Im Tango in die Zukunft

Teufens Stimmvolk steht vor einer wichtigen Entscheidung: Tunnel oder Doppelspur. Im Haus Unteres Gremm können die beiden Varianten derzeit detailliert betrachtet werden. Vorteile haben beide Varianten – Nachteile auch.

Margrith Widmer
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Doppelspur durch das Dorfzentrum von Teufen – oder doch lieber ein Tunnel? Im «Unteren Gremm» kann sich jedermann darüber informieren. (Bild: Visualisierung/gk)

Doppelspur durch das Dorfzentrum von Teufen – oder doch lieber ein Tunnel? Im «Unteren Gremm» kann sich jedermann darüber informieren. (Bild: Visualisierung/gk)

TEUFEN. Beruhigende Fotos von Bambusblättern rahmen die Visualisierungen der möglichen künftigen Verkehrslenkung in Teufen in der Ausstellung im Haus Unteres Gremm ein: Eine leere Strasse, ein gepflästerter Dorfplatz ohne oder mit zwei Schienenpaaren und einer futuristisch anmutenden roten Strassenbahn – aber auch der bisherige Zustand mit eigenem Trassee: Drei Varianten – eine davon wird Teufens Dorfbild in Zukunft prägen.

Am 18. Januar entscheiden die Teufener Stimmbürger über einen Kredit von 30 Millionen Franken Gemeindebeitrag an die Appenzeller Bahnen (AB) zum Bau eines Tunnels zwischen Stofel und Bahnhof. Das heutige Rollmaterial wird durch die Tango-Stadtbahn-Züge von Stadler Rail ersetzt. Sie kommen auf der neuen Durchmesserlinie Trogen–St. Gallen–Appenzell zum Einsatz.

Varianten und Visionen

Die gravierenden Verkehrsprobleme Teufens mit einer Einspurbahn, die im Dorfzentrum nahe an den Häusern vorbeidonnert, soll entschärft werden. Ziel ist eine lebendige Dorfstrasse, ein eigentliches Dorfzentrum. Im Februar bewilligten die Teufener Stimmbürger einen Projektierungskredit von 360 000 Franken. Danach wurden die Varianten Tunnel und Doppelspur weiter- bearbeitet.

Um die Stimmbürger optimal zu informieren, wird im Haus Unteres Gremm, im Altersheim, eine Ausstellung der möglichen Gestaltungsvorschläge gezeigt. Der Zeitgewinn für die Bahn betrüge im Fall des 826 Meter langen Tunnels zwischen einem tiefergelegten Bahnhof und Stofel 30 bis 40 Sekunden.

Tempo 30 eher unrealistisch

Auf der breiten rollstuhlgängigen Dorfstrasse müssten Hunde an der Leine geführt werden, Velos und Rollerblades hätten freie Fahrt, und für Autos gälte Tempo 30. So weit die Vision. Die Gemeinde hat aber auch Fragen und Antworten aus dem Bahn-Workshop zusammengestellt. Da wird klar: Tempo 30 auf Teufens Dorfstrasse durchzusetzen ist ziemlich unrealistisch: Die Voraussetzungen für eine Ausnahme von Tempo 50 – analog Trogen – sind laut Gemeinde «eher nicht gegeben». Beim markantesten Engpass (bei der Bäckerei Manser) müsste für die Doppelspur auf der gegenüberliegenden Seite ein Vorgarten weichen. Sollte der Bahnhof im Fall des Tunnelbaus tiefergelegt werden, müsste der Katzenbach mit einem «Düker» («Taucher») unterquert werden, sagt Regierungsrat Jakob Brunnschweiler, der zusammen mit Gemeindepräsident Walter Grob im Ausstellungsraum Auskunft erteilt. Beim Tunnelportal im Stofel müssten zwei Häuser abgerissen werden. Mit rund drei Jahren Bauzeit wird bei beiden Varianten gerechnet.

Gebimmel, Blitzer und Barrieren

Der Tenor der Besucherinnen und Besucher der Ausstellung ist uneinheitlich – einige finden: «Der Tunnel ist mit 30 Millionen Gemeindebeitrag viel zu teuer. Das vermögen wir nicht.» Tunnel-Befürworter kontern: «Man muss doch für die nächsten 100 Jahre denken» – wie die Erbauer der Appenzeller Bahnen (damals noch Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen) 1875.

Nicht unrealistisch und «nicht verboten» ist die Beibehaltung des Status quo, der heutigen Einspur mit teilweise eigenem Trassee – allerdings zum Preis «eines Christbaums im Dorf», wie Gemeindepräsident Walter Grob sagt. Gebimmel, Blitzer und Barrieren würden einem Rummelplatz Konkurrenz machen – 12 bis 13 Signale im engeren Dorfkern – dagegen sträubt sich die Gemeinde: «Zu Heimat- und Ortsbildschutz passt das nicht», sagt Walter Grob.

«In Zürich geht's»

«Ich war ursprünglich für den Tunnel – aber jetzt habe ich gesehen, wie es mit den Trams in Zürich auch in engen Strassen funktioniert», sagt eine Besucherin. Der Bund würde 30 Millionen an den Tunnelbau bezahlen, vier Millionen Franken mehr als ursprünglich vorgesehen. Die Teuerung würde der Bund ausgleichen – aber an die Mehrkosten bezahlt er nichts. Kostenüberschreitungen hätten die Gemeinde zu 86 Prozent und der Kanton zu 14 Prozent zu tragen: «Und das bereitet uns Sorgen», sagt Walter Grob. Das – und eine Steuererhöhung um 0,1 Einheiten. Der Gemeinderat hat sich gegen den Tunnel und zugunsten der Doppelspur ausgesprochen.

Am 18. Januar entscheidet das Stimmvolk endgültig – und setzt den rund 60 Jahre dauernden Diskussionen um die Verkehrsführung ein Ende.

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