Im Reich der Wolken und Winde

Jahrelang informierte Ruedi Kleger die Leser dieser Zeitung über das Wetter. Den Übernamen «Wetterfrosch» hat er seit frühester Kindheit. Seine Beobachtungen über den vergangenen April schliessen seine Berichterstattung ab.

Martina Signer
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Jahrzehntelang wandte Ruedi Kleger seinen Blick gegen den Himmel und zeichnete Wetterdaten auf. (Bild: Sabine Schmid)

Jahrzehntelang wandte Ruedi Kleger seinen Blick gegen den Himmel und zeichnete Wetterdaten auf. (Bild: Sabine Schmid)

TOGGENBURG. «Geschrieben worden ist über mich schon mehr als genug», sagt der in Wattwil aufgewachsene Hobbymeteorologe Ruedi Kleger über sich selbst. Nichtsdestotrotz darf sein Ruhestand in Sachen Wetterberichterstattung in dieser Zeitung nicht einfach übergangen werden, hat er doch jahrelang akribisch die Wolken, den Wind, den Stand der Sonne und die Menge des Regens für diese Zeitung beobachtet.

Aufgabe weitergeben

Jeweils Ende Monat fasste er seine Beobachtungen – auch in stürmischen Zeiten – in einem Bericht zusammen und liess die Leserschaft an seinem umfangreichen Wissen teilhaben. Nie hat er in 15 Jahren die Leser im Regen stehen lassen, sondern regelmässig gen Himmel geblickt und Wetterdaten abgerufen, damit sich Interessierte über die Wetterphänomene informieren konnten. Ob mit oder ohne Wetterkapriolen, Ruedi Kleger wusste immer etwas zu schreiben. Mit Mitte 70 hat sich der «Wetterfrosch», wie er schon in der dritten Klasse genannt worden ist, entschlossen, diese Aufgabe nun an einen neuen Hobbymeteorologen weiterzugeben. Es weht hier also bald ein anderer Wind (siehe Kasten).

«Dopplet oder nüt»

Von ihm geschrieben wurde also jeden Monat etwas. Über ihn etwas weniger, jedoch förderte ein Blick in das Archiv dennoch viele Artikel über den «Wetterfrosch» zutage. So ist Ruedi Kleger beispielsweise 1965 sogar im Schweizer Fernsehen aufgetreten. In einer Sendung, die damals jeweils am Samstagabend ganze Familien vor den Fernseher lockte. In «Dopplet oder nüt» befragte ihn Mäni Weber zu seinem Steckenpferd, dem Wetter. In einem Zeitungsbericht aus dieser Zeit ist zu lesen: «Einer der erfolgreichen Kandidaten in der neuen Folge von Hermann Webers munterem Spiel mit einträglichen Hobbies ist Rudolf Kleger, Mechaniker in Lichtensteig. Dank seiner erstaunlichen Kenntnisse in einem für Laien wenig erschlossenen Wissensbereich, der Wetterkunde, stösst er in die dritte Runde vor.» Dies war am Freitag, 19. November 1965, der Fall.

Windrad aus Suppenkellen

Seit frühester Kindheit ist Ruedi Kleger dem Wetter auf der Spur. In der Primarschule, beim Fussballspiel in der Pause, richtete er seinen Blick gen Himmel und sagte voraus, ob er und seine Kameraden im Regen nach Hause gehen oder trockenen Hauptes dort ankommen würden.

Heute sind es keine laienhaften Prognosen mehr, die Ruedi Kleger stellt. Er hat sich sein Wissen akribisch angeeignet. Mit «Pi-mal-Daumen»-Prognosen war es spätestens dann vorbei, als er von seinem Vater das Buch «Im Reiche der Wolken und Winde» geschenkt bekommen hatte. Zu seinem 18. Geburtstag. Noch heute nennt er dieses Buch seine «Bibel». Als er damals mit der Aufzeichnung von Wetterdaten begann, war es eine Art «Gwunder», ob er durchhalten würde, die ihn motivierte. Mit seinem ersten Lohn in der Ausbildung zum Mechaniker kaufte er sich Messgeräte. Davor hat er sich seine Windrädli selber gebastelt und dabei auch gerne einmal bei seiner Mutter in die Besteckschublade gegriffen und eines aus Suppenkellen gebaut.

Komplexe Vorgänge verstehen

Auf dem Dach seines Wohnhauses in Wil hat er eine eigene Wetterstation eingerichtet. Weitere Stationen, die er monatlich aufsucht, befinden sich unter anderem in Nesslau und Krinau. Diese lieferten auch die Zahlen für den allmonatlichen Wetterrückblick.

Begonnen hat er die systematische Erfassung der Wetterdaten mit Hilfe eines Thermo-, Baro- und Hygrometers. Damals notierte er die Daten noch in einem Büchlein. Bald hielt aber die Elektronik Einzug in die Station des «Wetterfrosches». Zum ersten Buch kamen zahlreiche hinzu, mit denen er sich das meteorologische Wissen autodidaktisch beibrachte. Er wollte sich das Wissen nicht nur aneignen, sondern auch die komplexen Vorgänge verstehen, die hinter den Wetterkapriolen stecken. Und mit dem Aprilwetter, das am Dienstag veröffentlicht wurde, hat er sein Wissen nun zum letzten Mal mit der Leserschaft geteilt.

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