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Im Paradies

Brosmete

Während der Zeit der 600-Jahr-Feier wird in Urnäsch regelmässig an Sonntagen von einem Chlauseschuppel zaured. Am 9. April stand der Schwarzbäre-Schuppel oben am Scheibenstand. Melodisch klangen die Stimmen der jungen Männer weit durch den herrlichen Frühlingsabend, hinunter zu den Menschen, die unten beim Feld den Zäuerli lauschten. Ich bedauerte wieder einmal, keinen Fotoapparat bei mir zu haben. Die schönsten Momente erfasse ich nie mit der Kamera, sie setzen sich dafür für immer in meinem Gedächtnis fest. Das Bild steht noch lebhaft vor mir. Der fast volle Mond stand am klaren Himmel über dem Hügel, an dessen Hang die Sänger standen.

Von einem nahen Ställeli her kam eine Ziege und trat neben sie, als würde sie zu ihnen gehören. Nach einer Weile ging sie weg und kehrte mit zwei weiteren «Gässe zrogg». Es schien, als würden auch sie sich still freuen über die Zäuerli und den Auftritt des Chlauseschuppels. Diese Ruhe, dieser Friede, diese heimatlichen Klänge! Es war wie im Paradies. Schöner kann ich mir das Paradies nicht vorstellen. Und wie ich das dachte, kamen mir auch gleich Geschichten rund ums Paradies in den Sinn. Vor Jahren hatte ich einmal meinem Enkelkind Steffi die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Sofort wollte es wissen, aus welchem Grunde das Pflücken des Apfels vom besagten Baum verboten war. Hatte der liebe Gott ihn selber essen wollen oder wusste er, dass er giftig war? Und warum hatte er nur ein Verbot und keine Erklärung abgegeben? Das Kind hatte mich mit Fragen bestürmt. «Gell, die Eva war eine ganz schöne Frau, und sie hat den Mann so gern gehabt. Und dann haben sie den Apfel gegessen. Und sie mussten weg vom Paradies. Das war so dumm!» Aus der kleinen Steffi ist eine Frau geworden. Nächsten Samstag heiratet sie. Ich wünsche ihr ein Stücklein Paradies. Ob ich ihr eine CD mit Chlausezäuerli und ein Apfelbäumchen schenken soll?

Esther Ferrari

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