Im Körper spielt mehr zusammen, als man denkt

Die Faszination für die Gesetze der Natur, die sich im Innern wie im Äussern des Menschen spiegeln sowie die ganzheitliche Sicht der Naturheilkunde veranlassten Verena Helbling-Müller, sich zur Naturheilpraktikerin ausbilden zu lassen.

Olivia Hug
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Verena Helbling-Müller in ihrer Praxis in Neu St. Johann. (Bild: Olivia Hug)

Verena Helbling-Müller in ihrer Praxis in Neu St. Johann. (Bild: Olivia Hug)

NEU ST. JOHANN. Wenn die Schulmedizin keine Antwort auf die Ursache einer körperlicher Beschwerde oder einer chronischen Krankheit hat, wenden sich viele Patienten an einen Naturheilpraktiker. Deren Ziel ist nicht primär, eine Krankheit zu bekämpfen, sondern vielmehr die Gesundheit zu fördern. «Naturheilpraktiker wollen das körperliche System wieder ins Gleichgewicht bringen und die Selbstregulationskräfte des Patienten ankurbeln», sagt Verena Helbling-Müller. Sie hat vor gut zwei Monaten in ihrem Eigenheim in Neu St. Johann eine Praxis für Komplementär- und Alternativmedizin eröffnet. Naturheilkunde, so sagt sie, sei Teil ihres Lebens geworden. Mit der eigenen Praxis bringt sie den beruflichen Wunsch und ihr Hobby unter ein Dach.

Krankheit als Blockade

Bei Verena Helbling-Müller erhält eine Therapie gemäss der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde, wer an chronischen Schmerzen oder Krankheiten leidet. Die naturheilkundlichen Therapien zeigen gute Verläufe bei Migräne, Erschöpfung, Rheuma, Erkältung, Allergien, Kreislauf- oder Verdauungsproblemen. «Unser Körper hat effiziente Strategien, um gesund zu bleiben. Wir erkennen diese leider nicht immer als solche und unterdrücken diese, woraus dann wieder Krankheiten entstehen können», sagt Verena Helbling-Müller. In Bezug auf die Methoden zur Behandlung setzt sie auf die Schwerpunkte Hydro-Therapie (Anwendung von Wasser, Wickel), Diätetik (gesunde Lebensweise, gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Ausleitverfahren (beispielsweise Schröpfen). Zentral sei bei jeder Therapie, dass der Patient die Bereitschaft zeige, etwas zur gesundheitsfördernden Lebensweise beizusteuern. «Gesund leben und die Abwehr zu stärken, das heisst, sich gesund zu ernähren, sich genügend zu bewegen, sich genug Ruhe zu gönnen und negativen Stress zu vermeiden. Das ist die Arbeit, die der Patient leisten muss», erläutert Verena Helbling-Müller, «ohne seine Mitarbeit kann ich ihm nicht helfen, eine bessere Lebensqualität zu erreichen, bestenfalls kann ich dann einzelne Symptome bekämpfen.»

«Alles spielt zusammen»

Als Naturheilpraktikerin gehe sie dabei anders als die Schulmedizin individuell vor. «Bei jedem Menschen muss ich die Ursache für seine Erkrankung ausmachen und ihn entsprechend seiner Konstitution behandeln. Ursache und Therapie können bei zwei Personen mit den gleichen Beschwerden unter Umständen ganz verschieden sein», so Verena Helbling-Müller. «Ein entzündetes Gelenk kann die Ursache zum Beispiel in einer konstitutionell veranlagten Verdauungs- und Ausscheidungsschwäche mit nachfolgender Nahrungsmittelunverträglichkeit haben. Durch diese wird der Darm in Mitleidenschaft gezogen, da für den Körper schädliche Stoffe anfallen, die er loswerden muss. Der Körper hat nun die Möglichkeit, den <Konflikaustragungsort> zu wechseln; also verschiebt er die Entzündung auf ein schwaches Organ, eben die Schleimhaut eines Gelenkes», veranschaulicht die Naturheilpraktikerin die Zusammenhänge. Es spielt alles entsprechend der Naturgesetze zusammen. Die einzelnen Organe, die Organe mit der Umwelt, der Körper mit der Seele. «Sowohl beim krank-, wie auch beim gesund werden», sagt sie. Das sei, was sie an der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde fasziniere.

Mit Schulmedizin begonnen

Seit ihrem Schulabschluss steht für Verena Helbling-Müller fest, in welche berufliche Richtung sie sich begeben will. Zuerst, ab 1978, lässt sie sich zur diplomierten Pflegefachfrau HF ausbilden, danach wird sie Lehrerin für Krankenpflege. Später wird sie Mutter, kümmert sich um den Haushalt und pflegt einen grossen Garten. Derweil bildet sie sich in der Fussreflexzonenmassage sowie in der klassischen Massage weiter. Heute, da ihr Sohn das Lehrlingsalter erreicht hat, will sie mit der eigenen Praxis die Gelegenheit am Schopf packen und wieder in der Medizin Fuss fassen. Acht Semester dauerte ihre Ausbildung zur diplomierten Naturheilpraktikerin. Die ersten anderthalb Jahre waren ausschliesslich der Schulmedizin gewidmet, anschliessend folgten zweieinhalb Jahre Ausbildung in der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde. Im Dezember 2011 hat Verena Helbling-Müller die Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden. Die nachfolgende Zeit hat sie bei Berufskolleginnen und im persönlichen Umfeld Erfahrungen im praktischen Alltag als Naturheilpraktikerin gesammelt und sich weitergebildet. Dies gehört zu den Voraussetzungen, um die kantonale Berufsausübungsbewilligung als Therapeutin für Komplementär- und Alternativmedizin sowie das EMR-Qualitätslabel, welches von den meisten Krankenkassen anerkannt wird, zu erlangen.

Naturheilpraxis Verena Helbling-Müller, Gerlistrasse 17, Neu St. Johann, www.emindex.ch/verena.helbling-mueller