Im Gedenken an den Angriff

HEIDEN. Der 70. Jahrestag des Atombombenangriffs auf Nagasaki stand am Sonntagvormittag, um 11.02 Uhr, in Heiden im Zentrum einer Gedenkfeier. Begonnen wurde der Anlass mit dem traditionellen Läuten der Friedensglocke vor dem Dunant-Museum.

Christof Lampart
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Im Nu bildete sich eine lange Schlange, wollte doch jede(r) die Gelegenheit nutzen, um die Friedensglocke zu läuten. (Bild: Christof Lampart)

Im Nu bildete sich eine lange Schlange, wollte doch jede(r) die Gelegenheit nutzen, um die Friedensglocke zu läuten. (Bild: Christof Lampart)

Rund 80 Personen – darunter auch Heidens neuer Gemeindepräsident Gallus Pfister –, gedachten bei hochsommerlichen Temperaturen der schrecklichen Ereignisse vor genau 70 Jahren, als, binnen weniger Sekunden, eine ganze Stadt und deren Bevölkerung buchstäblich ausgelöscht wurde.

Unsägliches Leid

Im Beisein von Delegationen der Schweizerisch-Japanischen Gesellschaft und des Schweizerisch-Japanischen Kulturvereins Yamato erinnerte der Präsident des Dunant-Museums, Norbert Näf, an die schrecklichen Momente: «Es ist jetzt 11.02 Uhr, meine Damen und Herren. Vor genau 70 Jahren brach unsägliches Leid über Nagasaki herein. Der Atombombenabwurf legte die Stadt in Schutt und Asche und schadete Tausenden von Menschen durch ihre Strahlung in ihrer Gesundheit und der ihrer Nachkommen.» Anschliessend sprach Hitoshi Nogawa, Vorstandsmitglied der Schweizerisch-Japanischen Gesellschaft, in einer beeindruckenden Rede über die Ängste, Sorgen, Vorstellungen und Ansichten der Japaner über die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Dabei räumte er auch mit der früher oft verbreiteten Mär auf, dass die Atombombenangriffe notwendig gewesen seien, um den Krieg zu verkürzen. Die heute bekannten, lange aber geheim gehaltenen Dokumente der US-Armee bewiesen, dass es den Amerikanern vor allem daran gelegen war, neue Waffen «wissenschaftlich» zu testen und auszuwerten.

Heiden ist die Ausnahme

Die Friedensglocke in Heiden, welche das Dunant-Museum 2009 von der Universität Nagasaki erhalten hatte und 2011 feierlich eingeweiht wurde, erinnert an die wie durch ein Wunder unbeschädigt gebliebene Angelus-Glocke, die während des Atombombenangriffs vom 50 Meter hohen Turm der Kathedrale zu Boden fiel und später mit nur ganz unbedeutenden Schäden in den Trümmern aufgefunden wurde. Seit 1988 werden Duplikate gegossen und an Orte vergeben, die unter schweren kriegerischen Ereignissen oder Naturkatastrophen gelitten haben. So hängen je eine im Friedenspark von Hiroshima, in Tschernobyl, in Leningrad und in Honolulu. Heiden ist der einzige Standort, der – als grosse Ausnahme – die Glocke zu Ehren von Henry Dunant, dem Gründer des Roten Kreuzes, erhält. Musikalisch sehr schön und gehaltvoll umrahmt wurde die Gedenkstunde durch die in Basel lebende Querflötistin Reina Abe, welche nicht nur Werke aus Barock und Moderne, sondern auch das populäre japanische Lied «Die Glocken von Nagasaki» zum besten gab.

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