Im Vogelparadies

Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau

Paul Egli
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Mitglieder des Naturschutzvereins Ebnat-Kappel und Nesslau besuchten am 4. März den Klingnauer Stausee. Dieser einmalige Naturraum zwischen Döttingen und Koblenz entstand durch das 1935 erbaute Flusskraftwerk. Seither wurden in diesem Wasser- und Zugvogelreservat von internationaler Bedeutung mehr als 300 verschiedene Vogelarten beobachtet, über 60 davon stehen auf der Roten Liste.

Nach einer unterhaltsamen Zugreise machte sich eine vogelbegeisterte Gruppe, geleitet von der Ornithologin Ruth Jenni und dem Ornithologen Hans Dischl, auf den Weg. Mit von der Partie war ebenfalls der Präsident des Kantonalverbandes BirdLife, Jerry M. Holenstein, mit seiner Frau. Die erste Sensation liess nicht lange auf sich warten. Ruth Jenni zeigte auf einen Eisvogel, welcher die Wasseroberfläche mit grosser Geschwindigkeit überflog. Mit Schalk in den Augen berichtete sie, wie er zu diesem schillernden Federkleid kam. Nach einer französischen Sage erhielt der Vogel seine Farbenpracht, weil Noah nicht nur eine Taube, sondern auch den Eisvogel mit dem Auftrag, nach Festland Ausschau zu halten, fliegen liess. Wegen eines heftigen Sturms musste dieser jedoch so hoch fliegen, dass die Sonne unter ihm lag. Dabei nahm die Oberseite die Farbe des blauen Himmels an, die Unterseite färbte sich durch die Glut der Sonne rot. In der Schweiz zählt man rund 350 Brutpaare. Die Vogelart gehört somit zu den gefährdeten Arten. Gesamthaft betrachtete die Gruppe 34 verschiedene Vogelarten und die Spannung liess nie nach, denn auch Hans Dischl nährte die Neugier immer wieder mit sehr inter­essanten Details.

Der Höhepunkt stand jedoch noch bevor. Ganz nah am Ufer sah man einen weissen, reiherartigen Vogel. Ruth Jenni und Hans Dischl waren sich sofort einig. Was man da aus nächster Nähe bestaunen konnte, war ein Seidenreiher. Obschon dieser Schreitvogel in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden ist, bleibt eine Beobachtung ein Glücksfall. Die Feinheiten sei- ner Federn haben übrigens im 19. Jahrhundert beinahe zu seinem Untergang geführt, denn die Schmuckfedern waren bei den Modeschöpfern besonders beliebt. In Europa ist der Seidenreiher vor allem in Südeuropa verbreitet. Leider neigt sich jeder lehrreiche und schöne Ausflug einmal dem Ende zu. Alle waren sich einig, nicht nur die Klangwelt im Toggenburg klingt sehr gut, auch die Vogelwelt am Klingnauer Stausee klingt wunderbar.

Paul Egli