Im Mutterland der Kampfkunst

Alle Jahre wieder reist Schulleiter Peer Steinkellner, Schulleiter der 1999 gegründeten Wattwiler Xing-Wu-Guan-Kampfkunstschule, nach China, um sich im Mutterland der Kampfkunst weiterzubilden. «Traditional Chinese Wrestling» soll auch in der Schweiz ein Thema werden.

Urs Huwyler
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WATTWIL. Wo lässt sich ein kenianischer Skitrainer fortbilden? In Österreich. Wo lernt ein griechischer Eishockeycoach die Taktik? Bei den Kanadiern. Wohin reist ein Schweizer Kampfkunstschulleiter zur Weiterbildung? Zu seinen Lehrmeistern nach China. «Ich habe wiederum viel profitieren können. Es handelte sich um keine touristische Reise, sondern ein intensives Trainingslager», betont Peer Steinkellner, Schulleiter der 1999 gegründeten Wattwiler Xing-Wu-Guan-Kampfkunstschule.

Seit 2004 gehören Aufenthalte in Peking für den bald 30jährigen kämpfenden Künstler zum beruflichen Alltag. Was ihm diesmal zuerst auffiel: die Luftqualität. «Ich musste immer einen Mundschutz tragen», erzählt der Leiter der grössten Toggenburger Schule. Nicht wegen des harten Trainings, sondern der Smog nebelte die Hauptstadt zeitweise ein. «Manchmal war nichts zu erkennen, am nächsten Tag herrschte blauer Himmel, dann wieder extremer Smog», erinnert sich Peer Steinkellner.

Würfe und Technik

Auf die täglichen Lektionen in einer der erfolgreichsten Taekwondo-Schulen Chinas hatte die dicke Luft draussen im Innern jedoch keine Auswirkungen. Der Gast aus Europa sah sich bestätigt, dass sich die asiatischen Kampfsportarten bezüglich Würfen und Technik während der letzten Jahre nicht grundlegend verändert haben. Das Gerippe steht, Taekwondo bleibt Taekwondo, Kung Fu auf Dauer Kung Fu. Aber es werde regelmässig versucht, den Sport durch Regelanpassungen zuschauerfreundlicher zu gestalten. Trotzdem: Weshalb fliegt ein Toggenburger in ein «Kampfkunstmutterland», wenn er nach der Ausbildung bei den besten Lehrern schon (fast) alles weiss? «Es geht um die Verfeinerung der Technik und vor allem neue Trainingsmethoden. Auch diesmal konnte ich für mich persönlich und den Unterricht viel lernen. Es ist immer ein faszinierendes Erlebnis, in China zu trainieren», erzählt der Chef von der Bleikenstrasse 56b, dessen eigene Schule den Schweizer Dachverbänden (Wushu, Taekwondo, Kendo) angehört.

Disziplin gefordert

Gefordert wird im Fernen Osten bedingungslose Disziplin. Der nächste Schritt wird erst vollzogen, wenn der letzte gefestigt ist. Selbst wenn es Wochen dauert. «Ich habe täglich immer und immer wieder die gleichen Bewegungen durchgespielt. Wer in China nicht mitzieht, sich nicht an die Anweisungen des Lehrers hält, ist weg. Dahinter warten 10 000 andere Schüler. Bei uns muss alles schneller gehen, abwechslungsreicher sein. Dadurch sind die Abläufe weniger gefestigt. Wir haben eine andere Ausgangslage.»

Sportliches Neuland betrat der Wattwiler im «traditionell chinesischen Wrestling», das in der Schweiz im Gegensatz zum Ausland noch kaum betrieben wird. Die Grundlage bilden schwungvolle Würfe. Die künstlerischen Kämpfer tragen eine feste Weste. «Weil ich gross und relativ kräftig gebaut bin, eigne ich mich nach Ansicht meiner Lehrmeister für diesen Stil. Es war eine neue, spannende Erfahrung», erzählt der aktuell wohl einzige Schweizer Wrestling-Chinese. Er hofft, andere Athleten ziehen künftig mit und es entwickelt sich eine neue Kampfkunstszene.

Die nächste Möglichkeit, in China zwei Wochen lang zu trainieren, bietet sich den «Xing Wu Guan»-Schülern und seinen Lehrern Anfang Oktober. Dann folgt das traditionelle Training in Shaolin (Wushu, Taekwondo, Sanda, Kung Fu, Tai Chi) mit täglich zwei bis drei Einheiten. Die Testfahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug (über 300 km/h) ab Peking hat Peer Steinkellner bei einem Besuch seines einstigen Lehrmeisters schon mal bestens überstanden.

Zuerst steht an Auffahrt allerdings das heimische Trainingslager in der Grüenau Wattwil zusammen mit dem ehemaligen (Dieu Huy Song) und aktuellen Nationalcoach (Niko Kricka) auf dem Programm.

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