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Im «Moritz» wird gepinselt

Die Kirche St. Mauritius in Appenzell ist aufgrund konservierender Sanierungsarbeiten für ein Jahr geschlossen. Mit Schwamm und Pinsel gehen die Fachleute unter dem Deckengewölbe zu Werke. Der Schutzpatron wartet auf seine Restaurierung.
Mea Mc Ghee
Unter dem Deckengewölbe wurde eine riesige Arbeitsfläche errichtet.
Mit einem Schwamm reinigt Vergolderin Jenny Schwarz ein Wandgemälde.
Der Maler geht mit einem erstaunlich kleinen Pinsel zu Werke.
Figur des Heiligen St. Mauritius.
Die eine Hälfte des Bildes wurde bereits gereinigt.
Bei dieser Stuckatur wurde das oberste Blatt neu modelliert.
13 Bilder

Handwerker renovieren das Gewölbe der Kirche St. Mauritius in Appenzell

Mit einem feuchten Schwämmchen wischt die Vergolderin vorsichtig über das Blau eines Wandbildes. «Ich muss aufpassen, dass ich nur Schmutz und keine Farbe entferne», sagt Jenny Schwarz. Sie sitzt auf der riesigen Plattform des Baugerüstes, über sich das Kirchengewölbe. Zentimeter für Zentimeter klopfen die Handwerker den Verputz ab, hören anhand des Geräusches, ob sich dahinter Hohlräume verbergen, die aufgefüllt werden müssen. Es ist die Pfarrkirche St. Mauritius in Appenzell, die einer konservierenden Renovation unterzogen wird. Bis Ostern 2019 ist die Kirche geschlossen. Messen, Beerdigungen, Hochzeiten werden andernorts abgehalten. Ein ganzes Jahr lang müssen die Appenzeller auf ihren «Moritz» verzichten.

Alleine drei Wochen dauerte es, bis das frei stehende Gerüst aufgebaut war. Zwischen den unzähligen Metallstangen hängt nun der mächtige Kronleuchter und wartet auf seine Neuinszenierung. Die wenigen Kirchenbänke, die noch im Kirchenschiff stehen, sind mit Plastikfolien abgedeckt, die Orgelpfeifen wurden abmontiert, Beichtstühle, die Kanzel und Altäre werden durch Holzverschalungen geschützt.

Bausünden werden rückgängig gemacht

Für die Planung der Renovation zeichnet das Büro Keller + Hubacher Architekten aus Herisau verantwortlich. 3,2 Millionen Franken sind budgetiert. Weil die Schäden am Gewölbe weniger gross sind, als befürchtet, dürfte der Kostenrahmen eingehalten werden. Belüftung, Beleuchtung, Heiz- und Akkustikanlage – alles wird ersetzt. «Wir achten darauf, keine Substanz zu zerstören», sagt Architektin Eva Keller. Wichtig sei zudem eine gute Integration der neuen Teile. Und die Renovation biete die Möglichkeit, Bausünden aus den 1960er-Jahren, wie zum Beispiel die Beleuchtung, rückgängig zu machen. «Es geht darum, das historisch wertvolle Gebäude zu schützen und den Wert zu erhalten», so die Architektin. In der Krypta etwa wurden unter mehreren Schichten Farbe Reste einer historischen Malerei gefunden. Diese wurde wo möglich hervorgeholt, restauriert und mit Grisaille-Malerei ergänzt.

Manche Engel liegen noch unter einer Staubschicht

Scheinwerfer leuchten die provisorische Halle unter dem Deckengewölbe aus. Es ist gut zu sehen, wo die Gemälderestauratorin die Leinwand des grossen Deckengemäldes gereinigt hat. Hier leuchten die Farben wieder, gleich daneben liegen die Engel noch unter einer dunklen Schicht Staub. Die Handwerker kartieren alle Mängel: Risse, abgeblätterte Farbe, abgebrochene Stuckaturen, Leinwand, die sich vom Putz gelöst hat – alles wird fein säuberlich auf Fotos übertragen. In einem zweiten Schritt entscheiden die Handwerker, welche Sanierungsmassnahmen getroffen werden müssen. Stuckateur Viktor Wicki bessert Risse aus, bringt neu modellierte Lorbeerblätter an, verstärkt Verankerungen und retouchiert einzelne Stellen. Stuckaturen aus drei Epochen zieren die Kirche. Wenige Meter weiter arbeitet Maler Werner Ettlin. Angesichts der riesigen Wandfläche, hat er einen erstaunlich dünnen Pinsel in der Hand.

Auf Augenhöhe mit dem Schutzpatron

Noch reinigt Vergolderin Jenny Schwarz mit einem feuchten Schwamm das Wandgemälde mit den Beutefahnen. Sie freut sich schon darauf, ihre eigentliche Arbeit verrichten zu können. Ganz oben auf dem Hochaltar steht die Holzfigur des Heiligen St. Mauritius. Dank der Plattform begegnet man dem Schutzpatron der Pfarrkirche von Appenzell für einmal auf Augenhöhe. Mit Goldplättchen wird die Handwerkerin seinen Helm auffrischen, sie wird Schwundrisse im Holz ausbessern und mangelhafte Stellen mit Farbe retouchieren. Schon jetzt staunt sie jeden Tag über neue Details, die sie bei ihrer Arbeit unter dem Deckengewölbe entdeckt. Die Kirchgänger dürfen sich auf Ostern 2019 freuen. Dann erstrahlt ihr «Moritz» in neuem Glanz.

Pfarrer Lukas Hidber: Wie nehmen es die Kirchgänger auf, dass sie ein Jahr lang auf ihren "Moritz" verzichten müssen?

Lukas Hidber, Pfarrer Appenzell.

Lukas Hidber, Pfarrer Appenzell.

Natürlich fehlt vielen die Vertrautheit, wenn sie eine Messe im Kapuzinerkloster oder in der Stephanskapelle besuchen. Hier sitzt man näher beisammen. Manche schätzen diese Ambiance, anderen ist es wohl zu eng.

Für Beerdigungen geniessen die Katholiken Gastrecht in der reformierten Kirche von Appenzell. Wie wurde dies aufgenommen?

Wir sind froh, dürfen wir die reformierte Kirche nutzen, da sie nahe beim Friedhof liegt. Es braucht natürlich Absprachen, doch die Zusammenarbeit funktioniert gut.

Welche Umstellungen gibt es sonst noch?

Der Kirchenchor muss ohne die grosse Orgel auskommen und die Ministranten dienen an verschiedenen Orten. Auch die Ausgabe des Weihwassers musste neu organisiert werden. Wichtig ist, dass alle gut informiert werden.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an Ostern 2019 denken?

Dann dürfen wir die Gottesdienste wieder in der Pfarrkirche St. Mauritius feiern. Ich denke, nach einem Jahr im Exil, werden alle die Vorzüge des "Moritz" umso mehr schätzen. Ich bin überzeugt, die Pfarrkirche wird nach der Renovation wieder zur Heimat werden.

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