Im Notfall optimal versorgt

Mit der Abschaffung der Anästhesie-Einsatzfahrzeuge und dem Wechsel zum Notarztsystem ändere sich für die Patienten in der Region Toggenburg nichts. Davon ist Joachim Krump, Leiter des Rettungsdienstes der SRFT, überzeugt.

Urs M. Hemm
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Joachim Krump, Leiter Rettungsdienst der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, sieht im Wechsel zum Notarztsystem nur Vorteile. (Bild: Urs M. Hemm)

Joachim Krump, Leiter Rettungsdienst der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, sieht im Wechsel zum Notarztsystem nur Vorteile. (Bild: Urs M. Hemm)

TOGGENBURG. Als letzte der vier Spitalregionen des Kantons St. Gallen (siehe Kasten) führt die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) auf den 2. Januar 2013 das Notarztsystem ein. Es ersetzt das auf Anästhesiepflege gestützte System. Das bis anhin am Spital Wattwil stationierte Anästhesie-Einsatzfahrzeug wird nicht mehr zum Einsatz gebracht. Nicht tangiert von dieser Massnahme ist der Rettungsdienst, dessen Ambulanzen weiterhin von Wattwil, Alt St. Johann und Wil aus zum Einsatz kommen. Anstelle der Anästhesiefachperson wird künftig ein Notarzt beigezogen. Dieser wird für die SRFT am Spital Wil stationiert sein. Da die anderen drei Spitalregionen bereits über dieses System verfügen, können je nach geographischer Lage des Einsatzortes, die Notärzte von den Spitälern Grabs, St. Gallen, Linth in Uznach oder eben vom Spital Wil her angefordert werden.

Weiterreichende Kompetenzen

«Ich möchte betonen, dass durch diesen Systemwechsel keinerlei Nachteile für den Patienten entstehen. Im Gegenteil. Der Einsatz von ausgebildeten Notärzten erhöht den Versorgungs-Standard, weil dieser mit weiterreichenden Kompetenzen als eine Anästhesiefachperson ausgestattet ist», sagt Joachim Krump, Leiter Rettungsdienst SRFT. Verschiedene Gründe hätten zu diesem Entscheid geführt. Ein Grund, warum ursprünglich in Notfällen Anästhesiefachpersonen aufgeboten wurden war, dass diese – im Gegensatz zum Rettungssanitäter – einem Notfallpatienten unter anderem Narkosemittel verabreichen dürfen. Dies jedoch auch nur in Rücksprache und Delegation des verantwortlichen Arztes. «Dadurch, dass künftig ein ausgebildeter Notarzt vor Ort ist, kann er in eigener Kompetenz und Verantwortung handeln», erläutert Joachim Krump, der selber eine Ausbildung als Rettungssanitäter und Anästhesiefachmann hat. Für einen verantwortlichen Arzt könne es schwierig sein, einer Fachperson am Unfallort medizinische Vorgehensweisen zu erlauben, wenn er die Fähigkeiten dieser Person nicht genau kenne. «In der SRFT sind 38 gut ausgebildete Fachleute im Rettungsdienst im Einsatz, deren Fähigkeiten ich grösstenteils kenne», so Joachim Krump. Die Teams würden aber immer grösser, so dass es gleichzeitig schwieriger werde, jeden Einzelnen genau einschätzen zu können und aus der Ferne den Einsatz eines bestimmten Medikaments zu erlauben. Durch den Einsatz von Notärzten reduzierten sich solche Situationen.

Ambulanzen bleiben

Ein weiterer Grund, um auf das Notarztsystem umzustellen sei die Verschiebung des Patientenspektrums vom Trauma-, also vom Unfallpatienten mit physischen Verletzungen, immer mehr zum Herz-Kreislauf-Patienten hin, erläutert Joachim Krump. «Bei schweren Unfällen wird in bergigen Regionen wie dem Toggenburg ohnehin die Rega aufgeboten. Herz-Kreislauf-Notfälle aber können die Rettungssanitäter von ihrer Ausbildung her bis zum Eintreffen des Notarztes sehr gut versorgen», so der Leiter des Rettungsdienstes. In solchen Fällen seien ohnehin die ersten Minuten entscheidend. «Geographisch wird das Toggenburg von den Rettungsdiensten mit ihren Ambulanzen in Wattwil, Wil und Alt St. Johann betreut. Der Notarzt kommt je nach Ort des Notfall-Ereignisses von den Standorten Grabs, für das obere Toggenburg, vom Spital Linth in Uznach oder von Wil her, zusätzlich zur Ambulanz, zum Einsatz», beschreibt Joachim Krump. Alle Rettungsmittel zusammen bilden ein dicht gespanntes Netz zur Notfallversorgung. Dennoch würde von jedem Stützpunkt aus bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels am Notfallort wertvolle Minuten vergehen. Um diese Zeit überbrücken zu können, gebe es so genannte First Response-Helfer. Das seien Leute vor Ort, die in der Handhabung eines Defibrillators ausgebildet seien. «Diese Funktion übernimmt am besten ein Mitglied der örtliche Feuerwehr.» First Response basiere auf Freiwilligkeit. Bei der Ausbildung stehe der Rettungsdienst gerne zur Verfügung, die Finanzierung der Ausrüstung sei aber Sache der einzelnen Gemeinden, betont Joachim Krump. Eine weitere Möglichkeit ist der Beizug der organisierten Notfalldienste, die von ortsansässigen Hausärzten versehen werden, wie es beispielsweise im oberen Toggenburg der Fall sei.

Personell ändere sich mit dem Systemwechsel nichts. «Die Anästhesiefachpersonen, die im Notfalldienst eingeteilt waren, füllten eine Doppelfunktion aus. Sie versahen ihren normalen Dienst im Spital Wattwil, mussten aber in Notfällen mehr oder weniger alles stehen und liegen lassen und ausrücken», sagt Joachim Krump. Mit der Einführung des neuen Systems würden nun eigens Notärzte eingestellt, um die Versorgung garantieren zu können, was tatsächlich die teurere Lösung sei. Dennoch seien die betroffenen Anästhesiefachpersonen über den Entscheid nicht eben glücklich, da ihnen ein spannender, abwechslungsreicher Teil ihrer Arbeit verloren gehe. Organisatorisch jedoch, vereinfache es die Planung und bringe mehr Ruhe in den Spitalalltag. Denn obwohl das Anästhesie-Einsatzfahrzeug im vergangenen Jahr bei nur etwa 15 Prozent aller Notfälle zum Einsatz gekommen sei, handelte es sich gleichwohl um rund 170 Fahrten, während denen die Fachleute nicht am Spital waren. Nicht gelten lasse er den Einwand, dass der Systemwechsel aus finanziellen Gründen gemacht werde. «Tatsächlich kostet die Versorgung durch den Notarzt mehr, da diese ausgebildeten Spezialisten in der Regel mehr verdienen als Anästhesiefachpersonen», begründet Joachim Krump.

Kantonale Koordination

Nicht zuletzt sei die Einführung des Notfallsystems auch auf politischen Wunsch hin erfolgt. Denn damit würden die Voraussetzungen für eine noch bessere, die Spitalverbunde des Kantons übergreifende Koordination des Rettungswesens geschaffen, erläutert Joachim Krump. Zudem laufe die Koordination der Einsätze von Notärzten über die Notfallzentrale am Kantonsspital in St. Gallen. «Die Zentrale bestimmt schliesslich – je nach Verfügbarkeit – woher der Notarzt zur Unterstützung geschickt wird», erläutert Joachim Krump.

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