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Im Keller des Alpsteins

ALPSTEIN. Der Kalkstein ist für seine schnelle Erosion und Höhlenbildung bekannt. So entstanden alleine im Alpstein rund 200 Höhlen und Grotten. Roman Hertler und Martina Basista machen sich auf, um unter fachkundiger Leitung das Konzertsaal-Höhlensystem im Höch-Nideri-Sattel zu erkunden.
Roman Hertler
Der grosse Konzertsaal ist der Hauptraum des Konzertsaal-Höhlensystems. Nur die lange Belichtungszeit macht eine Fotografie möglich. Dadurch scheint Thomas Wöllners Karbidlampe wie eine strahlende Sonne. (Bilder: Martina Basista)

Der grosse Konzertsaal ist der Hauptraum des Konzertsaal-Höhlensystems. Nur die lange Belichtungszeit macht eine Fotografie möglich. Dadurch scheint Thomas Wöllners Karbidlampe wie eine strahlende Sonne. (Bilder: Martina Basista)

Fotografin Martina Basista und Praktikant Roman Hertler treffen sich pünktlich um 7.20 Uhr mit Höhlenexperte Thomas Wöllner auf dem Parkplatz der Schwägalp. Vereinzelt ziehen Nebelfetzen vorüber; ansonsten zeigt sich kein Wölkchen am blauen Himmel. Idealer könnten die Bedingungen für eine Höhlenbegehung nicht sein.

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Durch ein Loch fiel der Schnee und gefror zu einer Eisskulptur. (Bild: Martina Basista)

Durch ein Loch fiel der Schnee und gefror zu einer Eisskulptur. (Bild: Martina Basista)

Das Wasser findet immer einen Weg und erstarrt bisweilen zum Eisfall.

Das Wasser findet immer einen Weg und erstarrt bisweilen zum Eisfall.

Auf dem Säntis beginnt der Abstieg nordseitig über einen komfortabel mit Drahtseil und Eisentritten abgesicherten Weg in Richtung des Blauen Schnees. Von Schnee kann aber kaum die Rede sein. «So wenig habe ich hier oben noch nie gesehen», stellt Wöllner fest, bevor wir unseren Weg über die Rossegg am Fusse des Hüenerbergs entlang fortsetzen. Im kleinen Talkessel zwischen Hüenerberg und Höch Nideri sind wir vorerst am Ziel unserer Wanderung. Wir genehmigen uns einen kleinen Lunch.

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Thomas Wöllner schlüpft zwischen Schnee und Fels in den Abgrund.

Thomas Wöllner schlüpft zwischen Schnee und Fels in den Abgrund.

Nach einem kurzen Kontrollgang Wöllners machen wir uns an den Einstieg. Mit Kameras und einem guten Dutzend Stirnlampen, die der Ausleuchtung der grossen Konzertsaal-Höhle dienen, seilen wir uns rund 15 Meter ab ins Reich der Dunkelheit. Im Eingangsbereich übernimmt Wöllner wieder die Führung und leuchtet den Weg mit seiner Karbidlampe, während wir ihm mit unseren LED-Lämpchen «hinterherpfunzeln». Wir folgen Wöllner durch schmale Gänge und weite Räume, kriechen, kraxeln, steigen über Schneekegel, biegen um Ecken und Enden und staunen ob der düsteren Schönheit der bergigen Unterwelt. In einem Schneekegel, der nach oben durch die Höhlendecke zu wachsen scheint und einer Eisskulptur gleicht, finden wir eine halb eingefrorene Gamasche. «Das ist ja meine», freut sich Wöllner. «Die vermisse ich seit drei Jahren.» Der Weg führt uns über Geröll und einen kurzen Abstieg zu einem kleinen Eisfall. Über weitere Geröll- und Eisfelder gelangen wir schliesslich in die grosse Konzertsaal-Höhle. Der Name spricht für sich: Der Raum ist stellenweise über zehn Meter hoch und mindestens so breit. Nach hinten dehnt sich die Höhle etwa 30 Meter in die Länge und mündet in einem kleinen Seitengang, der ohne Kletterausrüstung kaum noch zu erkunden ist. Nach knapp drei Stunden im Keller des Alpsteins steigen wir wieder auf und lassen uns von der spätsommerlichen Sonne aufwärmen.

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Der Wiederaufstieg ist das Strengste am ganzen Unterfangen.

Der Wiederaufstieg ist das Strengste am ganzen Unterfangen.

Im Höch-Nideri-Sattel gibt es einige Löcher, deren Durchmesser zwischen zwei und vier Metern variieren. Die meisten davon führen in das Konzertsaal-System, das sich über Jahrtausende im kalkigen Untergrund der Höch Nideri gebildet hat. Der Boden in etwa zehn bis fünfzehn Metern Tiefe ist in der Dunkelheit meist nicht erkennbar. Manchmal liegt Schnee in den Löchern. «Das ändert sich aber von Jahr zu Jahr und von Einstieg zu Einstieg», sagt Wöllner.

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