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Martin Holderegger, «Schö-Wüeschter»: «Heute wird für den Alten Silvester ein unglaublicher Aufwand betrieben»

Der Alte Silvester ist für viele Ausserrhoder der wichtigste Tag im Jahr. Einer von ihnen ist Martin Holderegger aus Urnäsch. Dieses Jahr ist sein Schuppel mit neu gestalteten Hüten unterwegs.
Karin Erni
Martin Holderegger gibt dem Chlausenhut den letzten Schliff. (Bild: Mareyecke Frehner)Martin Holderegger gibt dem Chlausenhut den letzten Schliff. (Bild: Mareyecke Frehner)
Ein kleiner Teil von Holdereggers Schellensammlung. (Bild: Mareyecke Frehner)Ein kleiner Teil von Holdereggers Schellensammlung. (Bild: Mareyecke Frehner)
Der Miniatur-Schellenschmied bei der Arbeit. (Bild: Mareyecke Frehner)Der Miniatur-Schellenschmied bei der Arbeit. (Bild: Mareyecke Frehner)
Am Anfang jeder Schnitzarbeit steht ein Holzklotz. (Bild: Mareyecke Frehner)Am Anfang jeder Schnitzarbeit steht ein Holzklotz. (Bild: Mareyecke Frehner)
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Im Reich der Schellen und Rollen

Auf dem Küchentisch stehen kleine Holzfigürchen und Ölfarben. Einige der Männchen sind schon fertig bemalt, bei anderen fehlen noch Gesichtszüge und letzte Details. Die handgeschnitzten Figuren stellen Szenen und Gegebenheiten in Appenzell-Ausserhoden dar. Am Alten Silvester werden sie den Chlausenhut von Martin Holderegger zieren. Der gebürtige Hundwiler, der schon lange in Urnäsch wohnt, zieht jeweils mit seinen sechs Kollegen los. Er und sein Bruder sind am längsten dabei und können auf eine bald 40-jährige Chlausenkarriere zurückblicken.

Ihr Schuppel habe keinen Namen, sagt der 44-Jährige «Das gab es früher nämlich auch nicht.» Sie gehen jeweils als «Schö-Wüeschte». Das heisst, sie tragen einen Groscht aus Tannenreisig, Tannenbart, Moos und anderen Naturmaterialien und eine Kopfbedeckung, die eine ähnliche Form hat, wie jene der «Schönen», aber mit Naturmaterialien verziert ist. Diese Zwischenform gibt es erst seit den späten 1960er-Jahren. Alle vier Jahre werden die Hauben neu gestaltet. Dieses Jahr chlaust Holdereggers Schuppel unter dem Motto «Schellenschmieden». Jeder Chlausenhut hat die Grundform einer Schelle und die des Rolli die Form von sechs Rollen.

Ein Haus voller Schellen

Schellen sind ein Thema, das Martin Holderegger seit seiner Jugend fasziniert und bei dem er ein wahrer Experte ist. Mit 17 Jahren kaufte er sich als Schreinerlehrling seine ersten drei Chlausenschellen. Mit 19 war er bereits stolzer Besitzer richtiger Senntumschellen. Es sollten nicht die letzten bleiben. Heute gleicht sein Haus an der Schwägalpstrasse einem kleinen Brauchtumsmuseum. Von der Werkstatt im Keller bis unter den Estrich stehen und hängen säuberlich geordnet Chlausenhüte, Rollenträger, Schuhe, altes Sennengeschirr, Hosenträger sowie Schellen und Glocken in allen Grössen. Besonders stolz ist Holderegger auf seine antiken Senntumschellen von denen er mehrere besitzt. Die älteste ist mehr als 200 Jahre alt. Die Schellen haben keinen Jahrgang eingeschlagen, sondern nur den Herstellerstempel. Somit lasse sich der Herstellungsort der Schellen einigermassen eruieren. «Die meisten Senntumschellen stammen aus Strengen am Arlberg. Vor 40 Jahren waren es noch drei Familien, die in dem österreichischen Dorf Schellen schmiedeten. Heute ist es noch eine. Mittlerweile werden auch hierzulande Schellen geschmiedet. «Peter Preisig aus Herisau und ich sind schon lange Kollegen und haben die gleichen Interessen was Senntumschellen angeht, darum ist es nicht verwunderlich, dass wir zwei heute die Schellen in- und auswendig kennen und selber produzieren.» Er helfe Peter als Zuschmied die Schellen zu schmieden. Dieser gebe ihm einige Tipps für das gute Gelingen, sagt Martin Holderegger. «Für mich eine sehr schöne anspruchsvolle Arbeit.»

«Senntumschellen bilden immer einen Dreiklang, das heisst, sie sind aufeinander abgestimmt», sagt Holderegger. Das Abstimmen gelinge den Schellenschmieden nicht immer gleich gut, darum gebe es so viele verschiedene Dreiklänge. Er vergleicht die Tonfolge mit den ersten drei Tönen des Liedes Stille Nacht. «Jede Schelle muss einen schön-reinen Klang haben, damit sich der Schellenkenner erfreut.»

Die Senntumschellenriemen haben ziselierte Messingbeschläge, das sogenannte «Mösch», sowie verschiedenfarbige Stickereien, Wollfäden und Pergament.

Brauch entwickelt sich positiv

Er habe immer Freude an den Ausserrhoder Bräuchen gehabt, und die Entwicklung beobachtet, sagt Martin Holderregger. Das Chlausen werde heute professioneller betrieben. Früher hätten die Männer ihre Hüte mit dem machen müssen, was der Haushalt halt so hergab. «Heute wird dagegen ein unglaublicher Aufwand betrieben.» So werden die Grundformen am Computer gezeichnet und anschliessend mit CNC-Maschinen ausgefräst. Auch stünden heute bessere Materialien zu Verfügung. Dank Bauschaum, Silikon, Sekundenkleber und Styropor sitzen die Hüte perfekt und sind nicht mehr ganz so schwer. Auch die Kostüme gehen ins Geld. So kostet ein Samt-Gewand für einen schönen Silves­terchlaus zwischen 850 und 950 Franken. Früher haben diese noch 30 Jahre gehalten. Weil die Qualität nicht mehr dieselbe ist, müssen sie in der Regel nach acht Jahren ersetzt werden. Doch die Kosten sind nebensächlich. «Wer ein Herzblut-Chlaus ist, macht dies aus Begeisterung.»

Die Qualität des Gesangs werde heutzutage besser gepflegt, ist Holderegger überzeugt. «Es gibt moderne Zäuerli und es wird viel experimentiert.» Das sei zwar für die Zuschauer interessant, aber man dürfe darob das Alte nicht vergessen. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, höre er gerne den anderen Schuppeln beim Zäuerlen zu. «Das gibt wieder neue Eindrücke und Ideen.» Für das Chlausen erhielten sie jeweils einen Batzen von den Leuten, die sie besuchen. Mit diesem Geld unternehmen die sieben Männer jeweils ein kleines Reisli, um die Kameradschaft auch ausserhalb der Chlausenzeit zu pflegen.

Hinweis: Weil der Alte Silvester auf einen Sonntag fällt, wird am Samstag, 12. Januar, gefeiert.

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