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Im Land der tausend Linien

Speerspitz

Ich wusste, dass es für mich bald so weit sein wird. Dass es mir die Sprache verschlagen wird. Mir meine spotttriefenden Worte über die motorisierten Zweirad-Fahrer, die das Tal auf- und ab­fräsen, im Hals stecken bleiben werden. Denn kaum sass ich als Lernfahrerin im Grundkurs zum Erwerb der Kategorie A 1 beim Fahrlehrer in der Stube, gemeinsam mit lauter 16-Jährigen, wurde mir meine Unwissenheit übers Töfffahren bewusst. Schon bei der Theorie lernte ich, den Mund zu halten und zuzuhören.

In der Kurspraxis habe ich kein Fettnäpfchen ausgelassen: Es fing damit an, dass ich es nicht schaffte, den gefühlten 200 Tonnen schweren Roller ohne Verrenkungen auf den Ständer zu stellen. Es war der Fahrlehrer, der mit den Worten «Hopp, so gehts.» das Teil hinstellte. Dann machte ich grosse Augen, als ich merkte, dass im Gegensatz zum Fahrrad bei Motorrädern die Griffe der Bremsen links und rechts vertauscht sind. Kein Wunder, bockte mein Gefährt bei jedem Bremsmanöver wie ein alter Esel.

Nie habe ich mir vorgestellt, wie schwierig es ist, mit einem Motorrad sehr langsam zu fahren und dabei die Balance zu halten. Erst recht auf die Welt kam ich, als ich beim Fahren realisierte, dass es auf Toggenburger Strassen gefühlt mehr Schachtdeckel, Blechdinger und Flicklinien als flachen Asphalt gibt. Und wer hat die Fussgängerstreifen und die breiten, weissen oder gelben ­Linien zu Tausenden auf die Strassen gemalt? Die Stimme des Fahrlehrers hallt im Ohr: «Als Töfffahrer fährt man neben den Schachtdeckeln und neben den Linien. Punkt!» Wer es nicht glaubt, fühlt es bei Regenwetter.

Ich habe den A 1-Ausweis im Hosensack. Das «L» abmontiert. Trotzdem ein Sorry für all die­jenigen, die hinter mir herfahren müssen.

Liska Meier

liska.meier@toggenburgmedien.ch

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