Immer extremer

So extrem war es noch nie – nein, ich meine jetzt nicht das Wetter; ich meine die Wetterprognosen! Was wir da nicht alles von den Fachleuten der Meteorologie in ihren originellen Dialekten vorgesagt bekommen: Da ist die Rede von «Wulchä» und von

Koni Bruderer
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Bild: Koni Bruderer

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So extrem war es noch nie – nein, ich meine jetzt nicht das Wetter; ich meine die Wetterprognosen!

Was wir da nicht alles von den Fachleuten der Meteorologie in ihren originellen Dialekten vorgesagt bekommen: Da ist die Rede von «Wulchä» und von «Hoachnäabel», vom «Boadäsea» und von anderen Gegenden der Ostschweiz, die selbst ein Kenner der Region oft nicht zweifelsfrei zu identifizieren vermag. Da werden Niederschlagswahrscheinlichkeiten und Temperaturhöchstwerte prognostiziert. Da wird uns Sonne oder Regen, Hagel oder Schnee versprochen.

Und beim Aufstehen am nächsten Morgen reibt man sich verwundert die Augen: Weil es regnet, obwohl die Vorhersage doch von Sonnenschein sprach. Oder weil es keinen Schnee hat, obwohl man doch deutlich über der Untergrenze wohnt.

Das liebe Wetter scheint sich wenig um die Prognosen zu kümmern, die über es gemacht werden. Was aber macht ein dermassen ge- und ent-täuschter Wetterprognosenhörer? Er konsultiert die Wetter-App auf seinem Handy. Und tatsächlich: Hier sieht es doch schon ganz anders aus. Wenn auch noch immer nicht so, wie das real existierende Wetter draussen vor dem Haus.

Neulich habe ich erfahren, dass man Wetterprognosen für bestimmte Zwecke auch kaufen kann: Flugwetter, Kletterwetter, Skiwetter… Ich überlege mir, ob ich einmal ein paar Franken für trockene Strassen zum Velofahren investieren soll. Oder ob es nicht doch gescheiter ist, sich bloss noch an altbewährte Regeln wie diese da zu halten: «Kräht der Güggel auf dem Mist – ändert das Wetter, oder es bleibt wie es ist.» Oder diese: «Hat der Säntis einen Hut, wird das Wetter gut.» Die wären wohl kaum weniger zuverlässig als die medialen High-Tech-Prognosen.

Und erst noch gratis.