Im Land der schwarzen Berge

Schon das Logo der Fluggesellschaft fühlte sich fremd an: ein bedrohlicher Adlerkopf auf rotem Hintergrund. Nach gut zwei Stunden Flug landeten wir in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros.

Michael Genova
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Bild: Michael Genova

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Schon das Logo der Fluggesellschaft fühlte sich fremd an: ein bedrohlicher Adlerkopf auf rotem Hintergrund. Nach gut zwei Stunden Flug landeten wir in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros. Mit den Jahren sind die Reiseziele meiner Studienfreunde ausgefallener geworden. Auf dem ersten Schulreisli flogen wir nach Amsterdam: Easyjet hin und zurück für 90 Franken. Dieses Jahr sollte es das Küstenstädtchen Budva sein.

Das Terminal des Aerodrom Podgorica ist übersichtlich. Ein Souvenirladen, das Cafe Negro und gleich gegenüber der Schalter des Autoverleihs. Wir hatten einen Chevrolet Spark reserviert, Kategorie Kleinstwagen. Der Mitarbeiter fragte: «Habt ihr etwas gegen einen Cabrio mit automatischer Schaltung?» Wir schauten uns an und schüttelten den Kopf. Dann führte er uns zu einem Peugeot Convertible mit Kennzeichen PG-Hertz. Den Sportwagen gab es in diesem Land als Zugabe.

Mit offenem Verdeck fuhren wir über die Küstenstrasse in Richtung Budva. Wir kamen vorbei an der Hotelinsel Sveti Stefan, wo Tennisstar Novak Djokovic im Juli seine Jugendliebe geheiratet hatte. Schliesslich erreichten wir unser Ziel und stellten erstaunt fest: Das Adriatische Meer hat zwei Küsten. Auf der einen Seite befindet sich Budva, auf der anderen Bari, die Hauptstadt Apuliens.

In den folgenden Tagen besuchten wir die von steilen Felswänden umschlossene Bucht von Kotor. Wir reisten in die frühere Hauptstadt Cetinje, wo die Fürstbischöfe residierten. Und am Abend landeten wir im «Top Hill», dem «besten Club der Welt». Im vergangenen Jahr empfahl die «New York Times», jetzt nach Montenegro zu reisen. Das Land sei wie das kroatische Dubrovnik vor der Ankunft der Kreuzfahrtschiffe oder wie die Schweiz vor dem Bau der Luftseilbahnen.

Diesen Eindruck gewannen wir am zweiten Abend, als wir unser Auto vor einem Citroën mit Schweizer Nummernschild parkten. AG 222 607 stand dort in vertrauten Lettern. Doch statt des Aargauer Wappens hatte die Fälscherwerkstatt die blau-weisse Zürcher Variante erwischt.

Appenzeller Verlag (Bild: Michael Genova)

Appenzeller Verlag (Bild: Michael Genova)

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