Im Winter eine Herausforderung

WILDHAUS. Was mit einer Stellvertretung begann, wurde für Elisabeth Alpiger zu einer 44 Jahre dauernden Beschäftigung. In dieser Zeit war sie bei den Wildhauser Braunviehzüchtern regelmässig als Milchwägerin in Einsatz.

Adi Lippuner
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Elisabeth Alpiger wird von Peter Huser nach 44 Jahren als Milchwägerin verabschiedet. (Bild: Adi Lippuner)

Elisabeth Alpiger wird von Peter Huser nach 44 Jahren als Milchwägerin verabschiedet. (Bild: Adi Lippuner)

WILDHAUS. Vor 44 Jahren absolvierte Ruedi Frei, auch bekannt als «Chnüttler», seine Rekrutenschule und deshalb brauchte die Braunviehzuchtgenossenschaft Wildhaus-Lisighaus eine Stellvertretung fürs Milchwägen. Bruno Alpiger war damals Zuchtbuchführer und bat seine Frau Elisabeth, diese Aufgabe zu übernehmen.

«Wir hatten fünf Kinder im Alter zwischen vier und elf Jahren, also brauchte es etwas Organisation, damit ich diese Arbeit ausführen konnte», erzählt Elisabeth Alpiger. Die Älteste habe für ihre Geschwister das Frühstück zubereitet, und der Jüngste habe dann einfach gespielt und gewartet, bis sie vom Einsatz zurück kam.

Und wie es so mit Stellvertretungen geht, nach der Rückkehr von Ruedi Frei aus der Rekrutenschule wurde ihr die Aufgabe fix übertragen. «Vor allem im Winter und bei Bauern, die sehr früh melken wollten oder mussten, war das eine grosse Herausforderung.»

Bewegte Zeit

Sie erinnert sich an einen Einsatz «Schattenhalb» in der Grossrüti. «Der aus Grabs stammende Bauer hat immer um vier Uhr in der Früh gemolken und das bedeutete für mich, mich kurz nach halb vier auf den Weg zu machen.»

Bis der Bauer jeweils die nächste Kuh gemolken hatte, sei sie auf einem extra bereit gestellten Hocker gesessen. «Es sei um jede Minute, in der man ausruhen könne, schade, wenn man sich nicht hinsetze, hat er immer gesagt.» Bei der offiziellen Verabschiedung durch den Präsidenten des Braunviehzuchtvereins Wildhaus, Peter Huser, wurde gemeinsam auf die bewegten vier Jahrzehnte der Milchwägerin zurückgeschaut. «Wenn seinerzeit eine Kuh pro Melken zehn Liter Milch gab, war das schon eine gute, ja eigentlich eine rare Kuh», so Elisabeth Alpiger. Und heute sei es üblich, dass pro Kuh 15 bis 20 Liter gemolken werden können, was einer Tagesmilch zwischen 30 und 40 Liter entspreche. Milchwägerin sein bedeutet, im Auftrag des Schweizer Braunviehzuchtverbands einmal monatlich, abwechselnd am Morgen und am Abend, von jeder Kuh die gemolkene Milch zu wägen und dies auf einem Formular, das dann zurück an den Zuchtverband geht, festzuhalten.

«Früher musste bei der monatlichen Runde die Milch jeweils am Morgen und am Abend nacheinander gewogen werden, heute ist dies einfacher», so Peter Huser.

Positive Erinnerungen

Bereits zu Beginn sei sie von den Bauern, damals waren es noch zehn, bis zu ihrer Verabschiedung hatte Elisabeth Alpiger noch deren vier, gut aufgenommen worden. «Es gab nie irgendwelche Vorurteile oder abschätzige Bemerkungen. Ungewohnt war bei einem Bauern, dass ich den Stall nicht betreten durfte. Aber der wollte keine Fremden bei seinen Kühen, und dies galt es zu akzeptieren.»

Oder die Erinnerung an die regelmässigen Einsätze auf der Alp Gamplüt: «Es gab noch keine Strasse, also musste der Weg zu Fuss bewältigt werden. Und der Älpler hat die Kühe nicht von der Weide geholt, sondern einfach gemolken, wenn sie zum Stall kamen.» So habe der Einsatz jeweils den ganzen Vormittag gedauert.

Ein Schmunzeln kommt bei der Erzählung auf, dass bei Paul Götte einmal einiges schief lief. «Ich weiss nicht mehr so genau, wie das war, aber er hat einen Kübel voll Milch ausgeleert.

Und bei der nächsten Kuh riss die Schnur, mit der die Waage befestigt war, und der zweite Kübel voller Milch lag auch auf dem Boden.»

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