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Im Kastenwagen auf Patrouille

HERISAU. Kontrollfahrten durch Einfamilienhausquartiere, gestohlene Roller, Verkehrskontrollen: An den Wochenenden herrscht bei der Ausserrhoder Kantonspolizei jeweils Hochbetrieb – ein Samstagabend unterwegs mit der Nachtpatrouille im Appenzeller Hinterland.
Markus Fässler
Nächtliche Kontrolle während der Patrouillenfahrt durch Herisau. (Bilder: Markus Fässler)

Nächtliche Kontrolle während der Patrouillenfahrt durch Herisau. (Bilder: Markus Fässler)

Nur einen Schnaps habe er gehabt, vor dem Essen, versichert der grossgewachsene Mann am späten Samstagabend in Herisau. Die beiden Kantonspolizisten Sascha Walter und Joel Buff führen an der St. Gallerstrasse gerade eine stehende Verkehrskontrolle durch. Freundlich bitten sie den Mann – nachdem die Fahrzeugpapiere und die Reifenprofile kontrolliert worden sind – zum Alkoholtest. 0,18 Promille zeigt das Gerät an und verrät damit, dass es wohl mehr als nur ein Schnaps war. Trotzdem hat der Mann das Gesetz nicht gebrochen und darf weiterfahren. «Nur eine Stange, nur ein Schnaps, das hören wir ständig», sagt Sascha Walter, stellvertretender Leiter des Polizeipostens Herisau. Aber: Leute, die angetrunken Autofahren, gebe es immer weniger, eine erfreuliche Entwicklung, so Joel Buff. Kurz darauf setzt Regen ein: «Einen nehmen wir noch», sagt Walter.

«212, bitte antworten»

«In den Sommerferien verreist auch unsere Klientel», so Sascha Walter kurz nach 20 Uhr im Pausenraum auf dem Polizeiposten in Herisau und lacht. Zusammen mit dem 27jährigen Joel Buff ist er für die Nachtpatrouille eingeteilt. Die beiden sind für das gesamte Hinterland verantwortlich und wirken unterstützend, falls die Kollegen im Mittel- oder Vorderland Hilfe brauchen. In den Regalen im Raum stehen unter anderem Kartons mit Energydrinks. Eine willkommene Hilfe gegen eine allfällige Müdigkeit während der langen Schicht. Bereits am Morgen standen die beiden Polizisten mehrere Stunden im Einsatz. Von 12 bis 18.30 Uhr ist Schlafen angesagt. Dann geht es weiter, manchmal bis um 6 Uhr morgens. «212, bitte antworten», tönt es plötzlich aus dem Funkgerät von Joel Buff. «Hier 212 Herisau, antworten», sagt Buff. Die Zentrale in Trogen gibt die Meldung durch, dass an der Alpsteinstrasse ein als gestohlen gemeldeter Roller gefunden wurde. Mit Kastenwagen samt Anhänger machen sie sich auf den Weg. Vor dem Haus wartet ein Mieter und schildert, dass der Roller vor seiner Garage stand. Joel Buff und Sascha Walter untersuchen kurz den Roller, laden ihn mit vereinten Kräften in den Anhänger und stellen einer weiteren Mieterin ein paar Fragen. Die Spurensicherung aufzubieten, ist in diesem Fall nicht nötig. Zu viele Personen haben den Roller bereits verstellt, zudem stand er im Regen. «Da sind die Chancen klein, auf dem Plastikgehäuse noch Spuren zu finden», sagt Walter. Nur wegen eines gestohlenen Rollers die Spurensicherung auf den Platz zu rufen, erscheint im ersten Moment als übertrieben. Doch: «Vielfach führen kleine Delikte zu grossen», so der 41-Jährige, der seit 15 Jahren bei der Polizei ist. Auf dem Weg zurück zum Posten richtet er als Beifahrer seine Augen selten direkt auf die Strasse. Bei jedem Einlenker schweift sein Blick für Sekunden dorthin, wo etwas vor sich gehen könnte. Auf was er genau achte, sei schwer zu sagen, man bekomme ein Gespür dafür, merke schnell, wenn etwas nicht stimme. Am Ziel angekommen erreicht er per Telefon den erleichterten Besitzer des Rollers. Joel Buff füllt derweil den Rapport aus.

Konsequent durchgreifen

Nach getaner Büroarbeit steht die Kontrollfahrt durch Herisau, Waldstatt und Schwellbrunn auf dem Programm. Langsam fährt Joel Buff durch das Waldegg-Quartier, eine Siedlung mit mehreren Einfamilienhäusern an guter Lage. Die Sommernächte locken immer wieder Einbrecher an. Auch wenn das Quartier ein wenig abgelegen liegt, hat es hier schon diverse Einbrüche gegeben. «Die Diebe sind nicht dumm, sondern gut organisiert. Sie kundschaften die Objekte vorgängig aus», sagt Buff. Am heutigen Abend scheint aber alles ruhig zu sein. Kaum Autos auf den Strassen, kaum Personen an den bekannten «Brennpunkten» wie etwa rund um das Ebnet oder am Bahnhof. «Ein untypisch ruhiger Samstagabend. Aber das kann sich innert Minuten ändern. Das Unvorhersehbare macht den Beruf so spannend», so Sascha Walter.

In der Nacht passiert nichts Aussergewöhnliches mehr. Kurz nach der Bahnhofunterführung erwischen sie einen Autofahrer, der nicht angegurtet ist. Dieser wurde bereits einmal deswegen ermahnt, jetzt ist eine 60fränkige Busse fällig. Konsequent durchgreifen – auch das gehört zum Job.

Auf Kontrollfahrt durch das Herisauer Waldegg-Quartier.

Auf Kontrollfahrt durch das Herisauer Waldegg-Quartier.

Bild: MARKUS FÄSSLER

Bild: MARKUS FÄSSLER

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