kraftwerk Krummenau organisiert. «Das wird sicher wie ein riesiges Klassentreffen», freuen sie sich.

Nervosität garantiert

Auch darum werde die Nervosität sicher gross sein, denn im Publikum gebe es sicher gewisse Erwartungen an die Band aus der eigenen Jugend, sind sie sich bewusst. «Ich bin aber auch gespannt, ob die Leute eine Entwicklung feststellen,» sagt Giubi Gassler. «Auch die Erwartungen an uns selbst sind hoch. Wir wollen uns ja nicht blamieren», sagt Sandro Cimino. Und so wird dann auch der Rückblick in die guten alten Zeiten beendet, es gilt wieder zu üben. Ob weitere Auftritte folgen? «Das hängt wohl davon ab, wie das erste Konzert verläuft», sind sie sich einig.

24. November, Kraftwerk Krummenau, Never Blond Anschliessend legen die PhunkFaders DJs (DJ Mischmaan alias Raphael Otto und DJ Buschmeister alias Hans Hofer) auf.

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