Im Geist des Glaubens und der Liebe

«Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaot.» (Sacharja 4,6)

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Franz Marc: «Kämpfende Formen» (Ausschnitt), 1914, Pinakothek der Moderne, München. (Bild: pd)

Franz Marc: «Kämpfende Formen» (Ausschnitt), 1914, Pinakothek der Moderne, München. (Bild: pd)

«Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaot.» (Sacharja 4,6)

Was für Gegensätze! Der Prophet Sacharja stellt Menschenkraft und Gotteskraft einander gegenüber. Nicht durch verheerende Menschengewalt, sondern durch Gottes geistvolles Wirken soll geschehen, was das Leben auf dieser Erde fördert und erhält.

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Diese Gegensätze zeichnen auch das Bild von Franz Marc (1880–1916) aus, welches er im Jahr 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, malte und ihm den Titel «kämpfende Formen» gab; das Bild ist in der Münchner «Pinakothek der Moderne» zu sehen.

Franz Marc versuchte, seiner Malerei einen spirituellen Ausdruck zu geben. Die leuchtenden Farben, mit denen er Menschen und vor allem Tiere darstellte, sprechen mich an.

Sein Weg zur Abstraktion war dabei bestimmt durch seine Erfahrung und Überzeugung, dass die ursprüngliche Reinheit der Natur verloren gegangen war. So malte er mit der Zeit immer weniger Menschen und Tiere – berühmt war er ja durch seinen «Blauen Reiter» geworden. Zum Schluss schuf er eine Reihe von Bildern mit spielenden, zerbrechenden und kämpfenden Formen, wie das hier abgedruckte.

In abstrakter Form mit ineinander verwobenen, kräftigen Farben stellte er die Wirren seiner Zeit (vor inzwischen beinahe 100 Jahren) dar. Er hoffte, dass «seine» Farbe Blau zum Zuge kommt, die für ihn den Rhythmus im Kosmos darstellt. Er meinte leider sogar, wie andere Intellektuelle seiner Zeit auch, dieser Idee zum Siege verhelfen zu müssen. Ein fataler Irrtum, wie er kurz vor dem Tode seiner Frau schrieb. Marc starb an der Kriegsfront.

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Auch heute habe ich den Eindruck, dass «Formen» aufeinanderprallen, gegeneinander kämpfen, uns verunsichern und Angst machen. Ich denke zum Beispiel an die Profitgier, die sich auch an der Rücksichtslosigkeit der Menschheit im Umgang mit der Schöpfung zeigt. Verödet die Welt immer mehr, so veröden wir Menschen selbst mit, und kein scheinbarer Wohlstand gleicht das Elend aus. Der Mensch ist in das Wurzelwerk der Schöpfung eingebunden. Er lebt und stirbt mit ihr.

Das Bibelwort aus dem Prophet Sacharja erinnert uns daran, dass der Mensch leider immer wieder dazu neigt, sich mit Gewalt durchzusetzen. Dies bringt letztendlich Tod.

Gottes Handeln dagegen ist durch seinen Geist der Liebe geprägt, eine Kraft, aus der Leben entsteht. Geist im biblischen Sinn ist mehr als ein Gedanke, eine innere Haltung oder Überzeugung.

Das der deutschen Übersetzung zugrunde liegende hebräische Wort bedeutet «Atem, Wind, Sturm oder schöpferische, Leben schaffende Dynamik».

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In einer Welt, die bis heute voller gewalttätiger Heeresmacht ist – die Gefahr des zigfachen atomaren «Overkills» besteht ja nach wie vor –, lenkt das Sacharjawort unsere Aufmerksamkeit auf eine andere Macht, die «himmlischen Heerscharen», mit denen Gott durch das hebräische Wort «Zebaot» in Verbindung gebracht wird.

Diese Macht ermutigt, im Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe pfleglich mit Menschen und der Erde umzugehen. Sie wirbt für ein Leben in Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Frieden. Sie fördert das Miteinander, und sie fordert die offene Hand, nicht die geballte Faust.

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«Selig, die auf Gewalt verzichten», ruft Jesus ganz im Sinn des Sacharjawortes in diese Welt.

Was kann dies praktisch für mich bedeuten? Zum Beispiel: Gottes Geist will mich in dieser neuen Woche in meinem Tun und Lassen bestimmen, in meinem ganz persönlichen Alltag, im privaten und im beruflichen Umfeld. Es ist eine liebende Kraft, die nicht verletzt und zerstört, sondern heilt und aufrichtet. In solcher Kraft und im Vertrauen, dass Gottes Atem wirkt, sich mit meinem eigenen Atem verbindet, mich beseelt und stärkt, kann ich hoffnungsvoller durch die neue Woche gehen und den Anforderungen begegnen, die ja sowie so kommen werden.

Ich will mich von der alten Pfingstbitte inspirieren lassen: «Veni, creator spiritus», «Komm, Schöpfer, Heilige Geistkraft, Heiliger Geist...» Denn wir gehen nicht nur schweren Zeiten entgegen, sondern dem Messias.

Pfarrer Axel Fabian, Teufen