Herisau

«Mit dem Gemeinderat wurden Gespräche über Erwartungen geführt»: Dies sind die Gründe für den Rücktritt des Gemeindepräsidenten

An einer kurzfristig angesetzten Medienkonferenz hat der Herisauer Gemeindepräsident Kurt Geser seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er habe das Amt und die Amtsführung unterschätzt, sagt er. Auch macht er sich Sorgen um seine Gesundheit.

Claudio Weder
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Für den Herisauer Gemeindepräsidenten Kurt Geser sind die Herausforderungen mit der Coronapandemie noch gewachsen.

Für den Herisauer Gemeindepräsidenten Kurt Geser sind die Herausforderungen mit der Coronapandemie noch gewachsen.


Bild: Benjamin Manser (Herisau, 22. März 2019)

«Manchmal kommt es anders, als man denkt.» Dies sagte Herisaus Gemeindepräsident Kurt Geser am Donnerstagvormittag vor den Medien. Überraschend hatte Geser nach knapp 18 Monaten im Amt seinen Rücktritt bekanntgegeben. Geser macht persönliche Gründe geltend: «Ich habe das Amt und die Amtsführung unterschätzt.» Sein Rücktritt erfolgt auf Ende des Amtsjahres am 31. Mai 2021.

Im Vorfeld gab es keine Anzeichen, die auf einen Rücktritt hindeuteten. Der Abgang von Kurt Geser kommt ebenso überraschend, wie es damals seine Kandidatur war: Knapp vier Wochen vor den Gesamterneuerungswahlen vom 17. März 2019 hatte niemand mehr mit einer Gegenkandidatur zu Renzo Andreani (SVP) gerechnet, welcher seit Anfang 2014 im Amt war. Geser, ein politischer No-Name, arbeitete damals seit knapp einem halben Jahr auf der Gemeindeverwaltung. Das Amt traute ihm niemand zu. Die Schlagzeile war perfekt: «Angestellter fordert Andreani heraus.»

Er macht sich Sorgen um seine Gesundheit

«Ich habe Stärken, aber auch klare Schwächen», sagte Geser. Und bei dem, was er mache, wolle er sich wohl fühlen. Sein Rücktritt erfolgt aber auch, weil er gesund bleiben wolle.

«Der Leistungsdruck und die Anspannung sind enorm.»

Mit der Coronapandemie seien die Herausforderungen noch gewachsen und haben für Geser eine Schwelle überschritten. Darauf wolle er nun «ehrlich und authentisch» reagieren.

Bereits als er sein Amt antrat, war für Geser klar, dass es eine «grosse Herausforderung» sein wird. Seine Motivation: «Ich will mein Bestes geben für Land und Leute, ich will Ideen im Gemeinderat einbringen, mitgestalten und mutig sein.» Heute, rund 500 Tage später, müsse er feststellen, dass die fehlende politische Erfahrung sowie die fehlende Parteiunterstützung eine schwere Hypothek gewesen seien. Verantwortungslos war die Kandidatur aber nicht, wie er klarstellen will. «Sie war sehr wohl überlegt.» Und die politische Erfahrung könne man sich erarbeiten. Weil Corona aber bereits nach neun Amtsmonaten eingeschlagen habe, sei die Zeit dafür schlicht zu kurz gewesen.

Es haben Gespräche über «Erwartungen» stattgefunden

Max Eugster ist seit 2006 im Gemeinderat Herisau.

Max Eugster ist seit 2006 im Gemeinderat Herisau.

Bild: PD

Der Gemeinderat zeigt Verständnis für Gesers Schritt. Laut Vizegemeindepräsident Max Eugster wurden im Vorfeld Gespräche geführt, in denen «Erwartungen» an den Gemeindepräsidenten thematisiert wurden. «Die Coronakrise hat dazu geführt, dass sich bestimmte Dinge beschleunigten. Nebst der Bewältigung der Krise mussten auch die anderen politischen Geschäfte weitergeführt werden.»

Dies habe im Gemeinderat zu Diskussionen bezüglich der Rolle und der Verantwortung des Gemeindepräsidenten in dieser speziellen Situation geführt.

«Es gab jedoch keinen Konflikt, die Gespräche wurden in sachlicher und respektvoller Offenheit geführt.»

Auch stellt Eugster klar, dass es keine Rücktrittsforderungen seitens des Gemeinderats gab: «Kurt Geser hat seinen Entscheid selbstständig gefällt.»

Mit der Rücktrittsankündigung fällt für Geser «viel Druck weg». Bis zum Ende der Amtszeit will er sich weiterhin «für das Wohl von Land und Leuten einsetzen». Ab dem 1. Juni 2021 stellt er sich wieder neuen Herausforderungen, und zwar dort, wo seine «Erfahrung und Stärken liegen»: am liebsten im immobiliennahen Umfeld.