Im Einsatz gegen Schwulenhass

APPENZELL. Der Appenzeller Moderator Marco Fritsche engagiert sich aktuell mit anderen prominenten Frauen und Männern in einer Kampagne gegen Homophobie. Er selbst fühlt sich wenig von Diskriminierung betroffen.

Karin Erni
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«Bei vielen jungen Leuten ist eine latente Homophobie vorhanden», sagt Marco Fritsche. (Bild: Matthias Kummer)

«Bei vielen jungen Leuten ist eine latente Homophobie vorhanden», sagt Marco Fritsche. (Bild: Matthias Kummer)

Für die Kampagne «Nein zu Homophobie, Ja zu Toleranz» hatten zwei Schweizer Jugendorganisationen 150 prominente Schweizer angefragt, ob sie sich an einer Plakatkampagne beteiligen würden. Rund 30 haben sich dazu bereit erklärt. Unter ihnen auch der Moderator Marco Fritsche. «Ich finde die Kampagne eine gute Sache. Sie wurde von jungen Leuten gestartet, die selbst von der Problematik betroffen sind», so der 38jährige Appenzeller. «Es ist meiner Erfahrung nach nicht so, dass die Jugend heute generell weniger Mühe mit Homosexualität hat», meint Fritsche. Es sei sogar eher wieder ein gewisser Rückschritt festzustellen. Vor allem junge Moslems und Secondos aus anderen Kulturkreisen täten sich schwer mit der Akzeptanz von Homosexuellen.

Initiative der Jugendsession

Verantwortlich für die Kampagne zeichnen die Jugendsession und Youth Rep, die Organisation, die Schweizer Jugendpolitik bei der UNO vertritt. Bereits an der Eidgenössischen Jugendsession 2013 hat sich die Jugendsession mit dem Thema Homophobie auseinandergesetzt. «Dabei hat sich gezeigt, dass weiterhin grosser Diskussionsbedarf besteht», sagt Anna-Lena Nadler, Co-Präsidentin des Forums Jugendsession. Sie hätten fast ausschliesslich positive Reaktionen auf die Kampagne erhalten, so Nadler. «Eher negative Rückmeldungen hatten wir lediglich von einigen Organisationen, die sich für Lesben, Schwule und Transgender einsetzen», so Nadler. «Sie hätten sich eine Mitwirkung und den Einbezug der Transgender-Problematik gewünscht.»

In Appenzell kein Problem

In Appenzell werde um seine sexuelle Orientierung nicht viel Aufhebens gemacht, sagt Marco Fritsche. «Ich habe das Gefühl, dass die Tatsache, dass ich in einer eingetragenen Partnerschaft lebe, eher hilfreich ist. Der formal-juristische Rahmen beruhigt gewisse konservativ eingestellte Leute etwas. Aber vielleicht sind sie des Themas auch einfach überdrüssig geworden.» Als Fernsehmann habe man ohnehin einen gewissen Freipass, dürfe quasi von Berufs wegen exzentrisch sein, so Fritsche. «Mir leuchtet aber nicht ein, dass nicht jedem Lehrer oder Maurer die gleiche Freiheit zugestanden wird.»

«Schwule Sauhunde»

«Meine Bauern haben manchmal kurze homophobe Anfälle. Da bezeichnete zum Beispiel einmal einer die Schwulen als Sauhunde», erzählt Fritsche. Zwar heisse es dann immer, «dich meinen wir natürlich nicht, du bist okay». Aber es sei schwierig, sich von solchen globalen Verunglimpfungen nicht betroffen zu fühlen. «Für viele Landbewohner ist Homosexualität halt etwas Abstraktes, das sie nicht kennen und darum störend finden», vermutet Fritsche.

«Mein wichtigster Beitrag liegt darin, dass ich kein Geheimnis aus meiner eigenen Homosexualität mache», beantwortet Fritsche die Frage nach seinem Engagement für die Anliegen der Homosexuellen. Er investiere einen Teil seiner Freizeit in Froneinsätze, bei denen er seine Fähigkeiten einbringen könne. Vor allem die Aids-Hilfe Schweiz kann regelmässig auf seine Unterstützung zählen. «Es müssen aber nicht per se schwule Themen sein, für die ich mich engagiere», so Fritsche. Die Anfrage müsse einfach seriös und nachvollziehbar sein. Kürzlich habe er sich beispielsweise für die berufliche Integration von Jugendlichen in Südosteuropa engagiert. «Dieses Thema liegt mir nahe, weil mein 17jähriger Göttibub gerade eine Lehrstelle sucht.»

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