Im Halle-7- Himmel

Vor über 20 Jahren, da steckte ich noch in der Metzgerlehre, hatte ich die Idee, während den Ferien in der Halle 7 für einen grossen Metzger Würste zu braten. Am Olma-Eröffnungstag war ich schon im Halle-7-Himmel. Ich war stehend k.o.

Philipp Langenegger
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Vor über 20 Jahren, da steckte ich noch in der Metzgerlehre, hatte ich die Idee, während den Ferien in der Halle 7 für einen grossen Metzger Würste zu braten. Am Olma-Eröffnungstag war ich schon im Halle-7-Himmel. Ich war stehend k.o. Die hübsche Mitbraterin schleppte mich noch in ein Festzelt, wo wir um unser Leben tanzten. Es kam, wie es kommen musste, und ich hatte auch noch das letzte Bähnli vertanzt. So stand ich dann mit Augenringen und biergedämpft am Bahnhof Herisau. Die Not war gross und der liebe Gott sandte mir ein Zeichen: Ich stolperte über ein Fahrrad. Nach längerer Betrachtung kam es mir vor, dass der Drahtesel in Richtung Urnäsch zeige. Er schrie mich förmlich an, sofort gefahren zu werden. Abgeschlossen war das Velo auch nicht und so strampelte ich über Waldstatt nach Urnäsch ins Tal. Anderntags frühmorgens fuhr mich die Leihgabe zum Urnäscher Bahnhof in den Velokeller. Jeden Abend und Morgen lachte mich der Drahtesel an. Die Olmazeit rückte dem Ende entgegen und somit musste ich auch den Gast aus Herisau wieder an Ort und Stelle zurückbringen. So habe ich vor wenigen Monaten und 22 Jahre später meiner Frau eingebleut, dass in Urnäsch im Velokeller das Fahrrad nicht abgeschlossen werden muss, wir sind ja nicht in Berlin. Eine grosse Freude, denn in der Hauptstadt wurden uns mindestens acht Fahrräder mit Kindersitzen gestohlen. Abgeschlossen. Und so geschah es vor wenigen Tagen, dass ich das Fahrrad, welches meine Frau im Velokeller stehengelassen hatte, nicht mehr auffinden konnte. Es war weg. Meine Frau schaute mich fassungslos an. Sind wir in Berlin oder was? Tags darauf schrie unser Zweitältester aus dem fahrenden Auto: «Mama dein gestohlenes Velo!» Tatsächlich. Schmunzelnd und unbemerkt holte ich den geliebten Drahtesel in der Zürchersmühle ab. Die Olmafahrt vor 22 Jahren ging mir durch den Kopf. Der Unterschied zu damals ist ein kleiner, feiner. Früher hiess es «holen und bringen» und heute heisst es «nehmen und lassen». Wie im 7. Himmel. In diesem Sinne: Noch eine schöne Olma!